Das erste Opfer des „Münsterlandmörders“
Schrecklicher Fund in Sellen

Münster -

Die 23-jährige Edeltraud van Boxel aus Münster ist 1971 wahrscheinlich das erste Mordopfer des „Münsterlandmörders“. Die junge Frau arbeitet, obwohl sie im siebten Monat schwanger ist, auf dem Straßenstrich nahe der WCG-Tankstelle am Industrieweg in Münster.

Mittwoch, 02.12.2015, 10:10 Uhr
Edletraud van Boxel aus Münster ist 1971 wohl das erste Opfer des "Münsterlandmörders".
Edletraud van Boxel aus Münster ist 1971 wohl das erste Opfer des "Münsterlandmörders". Foto: Polizei

Die zierliche, nur 147 Zentimeter große Frau mit dem schulterlangen Haar ist mädchenhaft gekleidet, mit Trägerrock unter dem hellen Mantel, weißen Kniestrümpfen und schwarzen Lackschuhen. Die Schwangerschaft sieht man ihr möglicherweise auf den ersten Blick nicht an.

In einem VW-Käfer wurde das Opfer transportiert.

In einem VW-Käfer wurde das Opfer transportiert. Foto: J. Lüken

Zum letzten Mal wird Edeltraud van Boxel von Kolleginnen lebendig gesehen, wie sie in einen hellen VW-Käfer mit „großer Heckscheibe“ einsteigt. Es ist Sonntag, der 21. November 1971, etwa 20.30 Uhr. Der VW hält nicht weit entfernt an, später fährt er mit hoher Geschwindigkeit an den Zeuginnen vorbei. Ihnen fällt im Kennzeichen ein „F“ auf und zumindest eine „8“. Am Steuer sehen sie einen Mann, der 23 bis 25 Jahre alt sein könnte, blondes bis dunkelblondes Haar hat, sowie einen normalen Haarschnitt trägt. Am Ort, wo der VW geparkt hatte, findet sich später der rote Regenschirm von Edeltraud van Boxel.

Etwa gegen 21.15 Uhr fällt der VW-Käfer erneut auf, als er auf der B 54 zwischen Nienberge und Altenberge hastig ein anderes Auto überholt. Dabei kippt laut Zeugenaussagen auf dem Beifahrersitz jemand zum Fenster.

Die schwarze Tasche des Mordopfers.

Die schwarze Tasche des Mordopfers. Foto: Burkert, Steffen

Dass Edeltraud van Boxel bewusstlos oder tot in einem VW-Käfer transportiert worden sein muss, beweist später ein Brandmuster von der VW-typischen Heizung an ihrem Fußknöchel.

Gefunden wird Edeltraud van Boxel noch am selben Abend im Kreis Steinfurt gegen 23.40 Uhr von einem heimkehrenden Landwirt. Der Fundort liegt in der Bauerschaft Sellen zwischen Steinfurt und Wettringen nahe der B 499, die nach Neuenkirchen und Rheine führt, und der B 54, die damals die Hauptroute zwischen Münster und Burgsteinfurt/Ochtrup darstellt.

Die Untersuchung des Tatorts und des Opfers ergibt: Edeltraud van Boxel ist von ihrem Mörder erwürgt worden. Der Leichenfundort bei Sellen ist offensichtlich nicht der Tatort. Es hat kein Geschlechtsverkehr stattgefunden, jedoch ist das Opfer teils entkleidet aufgefunden worden. Die Polizei muss von einem Sexualmord ausgehen.

Der Nordhorner Kriminalhauptkommissar Alois Krone vertritt später die Annahme, dass dieses der erste Mord des unbekannten jungen Mannes gewesen sein muss. Er habe Sex gesucht und die Situation sei irgendwie eskaliert. Ein Profiler, der später eingeschaltet wird, nimmt an, dass der Täter möglicherweise schon zuvor mit Sexualdelikten in Erscheinung getreten sein könnte.

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