Aufklärungsquote dürftig
Polizei läuft Fahrraddieben hinterher

Münster/Düsseldorf -

5193 - die Zahl der geklauten Fahrräder ist in Münster im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Und die Chance, die Leeze wieder zu bekommen, ist gering.

Montag, 19.12.2016, 06:12 Uhr

Aufklärungsquote dürftig : Polizei läuft Fahrraddieben hinterher
Fahrraddiebe haben es oft zu leicht: 83.870 Mal schlugen sie 2015 in NRW zu. Foto: dpa (Symbolbild)

Die Hauptstadt der Fahrradfahrer ist Münster, Hauptstadt der Fahrraddiebe indes ist Köln. Dort nahm die Polizei im vergangenen Jahr 8037 Anzeigen wegen gestohlener Räder entgegen, etwas weniger als noch 2014 mit 8250. In Münster, wo rein rechnerisch jeder Einwohner mindestens zwei Fahrräder besitzt, verlief die Entwicklung umgekehrt, die Zahl der gemeldeten Diebstähle stieg von 4523 auf 5193 . Platz drei in NRW belegt Düsseldorf, wo 2015 mit 4414 Fällen 225 gestohlene Räder mehr gemeldet wurden als im Vorjahr.

Niedrige Aufklärungsquoten

Allen Städten ist gemein: Den Fahrraddieben läuft die Polizei trotz aller Bemühungen meist hinterher. Die Aufklärungsquote in Münster erreichte 2015 immerhin 7,5 Prozent (2014: 6,9). 390 geklärte Fälle waren das – ähnlich viele wie in Köln, wo es aber nur eine Quote von 4,9 Prozent (5,4) ergab. In Düsseldorf dümpelt sie bei 4,4 Prozent (5,4).

Diese Zahlen gehören zu einer noch unveröffentlichten Aufstellung aller Städte und Gemeinden, die Innenminister Ralf Jäger auf FDP-Anfrage vorgelegt hat. Landesweit wurden 2015 demnach 83.870 Fälle gemeldet – 2000 weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote sank von 7,9 auf 7,2.

Niedrige Aufklärungsquote
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„Insgesamt muss der Fahndungsdruck auch bei Alltagsdelikten in NRW erhöht werden“, fordert der FDP-Kommunalexperte Henning Höne, der die Anfrage stellte. „Wir dürfen uns mit der Situation nicht abfinden.“ Der Innenminister mache es sich zu leicht, wenn er die Verantwortung an die örtlichen Polizeibehörden abschiebe. „Mindestens in den besonders betroffenen Städten sollte die Landesregierung die Behörden vor Ort unterstützen.“

Fünf Tipps gegen Fahrraddiebstahl

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  • Im Jahr 2015 hat die Polizei deutschlandweit mehr als 335.000 Fälle gezählt. Spitzenreiter - bei der Pro-Kopf-Quote - ist Münster mit 1719 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner.

    Foto: dpa
  • Die Aufklärungsquote ist gering - der Ärger bei den Betroffenen sowie der Aufwand für den Kauf eines neuen Rades und den Schriftwechsel mit der Versicherung hingegen sind oft groß. Mit den richtigen Maßnahmen können Fahrradbesitzer Dieben die Straftat erschweren. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sowie die Schlosshersteller Abus und Trelock geben diese Tipps zur Vorbeugung:

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  • Abschreckung: Schon der Anblick massiver, schwerer Schlösser kann Diebe abschrecken. Denn diese wollen schnell zum Erfolg kommen, leicht knackbare Modelle ziehen sie an. Ein dünnes Spiralkabelschloss dagegen leistet nur wenig Widerstand: Es ist schnell durchgetrennt, je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug.

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  • Qualität: Rund zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für das Schloss ausgeben. In Städten mit vielen Fahrraddiebstählen kann es sinnvoll sein, auch günstige Räder mit eher teuren Schlössern zu sichern.

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  • Flexibilität: Panzerkabel-, Ketten- und Faltschlösser sind nicht nur massiv, sondern auch flexibel. Beim Anschließen des Rades lassen sie sich auch um etwas voluminösere Gegenstände wickeln. Das geht bei Bügelschlössern oft nur bedingt. Diese starren Schlösser in U-Form gelten dafür im Allgemeinen als widerstandsfähigster Schutz.

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  • Transport: Ein Schloss hilft Radlern nur dann, wenn man es stets dabei hat. Beim Kauf von Bügelschlössern sollte man das Rad mitnehmen, um zu sehen, welche Halterung passt. Denn sehr schwere Schlösser immer im Rucksack zu transportieren, kann mühsam sein.

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  • Technik: Diebe dürfen das Rad nicht wegtragen können - denn an sicheren Orten knacken sie auch sehr robuste Schlösser. Idealerweise wird das Schloss um das Oberrohr des Fahrrads und zugleich um einen verankerten Gegenstand wie einen Fahrradständer oder Laternenpfahl gewickelt. Liegt das Schloss dagegen auf dem Boden, bietet das Dieben manchmal einen besseren Hebel: Sie können zum Beispiel einen Bolzenschneider auf der einen Seite ablegen und mit beiden Händen den anderen Griff umfassen. In geschlossenen Räumen wie Kellern und Garagen sind Räder besonders sicher. Auch dort schließt man sie aber besser an, falls es Dieben gelingt, sich Zugang zu verschaffen.

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Fahrraddiebe im Münsterland

Auch wenn Münster hervorsticht, im Münsterland plagen Diebe die Radler in den meisten Städten und Gemeinden: In Ahlen stieg die Fallzahl um zehn Prozent auf 546. Jede neunte Tat wurde aufgeklärt. In Coesfeld schnellten die Fälle von 392 auf 609, nur 3,6 Prozent konnten geklärt werden. In Emsdetten schlugen Fahrraddiebe doppelt so oft zu wie 2014, von den 600 Taten 2015 wurden 4,7 Prozent aufgeklärt. In Steinfurt sank die Zahl um ein Viertel auf 316, geklärt wurden 26 Fälle.

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