Das dritte Opfer des „Münsterlandmörders“
Sie stieg zum Mörder ins Auto

Bad Bentheim / Coesfeld -

Eigentlich wollte die 18-jährige Schülerin Marlies Hemmers aus Nordhorn mit ihrem Freund nur für einen Ferientrip nach Wien trampen. Mit großen Rucksäcken beladen, haben es die beiden am frühen Morgen des 6. August 1973, einem Montag, von Nordhorn schnell bis nach Bentheim geschafft.

Mittwoch, 02.12.2015, 10:12 Uhr

Marlies Hemmers aus Nordhorn wollte nach Wien trampen. Nahe Dülmen wurde ihre Leiche gefunden.
Marlies Hemmers aus Nordhorn wollte nach Wien trampen. Nahe Dülmen wurde ihre Leiche gefunden. Foto: Polizei

 Aber in der Franzosenschlucht (B 403) in Bad Bentheim geht es nicht weiter. So entschließt sich das Pärchen, wegen des großen Gepäcks bis nach Düsseldorf getrennt zu reisen.

Der junge Mann erwischt, so die Rekonstruktion, zuerst eine Mitreisegelegenheit. Die bei 1,68 Meter Größe recht zierliche Marlies Hemmers, langhaarig und dunkelblond, bleibt am Ortsausgang Bad Bentheims auf der Bundesstraße 403 zurück. An der B 54, am Ortsausgang von Ochtrup (in Richtung Burgsteinfurt), ist die erste Etappe als alleinreisender Tramper für Marlies‘ Freund aber schon zu Ende. Während er auf ein weiteres Auto wartete, das ihn mitnehmen kann, sieht er um 7.45 Uhr Marlies Hemmers vorbeifahren. Sie sitzt, so gibt er später zu Protokoll, auf dem Beifahrersitz in einem Pkw mit schwarzen Kennzeichen und reagiert weder auf sein Winken noch nimmt sie Blickkontakt auf.

In der Franzosenschlucht trennt sich Marlies Hemmers von ihrem Freund, um alleine weiterzureisen.

In der Franzosenschlucht trennt sich Marlies Hemmers von ihrem Freund, um alleine weiterzureisen. Foto: GN-Archiv

Der junge Mann kommt am frühen Nachmittag wie geplant am vereinbarten Treffpunkt, der Kunsthalle in Düsseldorf, an. Als seine Freundin Marlies auch viele Stunden später nicht eintrifft, geht er zur Polizei. – Marlies Hemmers aber bleibt verschwunden.

Zwei Tage vor Heiligabend, fast 20 Wochen nach dem Verschwinden von Marlies Hemmers, macht ein Zeuge im Merfelder Bruch, nahe Dülmen, eine schreckliche Entdeckung. Er findet die bereits stark verweste Leiche von Marlies Hemmers in einem Waldgebiet an der L 599. Der Fundort ist etwa 25 Kilometer Luftlinie entfernt von der Stelle, an der Barbara Storm im Mai des Vorjahres gefunden worden ist.

Dieses Mal hat der Täter sich die Beseitigung des Leichnams nicht leicht gemacht. Zuerst muss er von der L 600 nahe Merfeld über einen unbefestigten Wald- und Wirtschaftsweg gefahren sein, anschließend muss er sein Opfer noch über eine Waldschneise geschleppt haben, denn hier konnte kein Auto mehr fahren.

Aufgrund der langen Liegezeit können die Gerichtsmediziner zur Todesursache von Marlies Hemmers keine konkreten Aussagen mehr machen. Dass es der dritte Mädchenmord einer schrecklichen Serie ist, gilt aber als sicher. Der Rucksack von Marlies Hemmers wird in einem Graben 300 Meter entfernt gefunden. Einige Gegenstände aus dem Gepäck haben aber auch neben der Leiche gelegen. Der Reisepass und ihr Jugendherbergsausweis fehlen. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass Marlies Hemmers noch am Tag ihres Verschwindens getötet worden ist.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3662542?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F4848633%2F4848634%2F3662078%2F
Nachrichten-Ticker