Steinfurterin hinterlässt viel Geld
107.000 Euro finden keinen Erben

Steinfurt -

Eine Zigarrenkiste mit ein paar alten Fotos, ein Haus und 107 000 Euro – das ist alles, was aus dem Leben von Aida Mohammad Saleh Hüsker geblieben ist. Vor fünf Jahren ist die gebürtige Irakerin aus Basra in einem Altenheim in Steinfurt gestorben – verwitwet und kinderlos. 

Montag, 22.05.2017, 07:05 Uhr

Der Anwalt und Nachlasspfleger Falk Schulz mit den Bildern aus dem Leben von Aida Mohammad Saleh Hüsker.
Der Anwalt und Nachlasspfleger Falk Schulz mit den Bildern aus dem Leben von Aida Mohammad Saleh Hüsker. Foto: Wilfried Gerharz

Verwandte hat Rechtsanwalt und Nachlasspfleger Dr. Falk Schulz aus Münster, der im Auftrag des Amtsgerichts in Steinfurt mögliche Erben gesucht hat, bislang nicht gefunden. Wenigstens nicht in Deutschland. Und die Suche nach Angehörigen im Irak bezeichnet er als eine „Ringeltaube“. Die 107 000 Euro wären also noch zu haben.

Dass es Geschwister gibt, die in der Nähe leben, ist unwahrscheinlich, sagt Schulz. Der Tod der 73-Jährigen sei veröffentlicht worden. Da wären interessierte Erben relativ schnell fündig geworden. Und selbst wenn sich aus dem Irak Erben melden würden, bedeutet das noch lange nicht, dass sie in Deutschland auch anerkannt werden.

Unterlagen nicht auffindbar

Dafür bräuchten Bewerber eine Geburtsurkunde von Aida Mohammad Saleh Hüsker, geborene Al-Ridaini, mit dem Namen ihrer Eltern und einer zusätzlichen Urkunde, die sie selbst als Kinder derselben Eltern ausweist. In einem Land, in dem große Teile der Verwaltung zusammengebrochen und Archive vernichtet sind, stehen die Chancen darauf nicht sonderlich hoch.

Findet sich niemand, geht das Geld an das Land NRW. Allein die westfälischen Bezirksregierungen haben 2014 Einnahmen aus Erbschaften in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro verbucht. Allerdings mussten sie mehr als eine Million Euro aufwenden, um beispielsweise Gläubiger zu bezahlen und Immobilien zu sichern.

Land NRW übernimmt Nachlässe

Das Land NRW übernimmt Nachlässe, wenn nach einem gerichtlichen Beschluss feststeht, dass kein anderer Erbe vorhanden ist Die Summe ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Der Anteil älterer Menschen ohne Angehörige steigt; ebenso nehme die Zahl der ausgeschlagenen Erbfälle wegen Überschuldung zu.

Diese Sorgen muss sich bei der Steinfurterin niemand machen. Trotzdem haben Schulz’ Gespräche mit ehemaligen Nachbarn keine weiteren Hinweise auf Angehörige ergeben. Erschwert wurde die Recherche durch den Verkauf des Hauses der Witwe. Dessen neuer Besitzer hat es kurz vor ihrem Tod komplett ausgeräumt, nachdem sie in ein Altenheim gezogen war. „Wenn wir dort noch Unterlagen gefunden hätten, wäre das Erfolg versprechend gewesen“, sagt Schulz bedauernd. „So blieb uns nur die kleine Zigarettenkiste mit den Fotos.“

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