Das vierte Opfer des „Münsterlandmörders“
Der Täter nahm die Tasche mit

Münster/Schüttorf -

Erika Kunze aus Nordhorn hatte ein Prinzip: Die 22-jährige Studentin ist nie in Lastwagen und in Autos mit ortsfremden Kennzeichen gestiegen, haben ihre Freundinnen berichtet.

Mittwoch, 02.12.2015, 10:12 Uhr

Das vierte und letzte Opfer des Mädchenmörders im Münsterland war im Oktober 1974 Erika Kunze.
Das vierte und letzte Opfer des Mädchenmörders im Münsterland war im Oktober 1974 Erika Kunze. Foto: Polizei

Es musste schon ein BF, ein NOH oder ein AH sein. Da fühlte sie sich sicher. Und dennoch wurde der schlanken, nur 1,56 Meter großen Studentin das Trampen zum Verhängnis.

Dienstag, 22. Oktober 1974: Erika Kunze hat eine wichtige Prüfung bestanden und ruft ihre Mutter an. Sie teilt mit, dass sie noch kurz in die Unibibliothek in Münster gehe und dann per Anhalter nach Hause kommen werde. Sie wird gesehen, wie sie gegen 15 Uhr an der Steinfurter Straße (B 54) auf eine Mitfahrgelegenheit hofft. Ihre Mutter wartet vergebens auf Erika. Dieser Nachmittag ist der letzte Zeitpunkt, an dem sie lebend gesehen wird. Die Polizei geht davon aus, dass sie am selben Tag ermordet wurde.

EIne Plastiktasche mit Blümchenmuster , mit der Erika Kunze Bücher transportierte.

EIne Plastiktasche mit Blümchenmuster , mit der Erika Kunze Bücher transportierte. Foto: Polizei

Am Abend des 22. Oktober beobachtet ein Autofahrer einen älteren dunklen oder mausgrauen Mercedes, der auf der damaligen B 65 (heute L 39), zwischen Schüttorf und Salzbergen, auffallend langsam fährt. Der Fahrer scheint nach einer Abzweigung in Richtung Samern zu suchen. Auf dem Beifahrersitz glaubt der Zeuge, eine Frau zu sehen, die sich nicht rührt. Schließlich biegt der Mercedes ins Samerrott ab. In Erinnerung bleiben dem Zeugen vom Kennzeichen die Buchstaben „BF“ für Burgsteinfurt.

Erika Kunzes Leiche wird eine Woche später, am Vormittag des 29. Oktober, tatsächlich in der Nähe der Stelle gefunden, an der der Zeuge den dunklen Mercedes mit Heckflossen gesehen hat. Die 22-Jährige liegt – erwürgt und erschlagen – im Samerrott zwischen der L 39 und einer Landstraße, die nach Wettringen führt. Die Auffindesituation ähnelt der von Edeltraud van Boxel und Barbara Storm, und laut Obduktion hat auch hier kein Geschlechtsverkehr stattgefunden. Der Ort des Leichenfundes ist, so die Ermittler, in keinem der Fälle der Tatort.

Das Buch "Jugend und Krise" von Erik H. Erikson hatte sich Erika Kunze am Tag ihres Verschwindens in der Unibibliothek ausgeliehen.

Das Buch "Jugend und Krise" von Erik H. Erikson hatte sich Erika Kunze am Tag ihres Verschwindens in der Unibibliothek ausgeliehen. Foto: Werner Westdörp

Auch bei Erika Kunze nimmt der Mörder Taschen seines Opfers mit: Eine jeansfarbene Umhängetasche sowie eine Plastiktasche mit Blumenmuster, in der sich mehrere Bücher befinden. Die Handtasche wird später am „Haddorfer See“ gefunden. Die Ausweispapiere Erika Kunzes liegen sechs Kilometer vom Leichenfundort entfernt.

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