„Fuckup“-Nights
Unternehmer berichten über ihre Misserfolge: Scheitern gehört einfach dazu

Münster -

Torben Simon Meier schämt sich nicht für seinen Misserfolg. Ganz im Gegenteil: „Ich spreche gerne darüber“, sagt der 29-Jährige. Und meint den Umweg, der ihn am Ende doch zu einem erfolgreichen Unternehmen gebracht hat. „Rückblickend war die Erfahrung gut“, und die teilt er gerne auf Events wie kürzlich bei der Fuckup-Night der Biografietage in Nordwalde – weil der Austausch neue Einblicke bringe.

Dienstag, 08.11.2016, 10:11 Uhr

„Fuckup“-Nights : Unternehmer berichten über ihre Misserfolge: Scheitern gehört einfach dazu
Bei den Nordwalder Biografietagen sprach Jungunternehmer Torben Simon Meier im Rahmen einer „Fuckup“-Night über sein gescheitertes Unternehmen. Foto: Pjer Biederstädt

Tatsächlich scheitern 75 Prozent der Start-ups weltweit innerhalb der ersten zwei Jahre. Doch es wird nicht systematisch aus diesen Fehlern gelernt, beklagt das „ Failure Institute “, die Forschungsabteilung der mexikanischen Erfinder der Fuckup-Nights. Das wollen die drei Jungunternehmer ändern und stoßen mit ihrer Idee zur Entstigmatisierung unternehmerischen Scheiterns seit 2012 auf große Resonanz. In mehr als 100 Städten weltweit finden inzwischen Fuckup-Nights statt. Dabei treten drei bis vier Firmengründer auf und haben sieben Minuten Zeit, über ihre Misserfolge zu referieren. Danach dürfen die Zuhörer Fragen stellen.

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Typische Anfängerfehler

Auch von Torben Simon Meier können Zuhörer Etliches lernen: 2012 erhalten er und sein Partner eine mündliche Zusage für eine Kapitalspritze eines Business Angels aus dem privaten Umfeld seines Vaters. Der gelernte Mediengestalter Meier und Diplom-Kaufmann Johannes Benz wollen eine Mobile-Payment-Lösung im Bereich Finanztechnologie umsetzen. In ihrer „unternehmerischen Naivität“ legen sie los und begehen damit das, was Meier heute als „klassischen Anfängerfehler“ bezeichnet: Sie vertrauen jemandem ohne vertragliche Bindung.

Wir saßen in der Büroküche und haben geweint.

Torben Simon Meier

Sechs Monate Arbeit und Gehälter für sechs weitere Mitarbeiter stecken bereits in ihrem Produkt „cleap“, als der dänische Investor abspringt. Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt. „Wir saßen in der Büroküche und haben geweint.“ Den damals Mittzwanziger plagen Existenzängste. Er ist wütend auf sich selbst und den Geldgeber.

Fuckup-Nights

Die Idee der Fuckup-Nights stammt von drei Jungunternehmern aus Mexiko und hat sich seit 2012 zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Ziel ist es, dem Scheitern seinen Schrecken zu nehmen, alle am Lerneffekt der Gescheiterten teilhaben zu lassen und letztendlich eine tolerantere Fehlerkultur zu etablieren. Die Organisatoren der Fuckup-Nights Berlin beschreiben sich so: „Fuckup-Nights Berlin verfolgt die Vision, Scheitern politisch, gesellschaftlich und persönlich zu entstigmatisieren.

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Doch Meier und Partner Johannes Benz haben nicht lange Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Nach einer Woche reißen sie sich zusammen und beginnen, eine drohende Insolvenz abzuwenden. Sie sprechen persönlich mit ihren Gläubigern, bekommen Kosten erlassen, können bestellte Waren wie Büroartikel zurückschicken. „Wir haben immer die größte Unterstützung erfahren.“

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Die Lehren aus dem Misserfolg

Diese bittere Erfahrung hat nicht nur Meier und Benz zusammengeschweißt. Sie sind seit 2013 erfolgreich mit einem dritten Geschäftspartner und einem neuen Unternehmen am Start. Diplom-Informatiker Marcel Gleis ergänzt den Mediengestalter Meier und den Diplom-Kaufmann Benz durch seine Entwicklungskompetenz in der gemeinsamen GmbH Raidboxes.

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Auch das ist eine Lehre aus dem ersten Fehltritt: Einen Mitarbeiter mit Kernkompetenz zum Teilhaber machen und gemeinsam erst einmal zu dritt einen funktionierenden Prototypen bauen und testen, bevor Mitarbeiter eingestellt werden und Geldgeber einsteigen. Der Privatinvestor beim ersten Start-up hatte sich finanziell an der Entwicklung des Prototypen beteiligt.

Der aktuelle Venture Capital-Investor dagegen steige erst ein, „wenn das Produkt bewiesen wurde“, erklärt Meier die Vorgehensweise. Inzwischen habe Raidboxes ein Wachstumskapital „im höheren sechsstelligen Bereich durch den High-Tech-Gründerfonds Deutschland “ erhalten. Nach Jahren auf Sparflamme haben Meier und seine Partner wieder einen „guten mittelständischen Lebensstandard“ erreicht, der Umsatz ihrer zweiten Firma vervielfache sich aktuell pro Quartal.

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