Wohnungen auf altem Textilgelände geplant
Luftschlösser in Fabrikruinen

Steinfurt -

Was gab es nicht schon alles für Ideen: Bürgerzentrum, Generationenhäuser, Messehallen und Start-up-Läden, Low-Cost-Hotel oder Wellnesscenter. Nach fast 30 Jahren ist der Luftschlösserbau im Schatten der Borghorster Nikomedeskirche jetzt vorbei. Nach Jahren des Verfalls sollen auf einem alten Textilgelände Wohnungen entstehen.

Mittwoch, 20.07.2016, 20:07 Uhr

Die Ruinen der Kockschen Websäle sind bald Geschichte. Im Schatten der Nikomedeskirche soll eine Wohnsiedlung entstehen.
Die Ruinen der Kockschen Websäle sind bald Geschichte. Im Schatten der Nikomedeskirche soll eine Wohnsiedlung entstehen. Foto: ar

Vermessungstechniker laufen geschäftig über das 25 000 Quadratmeter große Gelände, derweil schafft der Stadtrat Planungssicherheit. Und für was? Nüchternes Wohnen, gewürzt mit ein bisschen Gewerbe.

An die ehemals glorreiche Geschichte der Borghorster Textilindustrie, die hier im Herzen von Borghorst eines ihrer vier großen Aushängeschilder beheimatete, wird nach dem Abmarsch der Abbruchbagger nur noch der Name des neu geschaffenen Viertels erinnern. Weberquartier.

Textilmogul Arnold Kock ließ in den Hallen, die mittlerweile nur noch Ruinen sind, jahrzehntelang die Webstühle rattern. 2001, da war die Fabrik schon lange verlassen und die Produktion ins Gewerbegebiet Wilmsberg ausgelagert, machte die Kock-Gruppe 250 Millionen Euro Jahresumsatz und beschäftigte in Deutschland, Rumänien, Marokko und Tschechien 2500 Mitarbeiter. Zwei Jahre später der Kollaps. Und durch die Pleite herrschte dann auch in Borghorst der Stillstand. Das städtebauliche Filetstück war in der Hand der Banken – und die achten mehr auf Zahlen als auf originelle Konzepte.

Der Knoten wurde unlängst durchgeschlagen. Auf dem Websaal-III-Gelände bauen Caritas und ein privater Investor. Das Areal gelangte durch die erste große Kock-Krise in städtische Hand. 1989 drohte die Zahlungsunfähigkeit. Die Stadt kaufte nach einem Sitzungsmarathon an einem Wochenende 1989 der Familie den Websaal für 2,6 Millionen Mark ab. Was folgte, war ein Nutzungskonzept. Es sollte nicht das letzte sein.

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