Landgericht verhandelt Tat auf Friedhof
Vergewaltiger: „Ein großer Fehler“

Münster/Ibbenbüren -

Ein 40-jähriger Mann vergewaltigte an einem frühen Sonntagmorgen auf dem Zentralfriedhof von Ibbenbüren eine 79-Jährige. Der Täter wurde von zwei Polizeibeamten „in flagranti“ gestellt. Am Dienstag hat das Landgericht in Münster begonnen, alle bekannten Details zusammenzufügen.

Dienstag, 06.12.2016, 18:12 Uhr

Landgericht verhandelt Tat auf Friedhof : Vergewaltiger: „Ein großer Fehler“
(Symbolbild) Foto: colourbox.de

Dazu gehört auch die Herkunft des Täters, einem Eritreer, der vor drei Jahren nach jahrelanger Odyssee über den Sudan, Libyen und Italien nach Deutschland gekommen war und bis zu seiner Verhaftung am Tattag, dem 24. Juli, als anerkannter Flüchtling in Hörstel in einer Asylbewerberunterkunft lebte. Der Vorsitzende Richter warnt zu Beginn des Verfahrens vor Verallgemeinerungen: „Es geht allein um diese spezielle Tat und wie sie zu bestrafen ist.“

Die Tat hat das Gericht weitgehend rekonstruiert. Sehr viel Bier habe er in dieser Nacht getrunken, berichtete der Angeklagte. Er habe auf einer Bank gesessen, als er die 79-Jährige bemerkte. Wie an jedem Tag ging die Seniorin von ihrer Wohnanlage zum Grab ihrer Mutter.

Die Begegnung war reiner Zufall. Das Opfer bestätigt vor Gericht, sie habe den Mann schon vor der Tat wahrgenommen, er sei ihr gefolgt, bis er sie zu Boden stößt und vergewaltigt.

Die Frau versucht, sich zu wehren. Sie ruft um Hilfe. Das hört ein Anwohner. Es dauert einige Minuten, bis er sich entschließt, sich anzuziehen und nachzusehen, wer da ruft. Er sieht den Mann auf der Frau liegend, traut sich aber nicht einzugreifen. Darum geht er zurück zu seinem Haus, ruft die Polizei, um dann mit einem Spaten zurückzukehren. Doch da waren die Beamten schon da. „Die Polizei hat mich befreit“, erinnert sich die Frau.

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Danach wagt sie den täglichen Gang zum Grab ihrer Mutter zunächst nicht mehr. Erst nahm sie sich für die paar Hundert Meter ein Taxi, inzwischen habe sich vieles aber wieder eingependelt, sagt sie. Als sie Anstalten macht, sich nach ihrer Aussage vom Gericht zu verabschieden, bittet der Angeklagte ums Wort. „Das, was ich Ihnen angetan habe, war ein großer Fehler. Es tut mir sehr leid“, sagt er. Ob sie die Entschuldigung annehme, fragt der Richter. „Ja, das tue ich“, sagt sie, und: „Dann kann ich ja gehen.“

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