Aufnahmen in Schweinestall
Von Zorn bis Bedauern

Vreden/Saerbeck -

Ein beinahe zorniges Dementi hier, ein bedauerndes (Halb-)Eingeständnis dort: Am Tag nachdem die Tierschützer der Organisation „Ani­mal Rights Watch“ (Ariwa) die schockierenden Bilder auch aus Ställen münsterländischer Landwirte und Agrarfunkti­onäre öffent­lich gemacht hatten, konnten die Reaktionen kaum unterschiedlicher sein.

Samstag, 24.09.2016, 11:09 Uhr

 
  Foto: Wilfried Gerharz

Johannes Röring , westfälischer Bau­ernprä­sident, CDU- Bundestagsabgeordneter – und in dem in der ARD-Sendung „Panorama“ am Donnerstag ausgestrahlten Beitrag massiver Verstöße gegen den Tierschutz bezichtigt, wies die Vorwürfe gestern bei ei­ner Pressekonferenz auf seinem Hof in Vreden vehement zurück. In seinem Betrieb würden erkrankte Tiere rechtzeitig von gesunden abgesondert und vom Tierarzt versorgt. Der Hoftierarzt habe dieses Vorgehen in einer eidesstattlichen Erklärung bestätigt. Der Bauernpräsident sprach von einer Kampagne.

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Foto: Wilfried Gerharz

„Die Aufnahmen“, sagt Veterinär Dr. Jörg Tenhündfeld, seien offenbar gemacht worden, „als bei Schweinen eine „Episode von Atemwegser­krankungen“ aufgetreten sei. Im Übrigen zeigten die Aufnahmen mit fünf bis sieben Schweinen nur einen Bruchteil des rund 1500 Tiere umfassenden Bestandes. Röring hat beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung der weiteren Verbreitung des Sendematerials beantragt. Ein Sprecher des Kreises Borken sagte, der Abteilung für Veterinärangelegenheiten seien keine Auffälligkeiten aus dem Betrieb bekannt.

Radikale Tierschützer

Die Aktivisten der Tierschutzorganisation Ani­mal Rights Watch „Ariwa“ setzen auf drastische Methoden und Mittel, um ihre Ziele durchzusetzen. Die Vereinigung lehnt nach eigenen Angaben Reformen ab, um den vollständigen Veganismus durchzusetzen. Wörtlich heißt es: „Den Menschen dagegen erst zu Biofleisch, dann zu Vegetarismus und irgendwann schließlich zu Veganismus zu bringen ... führt zu Unverständnis und Demotivierung.“ Übersetzt: Auch Zwischenlösungen wie eine Reduktion des Fleischkonsums oder die Umstellung auf Bio wird abgelehnt. Mehrere Aktivisten mussten sich bereits juristisch verantworten, es ging dabei um Hausfriedensbruch.

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Kleinlauter fiel hingegen die Reaktion des Saerbeckers Paul Hegemann aus. Auch er ist Agrarfunktionär, auch in seinem Stall hatten die Tierschützer 2015 Bilder aufgenommen, „die es in einer tierwohlgerechten Schweinehaltung zu vermeiden gilt“, teilte der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) mit. Hegemann ist ZDS-Vorsitzender und wollte sich ge­ genüber unserer Zeitung nicht erklären. In seinem Stall seien zum Zeitpunkt der Aufnahmen „massive Probleme“ aufgetreten, erklärte der Verband darum an seiner statt. Durch „akuten Kannibalismus“ habe es Verletzungen an den Schwänzen von Schweinen gegeben. Augenentzündungen seien durch eine Infektion ausgelöst worden. Die Tiere seien vom Tierarzt behandelt worden. Starke Verschmutzungen der Stallungen seien ei­ne Folge der Verfütterung von Nebenprodukten aus der Backwarenindustrie. Inzwischen sei die Zusammensetzung des Futters angepasst worden. „Herr Hegemann bedauert die Vorfälle sehr.“

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Foto: Wilfried Gerharz

Die Organisation Ariwa kündigte am Abend an, im Laufe der kommenden Woche weitere Bilder aus Betrieben auch in Nordrhein-Westfalen veröffentlichen zu wollen.

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