Zurück in die Heimat
Flüchtlinge wollen wieder nach Hause

Borken -

Tränen laufen Habib Eshgaghzahy über das Gesicht, als er seine Geschichte erzählt. Das Schicksal des 40 Jahre alten Afghanen ist tragisch. Der Vater von vier Kindern wurde auf der Flucht von seiner Frau und seinem Jüngsten getrennt. Nun will er nur noch zurück. So wie ihm geht es mittlerweile vielen Flüchtlingen.

Montag, 22.02.2016, 16:02 Uhr

Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan. Jetzt hofft Eshgaghzahy auf eine Rückreise-Möglichkeit. Foto: Gunnar A. Pier
Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan. Jetzt hofft Eshgaghzahy auf eine Rückreise-Möglichkeit. Foto: Gunnar A. Pier

Habib Eshgaghzahy bricht nach fünf Minuten die Stimme, Ali Fouad Jadree bleibt das ganze Gespräch über freundlich sachlich. Zwei Menschen, ein Schicksal. Eshgaghzahy und Jadree sind Flüchtlinge. Der erste kam im November aus Afghanistan mit drei seiner Kinder nach Deutschland, Familie Jadree kam im gleichen Monat aus dem Irak. Geendet hat beider Odyssee in Borken. Zwei Familien, ein Schicksal, ein Ziel. Habib Eshgaghzahy und Ali Fouad Jadree teilen einen Wunsch: Sie möchten schnellstmöglich zurück in ihre Heimatländer. Krieg und Elend zum Trotz.

Iris Schlautmann und Monique Buss arbeiten bei der Rückkehrer-Beratung des DRK in Borken. Anlaufstelle wie die ihre gibt es vier Mal im Münsterland. Sie informieren, sie helfen, indem sie Flüge buchen und wo möglich Starthilfen gewähren – sie teilen die, die kommen, in zwei Gruppen ein: „Menschen vom Balkan, die wissen, dass sie so gut wie keine Chance auf einen Schutzstatus haben und lieber freiwillig ausreisen als abgeschoben zu werden“, sagt Schlautmann. Und – jetzt wird es ei­gentümlich – Flüchtlinge aus dem Irak, aus Afghanistan, dem Iran oder Syrien, „die eigentlich eine gute Bleibeperspektive haben“. Und von eben jenen wollen immer mehr Deutschland verlassen.

Aus menschlicher Sicht ist das immer alles nachvollziehbar.

Monique Buss, Mitarbeiterin in der Rückkehrer-Beratung in Borken

Warum? Warum machen sich Menschen auf den beschwerlichen Weg aus ihren von Krieg, Gewalt und Korruption zerfressenen Heimatländern, um dann nach wenigen Monaten in Deutschland wieder zurückkehren zu wollen in das alte Elend? Wer Ali Fouad Jadree nur einen Moment zuhört, der spürt sie sofort, die tiefe Enttäuschung, die der Familienvater nicht verbergen kann. 25 000 Dollar hat er Schleppern für die vermeintliche Reise ins gelobte Land gezahlt.

Er habe Bilder gesehen, auf denen Deutsche Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen hätten, sagt er. Und sich daraufhin auf den Weg gemacht. Nun lebt die Familie in einem Raum, der Vater hat keinen Job und keine Perspektive, die Bearbeitung des Asylantrages dauert, ihn plagen finanzielle Sorgen. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Jadree. Zumal er und seine Familie nur einen befristeten Aufenthaltsstatus erhalten können.

Besuch bei der DRK-Rückkehrberatung für Flüchtlinge

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  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

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    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ali Fuad, Sarah Fuad, Ibrahim Fua und Narges Fuad aus dem Irak im Gespräch mit DRK-Beraterin Iris Schlautmann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Rückkehrberatung des DRK Borken hilft Flüchtlingen, die in ihre Heimat zurückkehren möchten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

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  • Ali Fuad, Sarah Fuad, Ibrahim Fua und Narges Fuad aus dem Irak im Gespräch mit DRK-Beraterin Iris Schlautmann.

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  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

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  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

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  • Ali Fuad, Sarah Fuad, Ibrahim Fua und Narges Fuad aus dem Irak im Gespräch mit DRK-Beraterin Iris Schlautmann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Habib Eshgaghzahy ist mit drei Kindern aus Afghanistan in Deutschland angekommen. Seine Frau und ein Baby wurden auf der Flucht aufgegriffen. Sie leben nun alleine in Afghanistan.

    Foto: Gunnar A. Pier

So wie der Familie Jadree geht es immer mehr Flüchtlingen. Die Hoffnungen waren anfangs so groß wie am Ende die Enttäuschung. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, steigt die Zahl der Iraker, die sich Reisepapiere für die Rückkehr haben ausstellen lassen, rapide. Hatten sich von Januar bis Oktober 150 solche Dokumente aushändigen lassen, waren es allein im letzten Quartal 1250.

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Tränen laufen Habib Eshgaghzahy über das Gesicht, als er seine Geschichte erzählt. Das Schicksal des 40 Jahre alten Afghanen ist wirklich tragisch. Der Vater von vier Kindern wurde auf der Flucht von seiner Frau und seinem Jüngsten getrennt. Nun will er nur noch zurück, „zumal seine Frau unter psychischen Problemen leidet“, sagt Buss. Zuletzt habe sie gesagt, sie brächte sich um, wenn er und die Kinder nicht sofort zurückkämen, erzählt Eshgaghzahy.

Seine Augen sind rot gerändert. Zwei Schicksale, ein Ziel: „Aus menschlicher Sicht ist das immer alles nachvollziehbar“, sagt Monique Buss. Eigentlich hätten der Afghane und seine Kinder bereits am 17. Februar zurückfliegen können, erzählt Monique Buss später. Kurz vor dem Abflug habe es jedoch ein Flugstopp gegeben, ergänzt Schlautmann. Aus Sicherheitsgründen. Jetzt muss der Familienvater noch mindestens 14 Tage warten.

Besuch bei der DRK-Rückkehrberatung für Flüchtlinge

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