Kontrollen zu Aufenthaltsrechten
73 Anzeigen nach Razzia in zwei Flüchtlingsheimen

Ahlen -

(Aktualisiert um 19.04 Uhr) Eine Gruppe von 230 marokkanischen und algerischen Flüchtlingen hat den Behörden in Ahlen seit ihrer Ankunft vor einer Woche jede Menge Arbeit gemacht. Am Dienstag zeigte der Kreis Warendorf als zuständige Kreispolizeibehörde klare Kante.

Dienstag, 19.01.2016, 19:01 Uhr

Kontrollen zu Aufenthaltsrechten : 73 Anzeigen nach Razzia in zwei Flüchtlingsheimen
400 Polizisten waren am Dienstagmorgen im Einsatz, um Flüchtlinge in zwei Ahlener Notunterkünften zu kontrollieren. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Aktion beginnt Punkt sieben. Zwei Hundertschaften der Polizei durchsuchen unterstützt von Beamten der Warendorfer Kreispolizei zwei Notunterkünfte in Ahlen. Die Razzia in den Flüchtlingsheimen hat einen Grund: In der vergangenen Woche hat die Bezirksregierung in Arnsberg rund 230 Männer aus Marokko und Algerien in der Stadt untergebracht. Seitdem hat die Polizei alle Hände voll zu tun. Diebstähle, Drogendelikte, Körperverletzung, Nötigung, und unflätiges Verhalten : Dem Kreis Warendorf als Ordnungsbehörde reichte es. Am Dienstagmorgen griff er durch. Mit 400 Polizisten.

Polizei-Einsatz in Notunterkünften

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  • Foto: Jürgen Peperhowe
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  • In zwei Notunterkünften in Ahlen überprüfte die Polizei am Dienstagmorgen die Identität und Papiere Hunderter Zuwanderer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die örtliche Polizei wurde bei der Kontrollaktion von Einsatzhundertschaften aus Münster und Dortmund unterstützt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Grund für den polizeilichen Einsatz: Es besteht der Verdacht, dass zahlreiche marokkanischer Zuwanderer gegen das Aufenthaltsrecht verstoßen haben, keine oder nur unzureichende Papiere haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • In Ahlen sind 230 Männer aus Nordafrika - vorwiegend Marokko - in den Notunterkünften untergebracht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wegen mehrerer Straftaten ist die Polizei zuvor in den Ahlener Unterkünften im Einsatz gewesen. Dabei haben die Beamten festgestellt, dass sich einige der Männer illegal in Deutschland aufhielten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Polizei-Einsatz in Notunterkünften Foto: Jürgen Peperhowe
  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

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  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

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  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

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  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

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  • Polizei-Razzia in der Ahlener Bodelschwingh-Schule

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  • Polizei-Razzia in der Ahlener Westfalen-Kaserne

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Polizei-Razzia in der Ahlener Westfalen-Kaserne

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Polizei-Razzia in der Ahlener Westfalen-Kaserne

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Polizei-Razzia in der Ahlener Westfalen-Kaserne

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Landrat Olaf Gericke

    Foto: Jürgen Peperhowe
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  •  Petra Schreier (Ordnungs- und Rechtsdezernentin)

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  • Polizeidirektor Christoph Ingenohl

    Foto: Jürgen Peperhowe
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Vor der früheren Bodelschwinghschule stehen etliche Mannschaftstransporter. Auf dem Gelände ist Uniform-Blau ist die dominierende Farbe. „Bei dem Einsatz geht es vor allem darum, die Identitäten der Flüchtlinge aus Nordafrika festzustellen“, sagt Polizei-Sprecherin Susanne Dirkorte-Kukuk. Durch ein Fenster kann man sehen, wie das geht: Polizisten mit Handschuhen und Mundschutz sind zu sehen, sie überprüfen die Flüchtlinge einzeln und nehmen ihre Fingerabdrücke.

73 Anzeigen geschrieben

Parallel zur Razzia in der Ex-Hauptschule findet die gleiche Aktion in der Westfalen-Kaserne vor den Toren der Stadt statt. Im Visier der Ermittler: Ausschließlich die Gruppe der Nordafrikaner. „Alle anderen Flüchtlinge sind davon ausgenommen“, sagt die Sprecherin.

Vier Stunden später zieht Landrat Dr. Olaf Gericke als oberster Polizeichef des Kreises Warendorf eine erste Bilanz. Das Ergebnis ist ernüchternd: 144 Nordafrikaner haben die Beamten in beiden Unterkünften angetroffen. „Die Hälfte von ihnen steht in Verdacht, sich mehrere vorläufige Aufenthaltspapiere beschafft zu haben“, um damit mehrfach Taschengeld kassieren zu können. Am Ende wurden 73 Anzeigen geschrieben. Die meisten wegen Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht.

Bilanz der Polizeiaktion

Die Identitäten von 144 Nordafrikanern wurden überprüft. „Da­bei haben wir festgestellt, das die Hälfte von ihnen in Verdacht steht, sich mehrere vorläufige Aufenthaltsgenehmigungen beschafft zu haben“, sagte der Landrat des Kreises Warendorf, Olaf Gericke (CDU). Damit sei es ihnen möglich gewesen, mehrfach Taschengeld zu erschleichen.

Wie die Polizei am Abend mitteilte, wurden 61 Strafanzeigen we­gen „Verstoßes gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen“ sowie zwölf Strafanzeigen wegen Diebstahls und anderer Delikte eingeleitet. Etwas 86 Personen wurden nicht angetroffen, obwohl sie der Notunterkunft zugewiesen waren. Offenbar hatten sich diese im Laufe der letzten Tage mit unbekanntem Ziel entfernt. Waffen oder gefährliche Gegenstände fanden die Einsatzkräfte entgegen den Erwartungen bei der Durchsuchung nicht auf. Bei 138 der angetroffenen Personen wurden Fingerabdrücke genommen.

Drei dieser Personen wurden durch das Ausländeramt zur Prüfung der Ausweisung vorläufig festgenommen und nach der weiteren Überprüfung entlassen. 27 Personen befanden sich am späten Nachmittag noch im Gewahrsam der Polizei. Bis zu 30 Personen sollten noch am Dienstag in andere Notunterkünfte des Landes verlegt werden.

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Kein Zusammenhang mit Übergriffen in Köln

Aus Sorge vor einer möglichen Gegenwehr war die Po­lizei in üppiger Mannstärke aufgetreten – und hatte zahlreiche Marokkaner mit Kabelbindern fixiert. Die Männer aus Afrika bedienen offenbar Klischees und Vorurteile.

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Pressekonferenz zur Razzia in Ahlener Flüchtlingsunterkünften. Foto: Jürgen Peperhowe

Das, was vermutbare wäre, schließt Gericke aus: einen mittelbaren Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen in Köln. „Wir haben hier im Kreis Warendorf auch keinen Brennpunkt“, betont Polizeidirektor Christoph Ingenohl. Der Grund für die Aktion sei die  Häufung an Straftaten  gewesen – und damit rein lokaler Natur. In Ahlen hatte die Polizei unmittelbar nach der Ankunft der Gruppe fünf Nordafrikaner kurzzeitig in Gewahrsam genommen.  Eine Person ist bereits ausgewiesen worden.  

Bezirksregierung: Zuteilung war ein Fehler

Wobei: Zwei Dinge Entwicklungen wie die in Ahlen fördern. So hat die für die Verteilung der Flüchtlinge zuständige Bezirksregierung Arnsberg eingeräumt, dass es ein Fehler und ein Versehen gewesen sei, junge, alleinreisende Männer aus dem Maghreb geballt in einer Stadt unterzubringen.

Kommentar

Die Botschaft der Razzia ist klar: Der Kreis Warendorf wird sich nicht zur Wohlfühlzone für (Klein-)Kriminelle entwickeln , meint unser Redaktionsmitglied Wolfgang Kleideiter.

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Der zweite Punkt betrifft die Registrierung. Die ist immer noch lückenhaft – und damit missbrauchsgeeignet. So werden beispielsweise in der zentralen Registrierstelle am Flughafen Münster/Osnabrück nach wie vor keine Fingerabdrücke genommen. „Und die, die die Polizei nimmt, dienen allein erkennungsdienstlichen Zwecken“, sagt der Polizeidirektor.

Aufklärung, Ahndung, Abschreckung: Die Gründe für die Razzia in Ahlen waren gestern dreigeteilt. „Die Polizei im Kreis Warendorf zeigt Flagge“, sagte Gericke. Und will sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

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