Ergebnis der NRW-Wahl 2017
So hat das Münsterland gewählt: 21 Abgeordnete im Landtag

Münsterland -

Nur bei einem von elf Direktmandaten im Münsterland lag die CDU hinter der SPD. Doch die Delegation, die die Region künftig im Landtag vertreten wird, ist deutlich bunter. Grund dafür sind die Landeslisten der Parteien.

Montag, 15.05.2017, 21:15 Uhr aktualisiert: 15.05.2017, 21:30 Uhr
Ergebnis der NRW-Wahl 2017 : So hat das Münsterland gewählt: 21 Abgeordnete im Landtag
21 Abgeordnete schickt das Münsterland in den neu gewählten Landtag - elf davon über Direktmandate, zehn über die Landeslisten. Foto: Grafik: Ann-Kathrin Schriever

Nach dem Wahldebakel am Sonntag wird die SPD noch vier Abgeordnete aus dem Münsterland in den neuen Landtag schicken. Neben Frank Sundermann (Wahlkreis Steinfurt III), der als einziger von elf SPD-Bewerbern aus der Region ein Direktmandat holte, rücken Svenja Schulze (Münster II/Listenplatz 2), Generalsekretär André Stinka (Coesfeld II/Listenplatz 12) und Annette Watermann-Krass (Warendorf II/Listenplatz 13) über die Liste ins Parlament. Weil NRW-weit entsprechend wenige Genossen ihr Direktmandat holten, zieht die Liste bis Platz 13.

Die CDU hat keine Ansprüche aus der Landesliste, sie errang alle zehn ihr zustehenden Sitze per Direktmandat. 

Diese 21 Abgeordneten schickt das Münsterland nach Düsseldorf

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  • 21 Abgeordnete werden das Münsterland künftig im Landesparlament vertreten. Hier die Gesichter:

    Alexander Brockmeier (FDP)

    Den kuriosesten Weg in den Landtag hat der Jura-Student aus Rheine. Er war bei der FDP auf Platz 29 der Landesliste gesetzt. Die Liberalen errangen nur 28 Parlamentssitze. Die durch eine Verwechslung auf Platz 24 statt 48 gesetzte Kandidatin Martina Hannen wollte ihr Mandat ursprünglich nicht annehmen und so den Weg frei machen für Brockmeier. Doch kurz vor der ersten Landtagssitzung die 180-Grad-Wende: Hannen nimmt ihr Mandat doch an. Brockmeier muss jetzt darauf hoffen, dass die FDP im September in den Bundestag zieht und dadurch Christian Lindners Sitz im Landtag frei wird.

    Foto: Jona Poggel
  • Markus Diekhoff (FDP)

    Der Drensteinfurter stand auf Platz 20 der Landesliste und schaffte es sicher in den Landtag.

    Foto: mik
  • Henning Höne (FDP)

    Der gebürtige Coesfelder sitzt schon seit 2012 im Landtag. Listenplatz zehn garantierte, dass es dabei auch bleibt.

    Foto: FDP
  • Norwich Rüße (Grüne)

    bewirtschaftet im Nebenerwerb einen Bio-Bauernhof in Steinfurt. Seit 2010 sitzt er im Landtag und kümmert sich hauptsächlich um die Themen Naturschutz, Landwirtschaft, Tierschutz und Ernährung. Listenplatz elf bei den Grünen reichte zum erneuten Einzug ins Parlament.

    Foto: Axel Roll
  • Josefine Paul (Grüne)

    Auch die Abgeordnete aus Münster, die auf Platz zwölf der Landesliste stand, zieht erneut in den Landtag ein. Bei den Grünen zog die Liste bis Platz 14.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Helmut Seifen (AfD)

    16 Abgeordnete schickt die Alternative für Deutschland in den Landtag. Einer davon ist Helmut Seifen (rechts im Bild), Schulleiter aus Gronau.

    Foto: Frank Zimmermann
  • Christian Blex (AfD)

    Der Sprecher der AfD im Kreis Warendorf zog durch Platz 14 auf der Landesliste ins Parlament ein.

    Foto: Beate Kopmann (Archiv)
  • Frank Sundermann (SPD)

    Der Sozialdemokrat aus Westerkappeln errang als einziger im Münsterland ein Direktmandat für die SPD. Im Wahlkreis 83 (Steinfurt III) setzte er sich knapp gegen seinen CDU-Konkurrenten durch. Kurios: Am Wahlabend hatte Sundermann seine Niederlage schon eingeräumt . Dann wendete sich das Blatt noch.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • André Stinka (SPD)

    Drei weitere Sozialdemokraten unterlagen in ihren Wahlkreisen bei der Erststimme, rücken aber über die Landesliste ins Parlament. So auch André Stinka aus Dülmen. Der Generalsekretär der NRW-SPD war mit Listenplatz zwölf abgesichert.

    Foto: SPD
  • Annette Watermann-Krass (SPD)

    Die Sendenhorsterin stand auf Listenplatz 13. Weil die Sozialdemokraten NRW-weit nur 56 Direktmandate gewannen, reichte das gerade noch für den Einzug ins Parlament.

    Foto: SPD
  • Svenja Schulze (SPD)

    Die amtierende NRW-Wissenschaftsministerin konnte ihr Direktmandat in Münster (Wahlkreis 85, Münster II) nicht verteidigen. Durch Listenplatz zwei zieht sie dennoch in den Landtag ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Stefan Nacke (CDU)

    Schulze verlor ihr Direktmandat an Stefan Nacke, der den Wahlkreis Münster II künftig vertreten wird. Übrigens: Alle Christdemokraten im neuen Landtag holten ihren Platz über ein Direktmandat. Die Landesliste zog bei der CDU nicht.

    Foto: Oliver Werner
  • Simone Wendland (CDU)

    Auch den anderen Wahlkreis in Münster (84, Münster I) gewann die CDU. Simone Wendland, Rechtsanwältin aus Gelmer, zieht erstmals in den Landtag ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Heike Wermer (CDU)

    Mit 29 Jahren ist die Philologin aus Heek eine der jüngsten Abgeordneten im Landtag. Sie gewann den Wahlkreis Borken II mit 56,3 Prozent.

    Foto: Mareike Katerkamp
  • Wilhelm Korth (CDU)

    Der gelernte Landmaschinenschlosser aus der Bauernschaft Stevede bei Coesfeld errang das Direktmandat im Wahlkreis 79 (Coesfeld I - Borken III).

    Foto: CDU
  • Andrea Stullich (CDU)

    Die Rheinenserin ist Chefredakteurin von Radio RST, dem Lokalsender für den Kreis Steinfurt. Sie holte das Direktmandat im Wahlkreis 82 (Steinfurt II).

    Foto: dpa
  • Christina Schulze Föcking (CDU)

    Die Steinfurterin ist bereits seit 2010 im Landtag. Mit 53,3 Prozent holte sie die Mehrheit der Erststimmen im Wahlkreis 81 (Steinfurt I).

    Foto: Axel Roll
  • Hendrik Wüst (CDU)

    Der ehemalige Landesvorsitzende der Jungen Union ist seit 2005 im Landtag. Der 41-Jährige aus Rhede ist seit sieben Jahren wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Er gewann im Wahlkreis Borken I.

    Foto: dpa
  • Dietmar Panske (CDU)

    Im Wahlkreis 80 (Coesfeld II) fuhr der 50-jährige Ascheberger Dietmar Panske mit 49,6 Prozent der Erststimmen einen deutlichen Sieg ein. 

    Foto: Theo Heitbaum
  • Daniel Hagemeier (CDU)

    Der 46-Jährige aus Oelde gewann den Wahlkreis Warendorf I mit 48,1 Prozent. 

    Foto: Jörg Pastoor
  • Henning Rehbaum (CDU)

    Der Münsteraner ist seit 2012 Mitglied des Landtags und errang das Direktmandat im Wahlkreis Warendorf II mit zehn Prozentpunkten Vorsprung. Vor fünf Jahren hatte hier die SPD noch die Mehrheit bei den Erststimmen.

    Foto: Christiane Husmann

Zwei AfD-Abgeordnete aus dem Münsterland

Bei den Grünen zieht die Liste bis Platz 14; Glück für die beiden münsterländischen Abgeordneten Josefine Paul (Münster I) und Norwich Rüße (Steinfurt I, die die Listenplätze elf und zwölf innehatten.

Drei Abgeordnete aus dem Münsterland schickt die FDP über die Liste in den neuen Landtag. Zum bisherigen Abgeordneten Henning Höne (Coesfeld I/Borken III/Listenplatz 10), Markus Diekhoff (Warendorf II/Listenplatz 20) und Alexander Brockmeier (Steinfurt II), der mit Platz 29 als letzter von der Liste den Sprung in den Landtag geschafft hat.

In Parlament geschafft haben es aus der Region auch zwei AfD-Abgeordnete. Helmut Seifen (Wahlkreis Steinfurt I/Borken I) hat mit Listenplatz 6 ein Landtagsmandat si sicher wie Dr. Christian Blex (Warendorf II) mit Platz 14. Die AfD-Liste zieht bis Rang 16.

Koalitionsverhandlungen

Nach der Wahl stehen jetzt die Koalitionsverhandlungen an. Zeitliche Vorgaben für die Regierungsbildung macht die Landesverfassung nicht. Diese Termine sind absehbar:

► Am Dienstag kommen die neuen Landtagsfraktionen zu ihren ersten Sitzungen zusammen.

► Zu seiner konstituierenden Sitzung muss der neue Landtag nach Artikel 37 der Landesverfassung spätestens am 20. Tag nach der Wahl zusammentreten. Im Terminkalender des Landtags ist dafür der 1. Juni vorgesehen.

► Eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten setzt die Verfassung nicht. Der Termin hängt vom Tempo der Koalitionsverhandlungen ab.

► 2010 gab es keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Damals dauerte es fast zehn Wochen bis Kraft zur Ministerpräsidentin einer Minderheitsregierung von SPD und Grünen gewählt wurde.

► Deutlich schneller kam Kraft 2012 zum Zug. Zwischen der Landtagswahl am 13. Mai und ihrer erneuten Wahl lagen kaum sechs Wochen.

CDU und FDP sind nicht bei allen Themen der Landespolitik gleicher Meinung:

► Innere Sicherheit: Auf diesem Gebiet würde es nach Einschätzung von Laschet harte Verhandlungen geben. Das Thema sei das schwierigste beim möglichen Koalitionsverhandlungen. Die CDU will die Schleierfahndung einführen und mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum. „Wir sind gegen die anlasslose und massenhafte Überwachung“, schreibt dagegen die FDP.

► Schule: Bei der Reform des Turbo-Abiturs wollen die beide unterschiedliche Wege gehen. Die CDU will die Gymnasien entscheiden lassen, ob sie das Abitur nach acht oder nach neun Jahren anbieten. Beim FDP-Modell könnte es dagegen an jedem Gymnasium das Abitur sowohl nach acht als auch nach neun Jahren geben.

► Hochschulen: Die FDP will Hochschulen die Möglichkeit geben, Studiengebühren einzuführen. Im Programm der CDU heißt es: „Studiengebühren lehnen wir ab.“

Auch CDU und SPD könnten eine Koalition bilden. Die Knackpunkte:

► Innere Sicherheit: CDU-Wahlsieger Laschet setzt auf die Schleierfahndung, also auf verdachtsunabhängige Kontrollen. Die SPD lehnt das bisher ab. Probleme dürfte es auch geben, weil die CDU die Videoüberwachung ausweiten will. Die Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte möchte die CDU wieder abschaffen.

► Schule: Beide möchten das Turbo-Abitur reformieren. Die SPD plädiert für ein flexibles Model – Schüler sollen an derselben Schule entweder nach acht oder neun Jahren Abitur machen können. Dafür soll die Sekundarstufe I wieder um ein Jahr auf sechs Jahre verlängert werden. Bei Streitthemen wie Inklusion ist die SPD vage. Die CDU verspricht, keine Förderschule mehr zu schließen, bis die Voraussetzung für gelingende Inklusion gegeben sind.

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