Berlin-Attentäter registrierte sich am FMO
Anis Amris Weg führte auch nach Greven

Münster -

„Almasri, Ahmed, geb. 01.01.1995 in Skendiria/ Ägypten“ – so stellte sich der spätere Berlin-Attentäter vor, als er sich am 29. Oktober 2015 in Greven am Flughafen Münster/Osnabrück als angeblich Asylsuchender in der zentralen Registrierstelle meldete. Eine von mindestens 14 Identitäten, mit denen sich der Tunesier über ein Jahr lang durch Deutschland bewegte.

Freitag, 06.01.2017, 06:01 Uhr

Anis Amri, der spätere Berlin-Attentäter, meldete sich unter anderem in Registrierungsstelle für Flüchtlinge am FMO - mit falscher Identität.
Anis Amri, der spätere Berlin-Attentäter, meldete sich unter anderem in Registrierungsstelle für Flüchtlinge am FMO - mit falscher Identität. Foto: Jürgen Peperhowe, dpa

2011 war er illegal nach Italien eingereist, saß dort später in Haft und tauchte erstmals im Sommer 2015 in Süddeutschland auf.

Heute weiß man zum Teil auf den Tag genau, welchen Weg Anis Amri leibhaftig oder als Aktenvermerk durch das Land nahm. Bevor der Mörder von zwölf Menschen in Greven die „BüMA“, ein vorläufiges Aufenthaltspapier mit Passbild und Siegel erhielt, besorgte er sich so ein Dokument bereits in Karlsruhe, Berlin und Dortmund – mal als „Amir“, mal als „Hassan“ oder „ Hassa “.

Flüchtlings-Registrierungsstelle am FMO

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  • In dieser Messehalle sollen ab Montag Flüchtlinge registriert werden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit einem Zaun ist das Gelände vom FMO getrennt – aus Sicherheitsgründen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Niemand soll auf das angrenzende Flugfeld gelangen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Überblick über das Gelände mit zwei Hallen, die insgesamt eine Fläche von 15 000 Quadratmetern haben.

    Foto: Peter Beckmann
  • Noch werden die Messezelte, in denen zuletzt eine Autoshow stattfand,...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...für die neue Aufgabe hergerichtet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pro Tag sollen hier künftig bis zu 1000 Menschen pro Tag registriert werden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dirk Kleiböhmer von der Bezirksregierung in Münster koordiniert den Aufbau.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die größte Halle misst 165 mal 50 Meter.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Registrierungsstelle soll bis Juni 2016 in Betrieb bleiben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dafür werden die Zelthallen winterfest ausgestaltet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Anfangs sollen 40 Sachbearbeiter die Personalien der Flüchtlinge aufnehmen, ihre Fingerabdrücke nehmen und sie fotografieren.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Ein interner Bericht des Landeskriminalamtes NRW vom 2. März 2016 – der spätere Attentäter gilt bereits als „Gefährder NRW“ – weist aus, dass man zu dem in Greven aufgetauchten „Ahmed Almasri“ seit dem 12. Januar 2016 eine Hilfsakte führte, weil die BüMA abgelaufen war. „Es kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Person auf dem Lichtbild um die Person ‚Anis‘ handelt“, notiert damals das LKA .

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Im März 2016, so zeigen Unterlagen, waren beim Landeskriminalamt in Düsseldorf bereits neun Personalien bekannt, die Anis Amri aus verschiedensten Quellen zugeordnet werden konnten. Im Oktober 2015 hatte zum Beispiel das Polizeipräsidium Kleve einen „Prüffall Islamismus“ gestartet. Im Mittelpunkt der Ermittlungen ein „Mohamed Hassa“ aus Cafrichik in Ägypten. Unter diesem Namen fiel Amri in Emmerich auf, als er einem Zimmernachbarn Handybilder von mit Kalaschnikow/AK-47 und Handgranaten bewaffneten IS-Kämpfern zeigte, angeblich Verwandte. Er halte alle Europäer für „gottlos“ und werde gezielt Straftaten begehen, kündigte er an.

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