Spitzenkoch René Kalobius
Ein echter Typ am Herd

Riesenbeck -

Unglaublich dieser Bart. Mütze, Ohrringe, Tätowierungen beide Arme rauf, lockige lange Haare. Der Mann sieht aus wie ein Pirat. Es ist schon mega-cool, was das piekfeine, klassisch-noble Parkhotel Surenburg sich da neuerdings als Küchendirektor an den Herd geholt hat: René Kalobius (55) wird nun Regie führen in der Küche der „Westfälischen Stube“.

Montag, 07.12.2015, 10:12 Uhr

Das Chef-Duo am Herd der Gourmet-Küche: Gino Malloci ( l.) und René Kalobius kreieren lukullische Genüsse der Extraklasse. Ihr Ziel – und natürlich auch das Ziel des gesamten Küchenteams der Surenburg: Den Michelin-Stern verteidigen
Das Chef-Duo am Herd der Gourmet-Küche: Gino Malloci ( l.) und René Kalobius kreieren lukullische Genüsse der Extraklasse. Ihr Ziel – und natürlich auch das Ziel des gesamten Küchenteams der Surenburg: Den Michelin-Stern verteidigen Foto: Peter Henrichmann

Ein Michelin-Stern strahlt über dem Gourmet-Restaurant. „Den wollen wir verteidigen“, sagt der Spitzenkoch.

„Sag’ René zu mir, und sag’ auch ruhig ,du’. Das macht sowieso jeder...“, reicht er die Hand zur Begrüßung, schaut einem in die Augen und zeigt ein autobahnbreites Lächeln über seinen Spitz-Bart hinweg. Genau so wird es künftig Anzugträgern und Professoren gehen, die wegen der Sterne-Klasse auf dem Teller nach Riesenbeck reisen. „Ich sag’ immer guten Tag, möchte jeden Gast persönlich kennenlernen, bevor ich für ihn koche.“ An René kommt man nicht vorbei.

Fast 40 Jahre schon kocht sich der gebürtige Dürener durch die Welt. Wenn er nachdenkt, kommt er auf über 15 Stationen: Teneriffa, Indonesien, Costa Rica, Namibia, hier und da in Deutschland, häufiger im Fernsehen – „andere sagen das, aber ich wehre mich gegen die Bezeichnung Promi“ sagt René. Der seit einiger Zeit sein Herz an die Toscana verloren hat. Dort hat er ein großes Landgut. All’ das natürlich mit Kochen, Übernachten und toskanischen Hausschweinen, die sich gerne streicheln lassen. Nicht Öko, nicht Bio, kein Prediger, aber mit Wertschätzung für die Natur, so mag René das. Macht eigenen Schinken, eigene Salami, eigenes Olivenöl etc.

In der Toskana hat Susanne Breitung, Direktorin im Parkhotel, ihren neuen Koch kennengelernt. Sie war urlaubsreif, er war charmant, „es passte sofort“, erinnert er sich. Und als die Hotelchefin aus dem Tecklenburger Land bei einem Personal-Engpass im Restaurant kurzerhand ausgeholfen und den Service geschmissen hat, wurde eine echte Freundschaft geboren. Dann kam der Hilferuf, als im Parkhotel Ex-Küchenchef Richard Nussel urplötzlich den Kochlöffel abgegeben hat: „Könntest du einspringen, René?“ Er konnte. Er wollte.

Gut Essen: Hier geht das

► Im Vier Sterne Superior Parkhotel Surenburg (neu eröffnet 2012) gibt es zwei Restaurants. Das Restaurant Surenburg mit saisonal-regionaler Karte sowie das Gourmet-Restaurant namens „Westfälische Stube“, seit Ende 2014 mit einem Michelin-Stern.

► Das Haus ist seit 2013 Mitglied in der „Chaîne des Rotîsseurs“ und seit 2014 bei „Westfälisch genießen“.

► Mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet sind im Münsterland das Restaurant „Gourmet 1895“ im Hotel Kaiserhof in Münster sowie „Keilings Restaurant“ in Bad Bentheim. In Dorsten gibt es mit dem „Goldenen Anker“ (ein Stern) und dem „Rosin“ (zwei Sterne) gleich zwei Spitzenküchen. Absolut Spitze ist nach wie vor das „La Vie“ in Osnabrück mit drei Sternen.

...

Mit seinem altersschwachen Ford Ka kachelten Kalobius und seine bessere Hälfte Gilla rauf von Bella Italia nach Riesenbeck. Vier Sterne Superior am Entrée – „Wow“, beschreibt er seinen ersten Eindruck. „Das ist hammergeil hier“ – René spricht manchmal so wie er aussieht. Seine Begeisterung ist hörbar: „Ich kenne Restaurants, da ist die Toilette größer als die Küche.“ Und er schwärmt von feinster Küchentechnik und von Platz, Platz, Platz. Hier wird er sich wohlfühlen.

Apropos: René ist irgendwie wie Wellness am Herd. Küche ist Vollstress und Hektik – immer. Aber er hat schon nach drei Wochen „einiges umgekrempelt.“ Von Brüllerei auf Respekt umgestellt, auf das besagte, menschlich nahe „du“, auf Handschlag jeden Morgen, auf Teamgeist und Wertschätzung für Mitarbeiter.

Mit einem toskanisch-westfälischen Ansatz möchte René nun die Feinschmecker erfreuen. Teamwork ist dabei angesagt: Gino Malloci (34) wird ihm als Küchenchef zur Seite stehen. Kalobius wird jahreszeitlich und wochenweise pendeln zwischen Riesenbeck und Toscana. Langfristig soll die Surenburg Koch-Heimat werden: „Ich sehe das auf Jahre, ich will nichts anfangen und wieder abhauen.“

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