Westfälischer Friedenspreis
Rania von Jordanien: Vom Flüchtlingskind zur Königin

Münster -

Wenn König Abdullah II. von Jordanien mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet wird, geht es um seine Rolle als Brückenbauer im Nahen Osten. Brücken bauen – dafür steht auch seine Ehefrau, Königin Rania, die mit nach Münster kommt. Sie gilt als Ausnahmeerscheinung in der arabischen Welt. 

Freitag, 07.10.2016, 09:10 Uhr

Königin Rania sprach in dieser Woche als Ehrengast auf dem Tag der Deutschen Industrie.
Königin Rania sprach in dieser Woche als Ehrengast auf dem Tag der Deutschen Industrie. Foto: dpa

Ein Boulevardblatt beschrieb Rania als schönste und als mutigste Königin der Welt, weil die vierfache Mutter bei Anti-IS-Demonstrationen in der ersten Reihe steht, Brandreden gegen die Terrormiliz hält. Deshalb ist das Sicherheitsaufgebot überall, wo sie auftaucht, noch einmal erhöht. Für den IS steht sie mit ihrer westlichen Erscheinung so ungefähr für alles, was Frauen nicht tun sollten. Ihre Geschichte, ihre Rolle und ihre Aktivitäten machen die 46-Jährige zur Ausnahmeerscheinung in der arabischen Welt .

Vom Flüchtlingskind zur Königin

Sie selbst wird nicht müde, den Dialog zu suchen und für Frauen- und Kinderrechte zu kämpfen. Sie erblickte am 1970 als Kind palästinensischer Eltern das Licht der Welt. Ihr Vater, ein Kinderarzt, lebte in einem Flüchtlingslager in Tulkarem im Westjordanland und musste nach Kuwait fliehen. Hier wuchs Rania auf. Durch ihre Familiengeschichte ist das Schicksal der palästinensischen Bevölkerung permanent präsent. Wie ihr Mann ist sie anglophil: Sie ging in Kuwait auf die „New English School“, hat einen Bachelor als Betriebswirtin, arbeitete bei Banken. Sie teilt sich den Titel Königin übrigens mit ihrer Schwiegermutter, Königin Noor, der vierten Ehefrau des verstorbenen Königs Hussein II.

Das ist Königin Rania von Jordanien

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  • Rania Faisal Yasin gilt als Ausnahmeerscheinung im arabischen Raum.

    Foto: dpa
  • 1999 bestieg ihr Mann Abdullah den Thron von Jordanien, sie wurde Königin – mit 28 Jahren. Das Foto zeigt das Paar 2006 bei einem Besuch in Indien.

    Foto: Harish Tyagi, dpa
  • Das Paar hat vier Kinder. Beim Empfang des damaligen Papstes Benedikt in Amman 2008 sind drei der Prinzen und Prinzessinnen abgebildet.

    Foto: dpa
  • Wegen ihrer Volksnähe ist Königin Rania sehr beliebt. Hier tröstet sie die Angehörige eines getöteten Piloten.

    Foto: dpa
  • Doch Ranias Leben besteht nicht nur aus repräsentativen Pflichten. Sie setzt sich stark für die Belange von Frauen und Kindern ein.

    Foto: dpa
  • So ist sie Schirmherrin eines Reha-Zentrums in Köln, in dem Kinder wieder auf die Beine gebracht werden.

    Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa
  • Ein weiterer Schwerpunkt ihres Wirkens ist die Flüchtlingshilfe. Im April war Königin Rania in Washington, wo sie an einer Diskussion mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (M.) teilnahm.

    Foto: dpa/ Shawn Thew
  • Jordanien hat über eine Million Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien aufgenommen.

    Foto: Jamal Nasrallah, dpa
  • Ein Thema, das die Königin aus eigener Erfahrung kennt: Ihr Vater flüchtete aus dem Westjordanland nach Kuwait, wo Rania geboren wurde und aufwuchs.

    Foto: Justin Lane, dpa
  • Gerade war Rania Ehrengast beim Tag der deutschen Industrie, wo sie mit Angela Merkel plauderte. Ob es dabei auch um die Flüchtlingspolitik ging? 2015 besuchte Rania Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos – und prangerte den Flüchtlingspakt an, den die EU mit der Türkei geschlossen hat.

    Foto: dpa/ Bernd von Jutrczenka

Bewunderung und Skepsis

Als Flüchtlingskind setzt sie sich für die Millionen Flüchtlinge in Jordanien ein, die oft nur durch die Arbeit ihrer Kinder überleben. Schulen arbeiten im Zwei-Schichtensystem, Wasser und Nahrung fehlen: „Wir müssen ökonomische Möglichkeiten schaffen, die unserem Land helfen, stärker durch die Flüchtlingskrise zu werden und nicht schwächer“, twitterte sie unlängst. 2015 besuchte sie Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos – und prangerte dort die EU-Politik an. Viele junge Frauen bewundern Rania, weil sie selbstbewusst und frei auftritt. Doch es gibt auch viele traditionelle Jordanier, die ihrem Lebensstil mit Skepsis begegnen. Auch mit ihrem Reformeifer stößt sie immer wieder an Grenzen im eigenen Land. Entmutigen lässt sie sich nicht.

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Das Leben von Abdullah II.: Stationen eines Königs

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  • Im Weißen Haus in Washington traf Abdullah II. im Februar 2016 US-Präsident Barack Obama zu einem Gespräch über Lösungen für den Krieg in Syrien und den Flüchtlingsstrom.

    Foto: dpa
  • Im Jahr 1993 heiratete Abdullah II. die Palästinenserin Rania Faisal Yasin. Sie wurde vor allem durch ihren weltweiten Einsatz für Frieden, Bildung und Toleranz bekannt.

    Foto: A2800 epa Harish Tyagi
  • Seit 1999 ist Abdullah II König von Jordanien. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft kämpft er gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, setzt sich für die Befriedung des Nahen Ostens ein und zeigt sich auch dem Westen gegenüber sehr aufgeschlossen.

    Foto: dpa
  • Abdullah II. (l.) und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei der 66. UN-Vollversammlung in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York im September 2011.

    Foto: dpa
  • Ein stetig fallender Ölpreis hatte in Jordanien im Jahr 2012 Unruhen als Folge, König Abdullah II besuchte danach verletzte Zivilisten und Polizisten in einem Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman.

    Foto: dpa
  • Zu Besuch in London: Der jordanische König traf sich im Oktober 2013 mit dem britischen Premierminister David Cameron.

    Foto: dpa
  • Bundespräsident Joachim Gauck wird vom König Abdullah II. bin al-Hussein im Dezember 2015 vor dem Husseiniye Palast in der jordanischen Hauptstadt Amman empfangen.

    Foto: dpa
  • Bei der 52. Sicherheitskonferenz in München im Februar 2016 sprach der König von Jordanien.

    Foto: dpa
  • Abdullah II. bin al-Hussein ist der älteste Sohn von König Hussein I., er wurde an der südenglischen Militärakademie Sandhurst ausgebildet und studierte dann Internationale Politik in Oxford und Washington.

    Foto: Maurizio Gambarini
  • Auf einer Tour für mehr Sicherheit im Mittleren Westen traf der amerikanische Außenminister Joe Biden auch den jordanischen König an einem Militärstützpunkt in Zarqa, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Amman entfernt. Jordanien gilt als wichtige Hilfe im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“.

    Foto: dpa

 

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