Straßenverkehrsordnung kennt keine E-Wheels
Polizei bremst trendige Elektro-Flitzer aus

Altenberge -

Andreas Brünen und seine Familie lieben ihre E-Wheels: kleine Elektro-Flitzer, die sich nur durch Gewichtsverlagerung bewegen lassen. Die trendigen Teile sind immer öfter im Straßenverkehr zu sehen. Die Polizei allerdings schlägt Alarm - und droht mit Ärger.

Donnerstag, 21.07.2016, 16:40 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 21.07.2016, 16:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 21.07.2016, 16:40 Uhr
Straßenverkehrsordnung kennt keine E-Wheels : Polizei bremst trendige Elektro-Flitzer aus
Andreas Brünen wird mit seinem E-Wheel bis zu 20 km/h schnell. Foto: Wilfried Gerharz

Wenn sich Andreas Brünen auf den Weg zum Bäcker macht, sieht es aus, als würde er schweben. Seine Füße stehen entspannt auf den Trittflächen eines einrädrigen Elektro-Flitzers, der sich wie von Geisterhand bewegt. Um Tempo zu machen, muss er nur das Gewicht verlagern. „Das muss man ein paar Stunden üben, dann läuft’s“, schwärmt der IT-Fachmann von dem futuristischen, 20 km/h schnellen E-Wheel, das - ähnlich wie Hoverboards - ein absoluter Renner unter den Sportgeräten ist. Allerdings hat die Sache einen Haken: Auf öffentlichen Straßen sind E-Wheel und Co. verboten. Die Polizei droht sogar mit Strafanzeigen.

 Im Kreis Borken ist jetzt der Chef der Verkehrspolizei in die Offensive gegangen, weil die Zahl der Elektro-Flitzer im öffentlichen Raum rapide zunimmt: „Sie sind kein Spielzeug für den Straßenverkehr“, betonte Jochen Büßink , Leiter der Direktion Verkehr, und kündigte an, „konsequent tätig zu werden“.

Rechtslage hinkt Alltag hinterher

 Dabei ist das mit der Konsequenz so eine Sache: In Deutschland darf jedes Kind auf Straßen und (Geh-)Wegen mit Pedelec oder Segway fahren, nicht aber mit E-Wheels oder Hoverboards. Letztere funktionieren ziemlich genau wie Segways, haben nur keine Haltestange. Tatsächlich droht sogar Kindern Ungemach: Für Wheels und Boards bräuchten sie unter anderem einen gültigen Autoführerschein.

E-Wheels: Ein Mega-Trend, der nicht auf die Straße darf

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  • Andreas Brünen und die Kinder Mirja und Marius aus Altenberge sind längst erfahrene E-Wheel-Fahrer. Offiziell dürften sie die E-Flitzer nur auf Privatgelände nutzen – der Alltag allerdings sieht anders aus.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Klein, praktisch, handlich: Am Ziel angekommen, kann man das E-Wheel wie einen Trolley hinter sich herziehen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Klein, praktisch, handlich: Am Ziel angekommen, kann man das E-Wheel wie einen Trolley hinter sich herziehen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Bei den Brünens sind alle vom E-Wheel-Fieber gepackt - auch Mutter Birgit nutzt den kleinen Elektro-Flitzer.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wenn der Vater mit dem Sohne: Andreas Brünen und Sohn Marius. Der Helm gehört bei jedem Ausflug dazu.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Füße werden auf Trittflächen links und rechts des Rades aufgesetzt. Dann das Gewicht leicht nach vorne verlagern - und los geht‘s.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auf für kurze Pausen gut geeignet: Marius und Mirja nutzen die E-Wheels als Sitzfläche.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wer den Dreh raus hat, kann das E-Wheel allein durch Gewichtsverlagerung auf bis zu 20 km/h beschleunigen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wer den Dreh raus hat, kann das E-Wheel allein durch Gewichtsverlagerung auf bis zu 20 km/h beschleunigen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wer den Dreh raus hat, kann das E-Wheel allein durch Gewichtsverlagerung auf bis zu 20 km/h beschleunigen.

    Foto: Wilfried Gerharz

Offenbar hinkt die Rechtslage dem Fortbewegungsalltag hinterher - die Straßenverkehrsordnung kennt keine E-Wheels und Hoverboards. Formal werden sie in die Klasse der „Kraftfahrzeuge“ eingeordnet, weil sie motorisiert sind und schneller als 6 km/h fahren. Dafür braucht man eine Zulassung, und die liegt bislang nicht vor.

E-Wheel wie ein Mofa versichert

„Damit wird sich die Politik beschäftigen müssen“, sagt Dieter Hoffmann, Pressesprecher der Polizei im Kreis Borken. Bis dahin allerdings riskiere jeder, der solch ein Gerät in der Öffentlichkeit nutzt, empfindliche Strafen. „Einen Ermessensspielraum gibt es nicht.“ Es drohen Anzeigen wegen Fahrens ohne Betriebserlaubnis und ohne Führerschein sowie wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Kernfrage: Wer haftet bei Schäden?

E-Wheels und Hoverboards

Im Kultfilm „ Zurück in die Zukunft“ schwebte Michael J. Fox in den 80er Jahren mit einem Hoverboard durch die Gegend. 30 Jahre später ist die Vision beinahe Wirklichkeit geworden: Hoverboards werden von Akkus angetrieben und lassen sich ausschließlich durch Gewichtsverlagerung bewegen. Gleiches gilt für E-Wheels. Der Unterschied: Hoverboards rollen auf zwei Rädern, E-Wheels nur auf einem. Hoverboards sind ab einem Preis von 400 Euro zu haben, Wheels, die stabilere Fahreigenschaften haben, kosten etwas mehr.

Beide Sportgeräte werden freihändig gesteuert und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h - so lange die Akkukraft reicht. Experten warnen vor Gefahren: Gerade Hoverboards lassen sich nicht immer unfallfrei über Bordsteinkanten lenken. Auch Pfützen sind gefährlich, sofern Feuchtigkeit mit dem Akku in Berührung kommt. Generell gilt: Nie ohne ausreichendes Training losfahren sowie die Gelenke und den Kopf schützen!

...

Andreas Brünen hat intensiv recherchiert und Kontakt zu anderen E-Wheel-Fahrern in ganz Deutschland aufgenommen, bevor er damit auf die Straße ging. „Ich wollte die Risiken kennen.“ Von der Polizei wurde er schon „vier- oder fünfmal angehalten“, bislang allerdings drückten die Beamten ein Auge zu. Immerhin hat der Altenberger sein Wheel wie ein Mofa versichert, außerdem besitzt er einen Auto-Führerschein. Für die fehlende Straßen-Zulassung, die rechtlich umstritten sei, riskiert er ein 50-Euro-Bußgeld. „Das müsste ich im Zweifel juristisch klären.“

Brünen setzt darauf, dass die kleinen E-Flitzer nicht dauerhaft vom Gesetzgeber ausgebremst werden. Deshalb hat er auch eine Online-Petition an den Bundestag unterstützt. Schlagendes Argument sei ihre Umweltfreundlichkeit: „Für den Weg zum Bahnhof sind sie genauso ideal wie für Fahrten den Hügel rauf ins Dorf. Früher haben wir das Auto genommen - heute erledige ich das mit dem Wheel.“

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