Urteil im Stiftskreuzprozess gefallen
Angeklagter kommt mit Bewährungsstrafe davon

Borghorst-Münster - (Aktualisiert) Die Richter der 3. Großen Strafkammer des münsterischen Landgerichts waren angetreten, die Hintergründe des Stiftskreuz-Diebstahls aufzuklären. "Das ist uns leider nur teilweise gelungen", bedauerte der Vorsitzende des Richtergremiums am Freitagnachmittag bei der Urteilsverkündung.

Freitag, 05.05.2017, 14:05 Uhr

Borghorster Stiftskreuz dpa
Das Borghorster Stiftskreuz. Foto: dpa

Der Vorsitzende Richter am Landgericht in Münster eröffnete gestern die Urteilsbegründung mit einem Geständnis. Die Kammer sei angetreten, um die Hintergründe des Stiftskreuzdiebstahls aufzuklären. „Das ist uns aber nur teilweise gelungen“, bedauerte der Jurist. Warum? „Nicht jeder hat das gesagt, was er wusste.“ Damit meinte er nicht nur den Angeklagten. Nein, er nannte explizit die Zeugen und auch die beteiligten Anwälte, den Rechtsbeistand des Bistums eingeschlossen.

Die Folge: Freispruch

Somit blieb von dem Vorwurf, der 42 Jahre alte Bremer auf der Anklagebank habe im Oktober 2013 den Auftrag für den Diebstahl des wertvollen Reliquiars aus der Borghorster Nikomedeskirche gegeben, nichts mehr übrig. Die Folge war ein Freispruch. Für die Kammer war aber klar, dass der mutmaßliche Kopf eines Familienclans an dem Weiterverkauf des Kreuzes an ei­nen unbekannten Dritten be­teiligt war. Dafür verurteilte das Gericht ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zu den Auflagen zählt weiterhin, dass der Famili­envater 4000 Euro an die Landeskasse zahlt.

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Der 42 Jahre alte Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Im konnte nicht nachgewiesen werden, dass er den Anstoß zum Diebstahl des Stiftskreuzes gegeben hatte. Foto: Axel Roll

Das Verfahren war ins Rollen gekommen, weil zwei der drei verurteilten Diebe den 42-Jährigen angeschwärzt hatten. Am Ende der Beweisaufnahmen blieben auch nur die Aussagen der beiden. Und die waren, so das Gericht, in entscheidenden Teilen widersprüchlich. „Darum ist nicht bewiesen, dass der Angeklagte den Auftrag erteilt hat“, so der Richter.

Das Gute an dem Prozess, auch das betonte der Vorsitzende, sei die Tatsache, dass das Kreuz wieder da ist. Denn nach der Festnahme des Angeklagten am 21. September 2016 „passierte etwas“, so der Richter, „dass das Kreuz zurückkam“. Dazu zählt ein Gespräch zwischen Kammer und den Anwälten des Angeklagten, in der ihm eine mildere Strafe zugesichert wurde – wenn der Kunstschatz ohne die Zahlung von Lösegeld an die Kirche übergeben würde. Dass die Versicherung 100.000 Euro locker machen würde, erfuhr das Richtergremium erst sehr viel später ...

Hintergründe nur teilweise aufgeklärt

Bestraft wurde der 42-Jährige für den Weiterverkauf des 1000 Jahre alten Kirchenschatzes an einen Unbekannten. Er soll mit Vornamen Thomas heißen. Fest steht für das Gericht, dass der Angeklagte das Kreuz in einem Hotel nahe des Einkaufszentrums „Waterfront“ in Bremen übergeben und dafür 150.000 Euro, verpackt in einer Plastiktüte, kassiert hat. Von diesem Geld zahlte er die drei Diebe mit jeweils 37.500 Euro aus. Sie hatten das Kreuz bis zum Weiterverkauf in einem Keller versteckt.

Ob auch der vierte Beteiligte an der Tat, der Fahrer des schwarzen Mercedes , seinen Anteil bekommen hat, ist ebenso unklar wie seine Identität. Der inzwischen in den Ruhestand versetzte damalige Pfarrer von St. Nikomedes, Heinrich Wernsmann , mochte das Urteil direkt nicht kommentieren: „Ich kann es juristisch nicht bewerten.“ Wernsmann merkte aber positiv an, dass die Richter in ihrem Urteil auch die enorme Bedeutung des Stiftskreuzes für die Kirche herausgestellt hätten.

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Das Borghorster Stiftskreuz ist wieder da

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  • Da strahlt der Bischof: Am Freitagmorgen präsentierte Felix Genn das Stiftskreuz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auf einem Tisch mit weißer Tischdecke platzierte Genn das Stiftskreuz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Axel Roll
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
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  • Pünktlich um 9.45 Uhr kam Bischof Genn am Freitagmorgen mit dem Stiftskreuz herein.

    Foto: Gunnar A. Pier
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  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Pfarrer Heinrich Wernsmann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auf einem Tisch mit weißer Tischdecke platzierte Genn das Stiftskreuz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt und Pfarrer Heinrich Wernsmann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt und Pfarrer Heinrich Wernsmann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

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  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt und Pfarrer Heinrich Wernsmann.

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  • Am 17. Februar 2017 präsentiert Bischof Felix Genn im Bischofshaus in Münster das Borghorster Stiftskreuz, das gestohlen war und nun wieder aufgetaucht ist. Im Bild mit Generalvikar Norbert Kleyboldt, Pfarrer Heinrich Wernsmann und Anwalt Jürgen Römer.

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