Flughafen investiert ins Touristik-Programm
2017 wird ein Schicksalsjahr für den FMO

Greven -

Das Jahr 2016 sah für den Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) alles andere als rosig aus. Minus 4,5 Prozent bei den Passagieren im Vergleich zu 2015 heißt: 785.000 Fluggäste anstatt 822.000 wie im Vorjahr. Das ist ein neues Allzeittief. In Spitzenzeiten nutzten den Flughafen in Greven fast ­­ei­ne Million Menschen mehr. Es ging also weiter bergab. Das ist die schlechte Nachricht.

Mittwoch, 21.12.2016, 16:12 Uhr

Der FMO ist einer von sechs Flughäfen in Nordrhein-Westfalen.
Der FMO ist einer von sechs Flughäfen in Nordrhein-Westfalen. Foto: Wilfried Gerharz

Es gibt aber auch ein paar gute. Und das unterscheidet 2016 von den Jahren zuvor. Am FMO sind in den ver­gangenen Monaten Weichen gestellt worden. Man­­che unübersehbar – wie der Austausch der Geschäftsführung. Andere wiederum eher unauf­fällig – so ist es dem Flughafen gelungen, für den kom­­menden Sommer ins An­ge­bot zu investieren.

Unter Gerd Stöwer wurde mit jeder neu akquirierten Airline gleich die Trendwende verkündet. Monate später stahlen sich die Fluggesellschaften dann zu oft heimlich still und leise vom Hof. Das war nicht gut fürs Renommee.

Der neue Chef ist ein alter Hase

Neue Besen kehren gut, sagt der Volksmund. Neuer Chef am FMO ist Dr. Rainer Schwarz . Ein alter Hase. Er kommt am 1. Februar von der Flughafenstraße in Rostock an die Airportallee in Greven . Schwarz , 60, kennt das Geschäft, viele Flug­häfen, alle Höhen und alle Tiefen. Er konnte viele Erfolge verbuchen – in Berlin verhob er sich aber am Hauptstadtflughafen. Nach Berlin kam Rostock, kam Greven.

Deutlich kleiner als der FMO ist der Flughafen in Rostock-Laage. Hier war Rainer Schwarz zuletzt Geschäftsführer.

Deutlich kleiner als der FMO ist der Flughafen in Rostock-Laage. Hier war Rainer Schwarz zuletzt Geschäftsführer. Foto: Elmar Ries

Türkei-Geschäft ist eingebrochen

Der Hauptgrund für die 2016er-Delle: der Einbruch des Türkei-Geschäfts. Minus 11,5 Prozent, das schlägt ins Kontor. Zudem verabschiedete sich Turkish Airlines in die Winterpause. Trotzdem habe der FMO den Wirtschaftsplan einhalten können, sagt Sprecher Andrés Heinemann.

Die FMO-Story

Hintergründe, Fakten, Wissenswertes: Wir fassen zusammen und ordnen ein: Was Sie über den Flughafen Münster/Osnabrück wissen müssen, erfahren Sie jetzt in unserer WN-Multimedia Story zum Thema FMO

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2017 also ein Schicksalsjahr ? Ja, heißt es auch im Aufsichtsrat. Die Situation sei „ex­trem dramatisch“. Das muss anders werden. Eine Million Fluggäste jährlich sind laut PwC-Gut­achten „die kritische Masse, die der FMO braucht, um auch für Airlines interessant zu sein“.

FMO investiert ins Touristik-Programm

Um diesem Ziel näherzukommen, investiert der FMO ins Touristik-Programm. Damit ist er seinerzeit groß geworden. Germania nutzt grö­ßere Maschinen und stellt ei­ne zweite aufs Vorfeld, zudem geben weitere, kleine Airlines in Greven ihr Stelldichein. Damit befinden sich rund 100.000 zusätz­liche Plät­ze im Angebot.

Sommerflugplan 2017: Alle Ziele ab FMO

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  • Mit dem Flugzeug in die Sonne: Im Sommer 2017 bietet der FMO 21 Ziele an.

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  • Frankfurt: Ein Umsteige-Klassiker. Die Lufthansa fliegt täglich vier mal hin und zurück.

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  • Rhodos: Die Fluggesellschaft Germania fliegt ab 8. April 2017 samstags, ab 2. Mai 2017 zudem dienstags auf die griechische Insel.

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  • Faro: Ab 1. Mai 2017 fliegt Germania jeden Montag nach Faro, am 22. Juni 2017 kommt ein Flug am Donnerstag hinzu.

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  • Varna: Germania fliegt ab 31. Mai 2017 mittwochs nach Varna. Zwischen 5. Juni und 18. September 2017 kommt ein Flug am Montag von Bulgarian Air Charter hinzu.

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  • Teneriffa: Freitags bietet Germania einen Flug auf die Kanaren-Insel an.

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  • Antalya ist eins der am häufigsten angeflogenen Ziele. Täglich gibt es mindestens einen Flug, manchmal bis zu drei. Die Strecke bedienen Turkish Airlines. Germania und Sun Express.

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  • Izmir: Vom 20. Juni bis 29. August fliegt Sun Express dienstags in die türkische Metropole, ab 22. Juni 2017 auch donnerstags.

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  • Kayseri: Die türkische Stadt ist sonntags das Ziel eines Germania-Flugs - jedenfalls zwischen 18. Juni und 17. September 2017.

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  • Lanzarote: Dienstags steuert Germania die Kanaren-Insel an - aber nur bis zum 2. Mai 2017.

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  • Heraklion: Ab 20. April 2017 fliegt Germania donnerstags nach Heraklion, ab 1. Mai 2017 zusätzlich montags, am 28. Mai 2017 kommt ein Flug am Sonntag hinzu.

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  • Mallorca: Die Balearen-Insel wird sie häufig angeflogen wie kaum ein anderes Ziel. Täglich gibt es mindestens einen Flug, auf der Strecken sind Germania, Small Planet, Air Berlin und Eurowings unterwegs.

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  • Gran Canaria: Zweimal pro Woche fliegt Germania nach Gran Canaria: mittwochs und sonntags.

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  • Istanbul: Turkish Airlines steuert Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag den Atatürk-Flughafen an. Pegasus fliegt zwischen 20. Juni und 14. September 2017 dienstags und freitags zum Flughafen Sabiha Gökcen, zwischen 25. Juni und 17. September 2017 zudem am Sonntag.

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  • Adana: Am 30. Mai 2017 beginnt Germania mit einem wöchentlichen Flug nach Adana - immer dienstags geht's los.

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  • Burgas: Germania fliegt zwischen den 22. Juni und dem 14. September 2017 donnerstags nach Burgas. Vom 26. Juni bis 4. September 2017 bietet Bulgarian Air Charter einen zusätzlichen Flug am Montag an.

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  • Hurghada: Der ägyptische Badeort ist ab 26. Mai 2017 Ziel eines Fly-Egypt-Flugs am Freitag.

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  • Kos: Samstags fliegt Germania nach Kos, der erste Start ist am 29. April 2017. Am 5. Mai 2017 kommt ein Freitags-Flug dazu.

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  • Fuerteventura: Bis zum 24. April 2017 fliegt Germania montags nach Fuerteventura, am 1. Mai 2017 kommt ein Flug am Samstag hinzu.

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  • Malaga: Germania fliegt mittwochs und sonntags nach Malaga, zwischen 31. Mai und 7. Juni 2017 mittwochs zweimal.

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  • München: 30 mal pro Woche fliegt Lufthansa von Greven nach München - jeden Tag gibt es mindestens zwei Verbindungen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stuttgart: AIS Airlines verbindet den FMO mit Stuttgart. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gibt es zwei Flüge, freitags einen.

    Foto: dpa

Der FMO hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Kein bunter Strauß weiterer Ziele, lautet die Devise für 2017. Stattdessen wird das Kapazitätsplus in die Frequenz geworfen. Heißt beispielsweise: deutlich mehr Flüge nach Mallorca, Griechenland und auf die Kanaren. Und weil die Reiseanbieter wieder auf die Türkei setzen, geht‘s im Sommer bis zu 16 mal wöchentlich nach Antalya, 2016 war es neunmal. Das ist ein Invest in die Attraktivität der zentralen Touristik-Strecken. Das Angebot hat Chancen, aber auch Risiken. Es muss nämlich auch angenommen werden.

Vertragsunterzeichnung im Oktober 2016: Der neue Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück, Prof. Dr. Rainer Schwarz, und der FMO-Aufsichtsratsvorsitzende, Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Vertragsunterzeichnung im Oktober 2016: Der neue Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück, Prof. Dr. Rainer Schwarz, und der FMO-Aufsichtsratsvorsitzende, Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: FMO

Aufsichtsrat macht Druck

Zwei bis drei Jahre, tönt es im Aufsichtsrat aus dem Off, dann müsse die Million-Grenze erreicht sein. Ansonsten?

Zum Thema: Finanzpaket

Am Donnerstag verabschieden die FMO-Gesellschafter die nächste Entschuldungstranche für den Flug­hafen. Für das Jahr 2018 werden dem FMO weitere 16,4 Millionen Euro überwiesen. Der Beschluss ist reine Formsache: Die Kommunen beziehungsweise der Kreis Steinfurt als großer Anteilseigner haben bereits zugestimmt.

Ende 2016 beläuft sich die Darlehens­summe des FMO auf  59,2 Millionen Euro. Die Tranche für 2017 ist bereits beschlossen, so dass sich die Kreditsumme Ende des nächsten Jahres auf 48,3 Millionen Euro reduziert. (er)

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Analyse der aktuellen Situation

Dies weiß auch Schwarz. Darum hat er unmittelbar nach seiner Wahl in Greven angeschoben, was ihm zuletzt in Rostock geholfen hat: die Analyse der Status quo. Wie viele Fluggäste kommen aus dem Münsterland? Wie viele waren es einmal? In welchen Kreisen ist der Rückgang stark, in welchen schwach? Welche Flughäfen nutzen die Menschen stattdessen? Und was ist das ei­gentliche Ziel all derer, die über München und Frankfurt fliegen? „Ich möchte wissen, was im unmittelbaren Einzugsbereich des FMO weggebrochen ist“, sagt er. Und warum. Sechs Fragen, viel Kärrnerarbeit, ein Ziel: wieder attraktiv werden, vor allem für die Menschen im Münsterland.

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