Anhalter-Morde vor 40 Jahren
Mordserie: Über 50 neue Spuren

Nordhorn/Münster -

Die ungeklärten Morde an vier jungen Frauen aus der Grafschaft Bentheim und dem Münsterland vor rund 40 Jahren stehen zurzeit erneut im Fokus polizeilicher Ermittlungen. Nachdem unsere Zeitung am 2. Dezember an die Mordserie erinnert hat, sind mehr als 50 neue Hinweise bei der Kriminalpolizei eingegangen.

Montag, 25.01.2016, 06:55 Uhr
Am Fundort Erika Kunzes im Samerrott macht sich Kommissar Eckhard Klemp ein eigenes Bild.
Am Fundort Erika Kunzes im Samerrott macht sich Kommissar Eckhard Klemp ein eigenes Bild. Foto: Irene Schmidt

Die Prostituierte Edeltraud van Boxel (23) aus Münster verschwindet im November 1971 vom Straßenstrich. Sie wird wenige Stunden später nahe der B 499 bei Steinfurt erwürgt aufgefunden. Im Mai 1972 kehrt die Büglerin Barbara Storm (20) aus Schüttorf nach einem Discobesuch nicht mehr zurück. Zwei Tage später wird ihre Leiche zwischen Schöppingen und Gronau gefunden. Die 17-jährige Nordhornerin Marlies Hemmers wird zuletzt im August 1973 als Tramperin an der B 403 in Bad Bentheim gesehen. Erst im Dezember wird ihre Leiche im Merfelder Bruch, 25 Kilometer vom Fundort Barbara Storms, entdeckt. Im Oktober will die 22-jährige Erika Kunze von Münster aus nach Hause nach Nordhorn trampen. Sie wird eine Woche später tot im Samerrott gefunden.

(Von links nach rechts:) Edeltraud van Boxel, Barbara Storm, Marlies Hemmers und Erika Kunze

(Von links nach rechts:) Edeltraud van Boxel, Barbara Storm, Marlies Hemmers und Erika Kunze Foto: Polizei Münster

Auch 40 Jahre nach diesen Morden hoffen Kriminalbeamte in Nordhorn und in Münster auf Hinweise, die auf die Spur des Täters führen. Aufgrund der Berichterstattung unserer Zeitung und der Grafschafter Nachrichten werden zurzeit rund 50 Spuren verfolgt. So melden sich zum Beispiel tatsächlich Zeugen, die Barbara Storm nach ihrem Verschwinden in Begleitung eines Mannes in Schüttorf gesehen haben. Diese Aussagen bestätigen eine Zeugin, die sich im Jahr 1972 bereits gemeldet hat. Andere Zeugen geben Hinweise auf die während der Fahndung genannten Tatfahrzeuge, einen hellen VW-Käfer (1971) und einen grauen Mercedes (1974).

Suche nach dem „Münsterlandmörder“

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  • Mit diesem Phantombild hat die Polizei den Täter gesucht. Er müsste jetzt Mitte bis Anfang 60 sein.

    Foto: Polizei
  • Edeltraud van Boxel aus Münster ist 1971 wohl das erste Opfer des „Münsterlandmörders“.

    Foto: Polizei
  • Die schwarze Tasche des Mordopfers.

    Foto: Burkert, Steffen
  • In einem VW-Käfer wurde das Opfer transportiert.

    Foto: Jürgen Lüken
  • Barbara Storm wurde nur 20 Jahre alt. Sie starb zwischen dem Abend des 15. Mai und dem 17. Mai

    Foto: Polizei
  • Die weinrote Handtasche von Barbara Storm bleibt verschwunden, ebenso ein weiß-rotes Kosmetiktäschchen. Die Handtasche war aus Kunstleder (Skai) mit langem Schulterriemen.

    Foto: Polizei
  • Dieses Plakat hat Kriminalhauptkommissar Poll schon als Achtjähriger berührt.

    Foto: Westörp, Werner
  • Marlies Hemmers aus Nordhorn wollte nach Wien trampen. Nahe Dülmen wurde ihre Leiche gefunden.

    Foto: Polizei
  • In der Franzosenschlucht trennt sich Marlies Hemmers von ihrem Freund, um alleine weiterzureisen.

    Foto: GN-Archiv
  • Das vierte und letzte Opfer im Rahmen der Mädchenmorde im Münsterland war im Oktober 1974 Erika Kunze.

    Foto: Polizei
  • Das Buch „Jugend und Krise“ von Erik H. Erikson hatte sich Erika Kunze am Tag ihres Verschwindens in der Unibücherei ausgeliehen.

    Foto: Westdörp, Werner
  • Eine Plastiktasche mit Blütenmuster, mit der Erika Kunze Bücher transportierte.

    Foto: Polizei
  • An den schwarz markierten Orten wurden die vier Frauen zuletzt gesehen, die roten Punkte kennzeichnen die Leichenfundorte.

    Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Hinzu kommen konkrete Hinweise auf Personen. Vor 40 Jahren hatten die Ermittler unter anderem unter dem Fingernagel eines Opfers DNA gefunden. Aufgrund der Hinweise und erneuter intensiver Aktenstudien sollen nun Vergleichsproben von Männern untersucht werden. Den DNA-Abgleich gibt es erst seit den 1990er-Jahren. Damit einen Treffer zu landen, wie erst kürzlich im Fall der 2007 in Köln ermordeten Anke Schäfer aus Lingen, wäre für die Ermittler Joachim Poll aus Münster und Eckhard Klemp aus Nordhorn „der Idealfall“.

Polizei will 40 Jahre zurückliegende Mordfälle klären

Für Kriminalhauptkommissar Eckhard Klemp ist es höchst wahrscheinlich, dass der Serienmörder aus dem Dreieck zwischen Nordhorn, Rheine und Münster stammte. Er muss sich sehr gut ausgekannt haben. So befuhr er mit Edeltraud van Boxel 1971 dieselbe Strecke von Münster über Steinfurt in Richtung Wettringen wie 1974 mit Erika Kunze.

Zum Thema

An Hinweisen ist die Polizei weiter interessiert unter (0251) 275-0 oder (0251) 275-2244 (Joachim Poll in Münster).

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