Regionalplan
Naturschutz kontra Kalkabbau - Calcis vor dem Aus?

Münster/Lienen/Lengerich -

Regionalplan, das Wort klingt sehr nach Behörde und ein bisschen auch nach Langeweile. Ersteres stimmt genau, das Letztere nur manchmal. Wenn der Regionalrat im Regierungsbezirk Münster am Montag zusammenkommt, ist mit Sicherheit Musik in der Sitzung. Unter Top 3 geht es um ei­nen Teil des Regionalplans, den „Sachlichen Teilplan Kalkstein“. Das Brisante: Die Bezirksregierung wird laut Vorlage vorschlagen, den Un­ter­neh­men Dyckerhoff und Calcis die Erweiterung ihrer Kalkbrüche in Lengerich und Lienen zu versagen, weil der Naturschutz dem im Wege steht. Folgt der Regionalrat dem Vorschlag, bedeutet das das Aus für die Firma Calcis.

Freitag, 09.12.2016, 19:12 Uhr

 
 

Wer Kalk abbau­en will, bewegt sich im Laufe der Zeit durch den Raum, das liegt in der Natur der Sache. Raum und Natur sind am Teuto jedoch nicht nur besonders schön, sondern auch besonders schützenswert. Die 58 zusätzlichen Hektar, die Calcis in Lienen und Dyckerhoff in Lengerich (Bild) abgraben wollen, sind EU-FFH-Gebiet. Mehr Schutz geht nicht.

Was wiegt in der Betrachtung mehr, die Unternehmen und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen – in diesem Fall geht es akut um 50 Jobs bei Calcis und langfristig 265 bei Dyckerhoff – oder die Landschaft? Schon vor 20 Jahren verständigten sich die Betriebe und das Land NRW darauf, dass beide Unternehmen jeweils noch ein letztes Mal ihre Ab­gra­bungs­flächen vergrößern dürfen. Das ist längst geschehen. Danach kündigten Dyckerhoff und Calcis die Vereinbarung auf.

Export nach Kanada

Auch beim Kalk-Regionalplan steckt der Teufel im Detail. So ist Kalk nicht gleich Kalk. Neben gewöhnlichem Kalkstein, aus dem Grauzement hergestellt wird, baut Dyckerhoff auch einen Kalkstein für Spezialzement ab, der bei Tiefbohrungen eingesetzt wird. Das Produkt geht in den Export nach Kanada. Calcis gewinnt ebenfalls ei­nen Kalkstein von besonderer Rohstoffqualität. Beide Unternehmen haben im Mai gutachterlich auf diese Besonderheiten hingewiesen. Der Grund: Die Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen steht im Zweifel über allem. Damit lässt sich unter Umständen auch der Naturschutz aushebeln.

Unter Umständen ja, diesmal aber wohl nicht. Ein Regionalplan muss zwar sicherstellen, dass die Versorgung mit regionalen Rohstoffen ga­rantiert ist. Welche Un­ter­neh­men das jedoch übernehmen, ist für die Planer unwichtig.

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Foto: OpenStreetMap

Nicht viel Spielraum für Politiker

Der neue Regionalplan sieht beispielsweise allein im Münsterland 250 Hektar zusätzliche Abbauflächen für Kalk vor. Aber nicht in Lienen und Lengerich. Calcis‘ Grube ist spätestens 2018 erschöpft. Damit versiegt aber nicht die Marktversorgung mit seinen speziellen Kalkprodukten. Das Ausgangsmaterial dafür findet sich nämlich auch in der Grube des nahen Mitbewerbers Dyckerhoff. Dessen Abbaufläche in Lengerich wiederum ist noch mindestens 25 Jahre ausbeutbar, beim Tiefbohrzement sind es sogar noch 90 Jahre. Wie es im Jahr 2041 respektive 2106 mit der Kalkversorgung in NRW aussieht, kann heute noch niemand sagen. Diese „Prognoseunsicherheit“ lässt das Pendel kräftig in Richtung ge­genwärtigem Naturschutz ausschlagen.

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Die Bezirksregierung hat sich aus fachlicher Sicht festgelegt. Weder Calcis noch Dyckerhoff wollten sich zu der für sie ungünstigen Positionierung äußern.

Ob der Regionalrat am Montag dem Vorschlag der Behörde folgt, steht auf einem eigenen Blatt Papier. Viel Spielraum haben die Politiker aber nicht. Jahrelang hat sich die Bezirksregierung mit dem Thema befasst, und das mit dem Ziel, den weiteren Ab- und damit Ausbau zu ermöglichen. Da käme es einem Wunder gleich, wenn der Regionalrat eine juristische Möglichkeit fände, die die Behörde übersehen hat

Der Regionalplan „Münsterland“

Der Regionalplan gibt auf der Ebene eines Regierungsbezirks die Rahmenbedingungen für die Flächennutzungspläne der jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte vor. Aufgabe der Regionalplanung ist es dabei, die unterschiedlichen Flächenansprüche zu koordinieren und zusammenzubringen. Der geltende Regionalplan Münsterland ist im Juni 2014 offiziell in Kraft getreten. Aufgrund der Komplexität herausgenommen wurden die beiden Teilbereiche „Energie“ und „Abbau für den Rohstoff Kalk“. Der Teilbereich Energie ist seit Februar 2016 in Kraft. Das Verfahren für den Teilplan „Kalk“ ist in Vorbereitung und könnte Ende 2017 abgeschlossen werden.

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