Stiftskreuz-Diebstahl
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen mutmaßlichen Auftraggeber

Borghorst/Münster -

Die Staatsanwaltschaft in Münster hat Anklage gegen einen 42 Jahre alten Mann aus Bremen erhoben, dem vorgeworfen wird, den Diebstahl des Borghorster Stiftskreuzes vor drei Jahren in Auftrag gegeben zu haben. 

Freitag, 25.11.2016, 10:11 Uhr

Stiftskreuz-Diebstahl : Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen mutmaßlichen Auftraggeber
Das "Borghorster Stiftskreuz" Foto: dpa

Das hat Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Freitag mitgeteilt. Der Libanese war im September in einer spektakulären Aktion in der Hansestadt festgenommen worden.

Nach der Tat, so Botzenhardt weiter, „soll der Beschuldigte das Kreuz erhalten“, die Mittäter mit einem sechsstelligen Betrag entlohnt „und das Kreuz einer dritten, bisher nicht ermittelten Person übergeben haben“.

Der Angeschuldigte hat in dem Ermittlungsverfahren bestritten, den Diebstahl des Kreuzes in Auftrag gegeben zu haben. Er habe weiter erklärt, von der Tat erst nach ihrer Ausführung erfahren zu haben. Er räumte aber ein, das Stiftskreuz entgegengenommen und dessen Verkauf an eine ihm nicht näher bekannte Person vermittelt zu haben. Diese Person habe nach seinem Kenntnisstand das Kreuz an die Kirche zurückgeben wollen. Hierzu sei es aus ihm unbekannten Gründen nicht gekommen.

Diebstahl des Borghorster Siftskreuzes

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  • Am 29.10.2013 wurde das Stiftskreuz aus der St. Nikomedes-Kirche in Borghorst gestohlen.

    Foto: Axel Roll
  • Das Bistum Münster hatte eine Belohnung in Höhe von 50.000 Euro für Hinweise auf den Verbleib des Kunstwerks ausgesetzt.

    Foto: Z5328 Jens Wolf
  • Bei einer Präsentation in Münster war die Versicherungssumme des Stiftskreuzes auf 7,75 Millionen Euro taxiert worden.

    Foto: ka
  • Experten zufolge gehört es zu den bedeutendsten sakralen Kunstwerken des 11. Jahrhunderts in Europa.

    Foto: Axel Roll
  • Der Bauplan der extra angefertigten Vitrine,...

    Foto: Axel Roll u.a.
  • ..aus der das Kreuz gestohlen wurde.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Ein Kripobeamter sucht nach Spuren.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Am Ende der Ermittlungen wurden drei junge Männer aus Bremen festgenommen.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Die Diebe wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Das Stiftskreuz blieb allerdings weiter verschwunden.

    Foto: dwe
  • Jetzt ist es wieder da und kehrt möglicherweise in die Kirche St. Nikomedes zurück.

    Foto: Axel Roll u.a.

Das Diebes-Trio hatte das Stiftskreuz 2013 in Borghorst entwendet. Es ist eines der bedeutendsten Goldschmiedearbeiten aus dem 11. Jahrhundert und mehrere Millionen Euro wert. Ein Foto einer Überwachungskamera an einer Tankstelle in Altenberge brachte die Ermittler damals auf die Spur der Diebe, die später festgenommen werden konnten.

Auf den Bildern waren zwei der drei später verurteilten Täter zu sehen. Sie waren mit einem schwarzen Mercedes mit Bremer Kennzeichen unterwegs zur Borghorster Nikomedes-Kirche, wo sie die alarmgesicherte Glasvitrine aufbrachen und das Kreuz mitnahmen.

Mit dem Bild aus der Tankstelle ging die Polizei seinerzeit an die Öffentlichkeit. Die Ex-Frau des Bruders eines der Angeklagten gab dann den entscheidenden Tipp.

Die festgenommenen Halit T., Mounir M. und Mohammed S. waren der Polizei nicht unbekannt. Sie sollen dem Miri-Clan angehören, einer libanesisch-arabischen Großfamilie aus Bremen, der mafia-ähnliche Strukturen nachgesagt werden. Die Tippgeberin, die im Prozess als Kronzeugin auftrat, beschuldigte damals den Onkel eines Täters als Auftraggeber. Der 42-Jährige, der jetzt von der Staatsanwaltschaft wegen gemeinschaftlichem schweren Raub angeklagt worden ist, soll dieser Onkel sein.

Über die Zulassung der Anklage muss das Landgericht Münster entscheiden. Der Verbleib des Stiftskreuzes ist nach wie vor ungeklärt.

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