200.000 Euro fürs Nichtstun
Ermittlungen in der Korruptionsaffäre ums NRW-Landgestüt stocken

Warendorf/Düsseldorf -

Als vor einem Jahr Fahnder die Büros im NRW-Landgestüt auf links drehten, ahnte noch niemand, dass sich damit eine schier unendliche Affären-Geschichte entspinnen würde. Am Mittwoch ist es ein Jahr her, dass Agrarminister Johannes Remmel die Leiterin des Gestüts, Susanne Schmitt-Rimkus, den Verwaltungsleiter und den Rittmeister ihrer Ämter enthob und freistellte.

Sonntag, 12.02.2017, 17:02 Uhr

Das Landgestüt in Warendorf ist in der Kritik.
Das Landgestüt in Warendorf ist in der Kritik. Foto: dpa

Gegen sie ermittelt seitdem die Staatsanwaltschaft Münster wegen Korruptionsverdachts , weil es Unregelmäßigkeiten in Geschäftsbeziehungen mit dem Wüstenstaat Katar gegeben haben soll. Ein Ergebnis steht noch aus, und im Ministerium überlegt man, wie man vor der Landtagswahl am 14. Mai Bewegung in die Affäre bekommt.

200.000 Euro fürs Nichtstun

Immerhin wurde einem beauftragten Rechtsanwalt nun Akteneinsicht gewährt, schreibt Remmel in einem Bericht für den Unterausschuss Personal des Landtags – und deutet damit die Richtung an: „Die arbeitsrechtliche Beurteilung steht in enger Abhängigkeit mit den Erkenntnissen aus den staatsanwaltlichen Akten.“ Die Zeit läuft – und mit ihr fließt seit einem Jahr Monat für Monat Gehalt an die drei Mitarbeiter, fürs Nichtstun: 193.351,58 Euro sind in diesen zwölf Monaten bereits geflossen, rechnet Remmel vor. Dazu kommen 12.682,08 Euro Reisekosten und Trennungszulagen für die Ministeriumsmitarbeiter, die er ins Landgestüt nach Warendorf entsandt hat. Ergibt mehr als 200.000 Euro.

DAs Landgestüt in Warendorf

Das Landgestüt wurde vor 180 Jahren gegründet. Wichtigste Aufgabe ist seit jeher, den Pferdezüchtern Hengste gegen ein Deckgeld zur Verfügung zu stellen und so für einen Zuchtfortschritt zu sorgen. Außerdem bietet die angegliederte Deutsche Reitschule Fortbildungs- und Prüfungslehrgänge für Berufsreiter, Amateure und Turnierfachleute an. Nach Kriegsende ging das Gestüt in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen über. Jedes Jahr lädt das Landgestüt Warendorf zu seinen traditionellen Hengstparaden  ein.

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Der münsterländische FDP-Abgeordnete und Agrarexperte seiner Fraktion, Henning Höne, beobachtet das mit Argwohn. „Zum ersten Jahrestag der Freistellung drängt sich der Eindruck auf, als verfolgte niemand ein nachdrückliches Interesse, den Fall aufzuklären.“ Dass dem Landgestüt eine fachliche Führung fehle, sei bedenklich: „Mehr denn je geht es um die Frage, wie das Landgestüt zukunftsfest aufgestellt werden soll.“

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