Leon Winterscheid
Mit Psychotricks zur Millionenfrage

Er steht direkt vor der Millionenfrage. Nach mehreren Specials („Jackpot-Special“ und zwei „80er Jahre Specials“) geht es für Leon Winterscheid aus Münster am Montag um Alles! ie bereitet er sich vor? Darüber sprach er in einem Interview, das TV-Sender RTL zur Verfügung stellte.

Montag, 07.12.2015, 17:12 Uhr

Leon Winterscheid bei "Wer wird Millionär?".
Leon Winterscheid bei "Wer wird Millionär?". Foto: RTL / Frank Hempel

Waren Sie aufgeregt?

Leon Windscheid: Ich war unendlich aufgeregt! Das wäre glaube ich jeder. Alle Augen der Zuschauer sind auf einen gerichtet. Dazu die ganzen Kameras und Scheinwerfer, das Abwarten, die Auswahlrunde erst knapp verpasst, dann geschafft und plötzlich sitzt man Günther Jauch gegenüber. Man ist dann ganz alleine. Auf dem Stuhl fühlt man sich ein bisschen wie der Gladiator in der Arena. Die Fragen sind die wilden Tiere die einen anspringen und Günther Jauch ist so eine Art „sympathischer Cäsar“. Er macht den Daumen hoch oder runter.

Was war Ihre Strategie?

Als Psychologe weiß ich, dass man sich mit dem richtigen Training in fast allen Bereichen extrem verbessern kann. Meine Strategie war also, zu trainieren. Ich habe aber nicht nur Allgemeinwissen gelernt, sondern mich auch speziell auf die Situation auf dem Stuhl vorbereitet – und zwar mit Psychotricks. Es gibt zahlreiche Psychotricks, die helfen, mit der Aufregung fertig zu werden und einen klaren Kopf zu behalten.

Günther Jauch: Seine witzigsten Grimassen

1/17
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Foto: dpa

Welches waren Ihre Psycho-Tricks?

Es gibt eine ganze Reihe Psychotricks, die einen bei „Wer wird Millionär?“ ans Ziel bringen können. Locker bleiben ist für mich die oberste Devise. Da hilft es jemanden mitzubringen, dem man blind vertraut. Bei mir die Freundin. Als Wissenschaftler glaube ich natürlich nicht an den sechsten Sinn oder übernatürliche Kräfte. Aber zu wissen, dass da hinter dir jemand sitzt, der zu dir hält, ist extrem beruhigend. Für andere kann das der Häschen-Schlüsselanhänger von Nicki sein oder ein Talisman in der Hosentasche.
Ein anderer Trick ist lautes Denken. Was im Stillen Kämmerlein unseres Gehirns richtig und sinnvoll erscheint, entpuppt sich schnell als vollkommener Blödsinn, wenn man es laut ausspricht. Bei allen schwierigen Fragen habe ich versucht, meine Gedanken klar und deutlich aufzusagen. Das ist so, als würde man sich selbst abfragen. Stimmt das was du da erzählst, Leon? Habe ich wirklich Ahnung oder spielt mir mein Gehirn vielleicht nur einen Streich? Bei der 500.000 Euro Frage zur „Elo-Zahl“ wusste ich erst nur, dass ich den Begriff sicher schon gehört hatte. Dann bin ich alle Antwortmöglichkeiten einzeln durchgegangen und habe immer wieder mit meinen Erinnerungen laut abgeglichen. Am Ende war ich mir zu knapp 80% sicher, die Elo-Zahl vom Schachspielen zu kennen. Die wackeligen 41 Prozent vom Publikumsjoker haben mir dann gereicht, mich zu entscheiden.

Haben Sie sich wirklich in Unterhose vorbereitet?

Wenn ein Mensch Stress und Aufregung empfindet, wie zum Beispiel bei einem Referat oder einer Rede, kommt es oft zu dem, was wir Psychologen als „Spirale der Angst“ bezeichnen. Man denkt, die Aufregung würde immer schlimmer werden und kein Ende nehmen. Ich bin bei Referaten früher oft ganz rot angelaufen und mir wurde abwechselnd heiß und kalt. Man kann üben, diese Angst in den Griff zu bekommen. Genauso habe ich es für die Show gemacht. Auf einem Stuhl, so ähnlich wie der im Studio, habe ich vor meinen Freunden Fragen in Boxershorts beantwortet. Das ist eine komische, peinliche Situation. Vor Günther Jauch sitzt man natürlich nicht in Unterwäsche, aber wer vorher schon mal Fragen unter Stress, in einer ungewohnten Situation beantwortet hat, ist gegen die Aufregung gewappnet.

Leon Windscheid vor einer Graffiti-Wandmalerei in Münster.

Leon Windscheid vor einer Graffiti-Wandmalerei in Münster. Foto: Sandra Dittmer / RTL / dpa

Wie haben Sie Günther Jauch empfunden?

Es ist spannend, dem Quizmaster live zu begegnen. Er bleibt total cool und ist sehr sympathisch. Aber seine Miene ist ein Buch mit sieben Siegeln. Ich glaube, dass er einem bis 1.000 Euro gerne hilft. Spätestens dann freut er sich aber wie ein Schuljunge über jeden Joker, den er dir abluchsen kann. Wenn er eine Antwort allerdings selbst weiß oder merkt, dass der Kandidat nur rät, habe ich das Gefühl, würde er vielleicht niemanden ins Verderben laufen lassen.

Was machen Sie sonst so?

Ich arbeite hauptsächlich an zwei Projekten. Mitte nächsten Jahres verteidige ich meine Doktorarbeit (Thema: Vielfalt in Führungsetagen). Wenn man nicht abschreibt [lacht], ist das verdammt viel Arbeit. Ich schreibe jeden Tag, werte Statistiken aus und führe Experimente durch. Auch wenn es immer wieder Rückschläge und Momente gibt, in denen man am liebsten alles hinwerfen würde, forsche ich unendlich gerne. Wissenschaft macht mir großen Spaß. Das zweite Projekt sind die Events, die ich mit meinem Bruder und verschiedenen Partnern in Münster veranstalte. Wir erreichen mit mehreren hundert Veranstaltungen pro Jahr viele zehntausend Studenten. Deko bauen, Flyer entwerfen und manchmal selbst als DJ auflegen ist der perfekte Ausgleich zum kopflastigen Doktorandendasein.

Wie bereiten Sie sich nun auf die Millionenfrage vor?

Als Vorbereitung auf die Millionenfrage werde ich weiter viel lesen. Ich lese ganz viele Zeitungen, Blogs und auch Lexika und Atlanten. Geschichte, Politik, Wirtschaft Kunst und Film finde ich schon immer sehr interessant. Jetzt wo alle Joker weg sind, muss ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und auch den Sportteil der Zeitungen lesen, die Bunte kaufen und anfangen Schlager- und Popmusik zu hören. Davor graut es mir ein bisschen. Besonders auf den Gebieten Sport, Stars und Sternchen bin ich eine totale Niete. Diese Wissensgebiete reizen mich überhaupt nicht.

Was sind Ihre Träume?

Ich wünsche mir sehr, dass egal was in der Show passiert, alles so weitergeht wie bisher! Was ich mache, mache ich leidenschaftlich gerne und habe viel Herzblut reingesteckt. Daran wird auch viel Geld nichts ändern. Ich träume schon lange davon, die Urwaldinseln São Tomé und Príncipe im Golf von Guinea zu bereisen. Das würde ich meiner Freundin und meiner Familie schenken, wenn ich nicht auf 500 Euro abstürze.

Welche Pläne haben Sie?

Ich schreibe ein Buch über Psychotricks, mit denen man das eigene Gehirn an der Nase herumführen kann. Psychologie ist extrem spannend. Kleine Kniffe und Tricks können jedem helfen, im Alltag genauso wie auf dem Millionenstuhl. Das Buch soll eine witzige und effiziente Anleitung über „Psychotricks für alle Lebenslagen” enthalten. Am Titel arbeite ich noch [lacht] und einen Verlag habe ich auch noch nicht gefunden. Das erste Kapitel ist aber schon fertig.

Wie wollen Sie Günther Jauch bei der Millionenfrage knacken?

Keiner ist unknackbar. Auch nicht Günter Jauch. Und auch nicht, wenn es um eine Million geht. Ich würde sagen, dass ich ein planender Zocker bin. Wenn ich die Frage irgendwie zu packen kriege, stelle ich mich der Herausforderung!

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3668065?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F4848633%2F4848634%2F3668024%2F
2020 sollen die Abfallgebühren steigen
Erste Anhebung seit zehn Jahren: 2020 sollen die Abfallgebühren steigen
Nachrichten-Ticker