A 1-Ausbau: Zwei Spuren mehr
Nördlich von Münster bauen Private – südlich von Münster der Staat

Coesfeld -

Jahrelang war der A 1-Ausbau zwischen dem Kamener Kreuz und dem Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück ein Thema für die unbestimmte Zukunft. Dass die letzten 91 vierspurigen Au­to­bahn- Kilometer auf der Hansalinie um zwei Fahrbahnen erweitert werden sollen, das stand zwar seit Langem fest. Auf einen möglichen Bau­beginn wollte sich indes ­nie­mand festlegen. Kein Wunder: Planungsverfahren sind kompliziert – und gespickt mit zeitfressenden Unwägbarkeiten.

Mittwoch, 05.04.2017, 19:04 Uhr

Der A1-Ausbau zwischen dem Kamener Kreuz und dem Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück wird konkret.
Der A1-Ausbau zwischen dem Kamener Kreuz und dem Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück wird konkret. Foto: Gunnar A. Pier

Bei der A 1 kam noch hinzu, dass sich NRW und der Bund lange Zeit nicht darauf einigen konnten, ob private Unternehmer oder – wie gehabt – die staatliche Straßenbauverwaltung das Projekt stemmen sollten.

Jeder baut ein Stückchen Autobahn

Das Verfahren ist inzwischen abgesprochen: Die 40 Kilometer zwischen Münster-Nord und Lotte werden im sogenannten ÖPP-Verfahren gebaut, ein privates Kon­sortium führt aus und er­hält im Gegenzug die Maut­­ ein­nahmen. So will der Bund bauen.

Der rund 31 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Münster-Hiltrup soll – Stand heute – der Landesbetrieb Straßen NRW ausbauen. Das favorisiert das NRW-Ver­kehrs­ministe­ri­um. So kommt jede Seite zu ihrem Recht – und niemand verliert bei dem 650-Millionen-Euro-Vorhaben sein Gesicht.

ÖPP-Verfahren ist Neuland

Inzwischen sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass erste Jahreszahlen kursieren. „Wir gehen davon aus, 2018 das Konzessionsverfahren eröffnen zu können“, sagte gestern Manfred Rensmann , der Leiter der münsterländische Regionalniederlassung von Straßen-NRW in Coesfeld.

Die "Hansalinie"

Die A 1 ist eine der wichtigen Nord-Süd-Verbindung. Sie führt von Heiligenhafen an der Ostsee bis nach Saarbrücken. Mit einer Länge von 749 Kilometern ist sie nach der A 7 und der A 3 die drittlängste Autobahn in Deutschland. Der Strecken­abschnitt zwischen Hamburg und Heiligenhafen wird als Vogelflug­linie bezeichnet, der Teil von Lübeck bis ins Ruhrgebiet heißt Hansalinie. Die Autobahn ist bis auf das Nadelöhr zwischen dem Kamener Kreuz und dem Kreuz Lotte durchgängig sechsspurig. Auch zwischen Münster-Nord und Münster-Süd rollt der Verkehr auf sechs Spuren.

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Mit dem ÖPP-Verfahren im Autobahn-Ausbau betritt NRW Neuland. Die A 1 ist landesweit das erste Projekt dieser Art. Andere Bundesländer sind da weiter. Dort rechnet man bei der Abwicklung derart komplizierter Ver­ga­be-Verfahren mit bis zu zwei Jahren.

Bekannt ist auch: ­Bauen Private Auto­bahnen, geben sie in der Regel mächtig Gas. Je eher ein Abschnitt wieder befahren werden kann, desto eher rollt der mautfinanzierte Rubel. „Wir gehen davon aus, dass das in NRW nicht anders sein wird“, erklärte der Abteilungsleiter Planung in der Regionalniederlassung, Christian Müller .

Ausbau in rund 4 Jahren?

40 Kilometer, eingeteilt in womöglich nur zwei Bau­abschnitte bedeutet: Läuft alles optimal, könnte der ­A 1-Abschnitt in nur vier Jahren komplett ausgebaut sein. Im allergünstigsten Fall könnte der Verkehr zwischen Münster und Lotte demnach im Jahr 2024 auf sechs Spuren rollen.

Der Ausbau des A 1- Nord-Abschnitts war bereits im letzten Bundesverkehrswegeplan in der höchsten Stufe ­„vor­dringlicher Bedarf“ rubriziert worden. Der Bereich vom Kamener Kreuz bis zur Anschlussstelle Hiltrup rangierte seinerzeit als „weiterer Bedarf ohne Planungsrecht“ unter ferner liefen. „Auch wenn Baurecht vor­gelegen hätte: „Die Frage, ob gebaut worden wäre, hätte sich gar nicht gestellt“, sagt Rensmann. Das änderte sich 2016 mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan. Das A 1-Nadelöhr wurde komplett in die höchste Priorität katapultiert, heißt: Sind die Ausbaupläne rechtssicher, können auch südlich von Münster die Bagger anrücken.

Das wird auch dringend Zeit. Nördlich vom Kamener Kreuz wurden bei der letzten Verkehrszählung 2015 in 24 Stunden rund 77 000 Fahrzeuge gezählt. Für 2020 gehen Pro­gnosen dort von 82 000 Fahrzeugen aus. Für den sechsspuri gen Ausbau gibt es keine Vorgabe, wohl aber eine Faustregel: Ab 60 000 Fahrzeugen in 24 Stunden reichen vier Spuren nicht mehr aus.

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