Bahnverkehr
RRX: 2018 wird die Utopie Realität

Unna/Münster -

Wenn 2018 die ersten Triebwagen des Rhein-Ruhr-Expresses (RRX) auf die Schiene gesetzt werden, nimmt ein Projekt Gestalt an, das als Utopie begann. Auch Münster könnte davon profitieren. Doch es gibt eine entscheidende Hürde.

Montag, 20.02.2017, 07:02 Uhr

 
  Foto: RRX

In den 1970er Jahren war es eine Magnetschwebebahn, die das Rheinland mit dem Ruhr-Raum verbinden sollte. Unter dem Namen Transrapid wurde der Tempomacher bekannt. Seine NRW-Variante nannte sich Metrorapid – und warb mit Superlativen. Keine 40 Minuten sollte der radlose Flitzer für die Strecke Düsseldorf - Dortmund benötigen, angedacht war zudem ein 10-Minuten-Takt. 2003 war der Traum ausgeträumt: Die Landesregierung beerdigte die Magnetschwebebahn aus Kostengründen.

Was für das konkrete Projekt gilt, galt nicht für die Idee. „NRW ist das Land der Pendler“, betont Landesverkehrsminister Michael Groschek immer wieder. Was da stört: Das Pendeln wird immer schwieriger. Vor allem im Rhein-Ruhr-Raum, dem dichtesten Ballungsraum Eu­ropas, haben sich die Autobahnen längst zu Staufallen entwickelt und auch die Schiene ist mit Millionen Fahrgästen pro Tag längst am Rande der Belastung angekommen, Tendenz steigend.

Münsters Anschluss an den Rhein-Ruhr-Express

Streckenplan des RRX

Streckenplan des RRX Foto: RRX

Hier setzt das RRX-Konzept an – aus Sicht der Landesregierung das Premium-Verkehrsinfrastruktur-Projekt in NRW. Auf seiner Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund sollen künftig alle 15 Minuten neue, schneller fahrende Doppelstockzüge auf teilweise noch zu bauenden, eigenen Schienenwegen rollen und so zweierlei erreichen: Für eine schnellere Verbindung sorgen und die bestehende Infrastruktur entlasten. Und weil nicht nur das Ruhrgebiet und das Rheinland von dem neuen System profitieren sollen, werden über sogenannte Außenäste auch die Verkehrsachsen nach Aachen, Paderborn/Kassel, Bielefeld/Minden, Bonn/Koblenz, Wesel/Emmerich – und auch die Stadt Münster angeflanscht. Letztere aber nur, wenn die Strecke Münster-Lünen zumindest teilweise zweigleisig ausgebaut wird.

Die neuen grauen Triebwagen mit weißer Nase und orangen Türen baut Siemens, für den Betrieb zuständig sind das britische Unternehmen National Express und Abellio , eine Tochter der niederländischen Staatsbahn. Auch wenn die neuen Züge schon im nächsten Jahr durch das Ruhrgebiet rollen: Es wird noch Jahre dauern, bis das RRX-Projekt komplett umgesetzt ist und alle Vorteile greifen. Vor allem im Ruhrgebiet müssen Strecken teilweise neu- und teilweise ausgebaut werden, hinzu kommen weitere Infrastrukturmaßnahmen wie zusätzliche Weichen oder Schallschutz. „Das Positive ist, dass das RRX-Projekt im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuft wurde und damit die Finanzierung der Baumaßnahmen gesichert ist“, sagt Uli Beele, Sprecher von Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), der mit seinen NRW-Schwesterverbänden Auftraggeber und Vertragspartner von National Express und Abellio ist.

Diskussion über weiteren Ausbau

Die Vorteile dieses über 3,5 Milliarden Eu­ro teuren Infrastrukturprojektes liegen auf der Hand. Die RRX-Züge, die im Endausbau auf sieben durchgehenden Linien rollen, haben mehr Platz-Kapazitäten, beschleunigen besser, fahren schneller, sind moderner, weniger verspätungsanfällig, enger getaktet und deutlich komfortabler.

Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt nur noch, wann der RRX in seiner Endausbaustufe fährt. Prognostiziert ist 2030, es könnte aber auch später werden.

Auch wenn noch nicht ein RRX-Triebwagen rollt, wird hinter den Kulissen bereits über mögliche Ausbaustufen diskutiert. Eine, die den hiesigen Raum betrifft, wäre die Weiterführung des Münster-Astes bis nach Osnabrück. „Das aber ist noch Zukunftsmusik“, sagte Beele.

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