Außergewöhnliche Projekte
Bundesadler oder Kreml-Wintergarten „made in Nordwalde“

Die Firma Trendelkamp in Nordwalde produziert Maschinen für die Kunststoff-Fertigung und Befahr-Anlagen für Fassaden oder Dächer. Nichts sonderlich Aufregendes eigentlich. Wenn da nicht die außergewöhnlichen Aufträge in der Sparte „Sonderprojekte“ wären.

Sonntag, 14.02.2016, 15:02 Uhr

Made in Nordwalde: Der Bundesadler im Reichstag wurde vom Anlagen- und Maschinenbauer Trendelkamp gefertigt.
Made in Nordwalde: Der Bundesadler im Reichstag wurde vom Anlagen- und Maschinenbauer Trendelkamp gefertigt. Foto: dpa

 NordwaldeWenn Josef Trendelkamp von seiner Firma erzählt, dann spart er sich die leuchtenden Augen bis zum Schluss auf. Zuerst ist das Bodenständige an der Reihe. Dass er in seinem 55-Mann-Betrieb Maschinen für die Kunststoff-Fertigung her­stellt – „Filter beispielsweise oder Zahnradpumpen“. Dass das zweite Standbein die Gebäudetechnik ist – „wir produzieren unter anderem Befahr-Anlagen für Fassaden oder Dächer, die sich komplett öffnen lassen“. Das Au­ßergewöhnliche aber, das, was dem 66-jährigen Nordwalder das Leuchten in die Augen treibt, ist die dritte Sparte, die offiziell Sonderprojekte heißt und „der Hobbybereich vom Chef ist“. Sagt der Chef.

Das Hobby vom Chef: Das sind Projekte, Konstruktionen, Aufträge, die man ei­nem Mittelständler aus dem Münsterland so gar nicht zutraut. Weil dafür internationale Kontakte nötig sind, Beziehungen zu namhaften Ar­chitekten und großen Institutionen. Trendelkamp hat den Adler im Bonner Bundestag gefertigt und den im Reichstag. Ein futuristischer Wintergarten im Kreml trägt ebenso das „made in Nordwalde“ wie die Schwerter von Bagdad – zwei gigantisch große, gekreuzte Klingen, die Saddam Hussein im ersten Golfkrieg in Auftrag gab. Und als die alte Georg- von-Neumayer-Polarstation 1992 in der Antarktis abgebaut wurde: Wer bekam den Auftrag und reiste für drei Monate in Südpolnähe? Josef Trendelkamp.

Der Seniorchef ist kein Protzer. Das hat er gar nicht nötig. Ihn reizt das Besondere, da redet er nicht drum herum. Er weiß aber auch, dass die anderen beiden Standbeine das Brot-und-Butter-Geschäft sind. Und damit ziemlich wichtig. Aber gut fürs Renommee sind natürlich die Sonderprojekte.

Der neue Bundestag in Bonn war die Eintrittskarte in die Welt des Außergewöhnlichen. Trendelkamp hatte Ende der achtziger Jahre für den neuen Plenarsaal Befahr-Anlagen für die Fas saden geliefert und die Konstruktion für die Sitzmulde im Plenarbereich. Als der anstatt der geplanten 500 plötzlich 650 Abgeordneten Platz bieten sollte, weil sich Deutschland wiedervereinigt hatte, war guter Rat teuer. Trendelkamp hatte die Lösung: Die Stühle wurden über Gleitschienen an die Tische gefahren, das schuf den nötigen Raum. Das Modell machte Schule – „zuletzt haben wir die Schienen bei den Vereinten Nationen in Genf eingebaut“, sagt Vertriebsleiter Hermann Meer.

Zweimal Josef Trendelkamp: Vater und Sohn führen das Familienunternehmen aus Nordwalde.

Zweimal Josef Trendelkamp: Vater und Sohn führen das Familienunternehmen aus Nordwalde. Foto: Wilfried Gerharz

Projekte der Güte Außergewöhnlich finden die Nordwalder immer wieder. Zuletzt haben sie für die Nasa gearbeitet: Die Weltraumagentur schickt regelmäßig ein fliegendes Te­leskop Richtung Himmel. „Die Befestigung für die Ausgleichsgewichte“ stammen aus dem Münsterland.

Ausgezeichnet, sagt zu all dem auch das NRW-Wirt schaftsministerium. Und prämierte das Unternehmen in diesen Tagen als einer der „Bestleister des Jahres 2015“.

Wer all dies kann, macht sich schnell einen Namen. Anfangs hatte Trendelkamp noch im Bundesausschreibungsblatt nach exotischen Projekten gesucht, inzwischen melden sich die Architekten bei ihm.

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen international arrivierten Planern wie Günter Behnisch oder Sir Norman Foster zusammengearbeitet. „Der Foster saß schon hier im Besprechungsraum“, sagt Josef Trendelkamp. Gemeinsam haben sie in Berlin den Adler signiert, der eine an der Kralle, der andere am Flügel.

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