Neuer Bahntarif für die Region
Am 1. August kommt das Westfalen-Ticket

Münster/Paderborn/Bielefeld -

Die Reise beginnt mit einem fast verpassten Zug in Hamm und endet mit einem Umweg ab Bielefeld. Dazwischen: Paderborn, Bielefeld, viele Haltepunkte – und eine Idee. Am 1. August erhält Westfalen-Lippe einen neuen Bahntarif, den Westfalen-Tarif. Beim Ticket von A nach B ändert sich nur der Name, bei Fahrten über regionale Grenzen hinweg kann der neue Tarif das sperrige NRW-Ticket ablösen. Wie lässt sich das neue System am besten erklären? Mit einer Bahnfahrt.

Dienstag, 25.07.2017, 07:07 Uhr

Die Westfalenbahn bedient im Münsterland zwei Linien, die RB 65 von Münster nach Rheine und die RB 66 von Münster nach Osnabrück.
Die Westfalenbahn bedient im Münsterland zwei Linien, die RB 65 von Münster nach Rheine und die RB 66 von Münster nach Osnabrück. Foto: imago

Start in Hamm, 9.10 Uhr, mit dem RE 11 nach Paderborn. An Bord: Uli Beele , der Sprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Dessen Zug aus Unna hat ein paar Minuten Verspätung, die RE 11 hingegen ist pünktlich. Es passt so gerade.

Fünf Regionaltarife

In Westfalen-Lippe gelten derzeit noch fünf Regionaltarife, heißt: fünf Preissysteme. Das ist ein Relikt aus jener Zeit, als es noch fünf Zweckverbände gab, die in ihrem Sprengel für alles, was mit dem Schienenpersonennahverkehr zu tun hat, allein verantwortlich waren. Das ist längst passé, die Entscheidungen fällt der NWL. Die Regionaltarife aber gibt es noch.

Das bedeutet: Wer von Münster nach Bielefeld fährt, bewegt sich in verschiedenen Tarifsystemen. Die Folge: „Er fährt mit einem NRW-Ticket“, sagt Bee­le. Der NRW-Tarif aber ist ein aus den bestehenden Tarifen grob zusammengezimmerter Kompromiss, der irgendwann vom NRW-Verkehrsministerium eingeführt wurde, weil diesem die tarifliche Kleinstaaterei zu kleinkariert geworden war.

Ankunft Paderborn, kurz vor zehn. Gemessen an ihrer Größe hat die Stadt einen ziemlich kleinen Bahnhof. Auch wenn groß „Hauptbahnhof“ über dem Eingang prangt. Weiter geht es mit der RB 74 nach Bielefeld, hier fährt die Nordwestbahn , ein Musterknabe un­ter den Ei­senbahnunternehmen.

Westfalen-Ticket "in der Regel billiger"

Wenn es aber schon ein NRW-Ticket gibt, ist dann ein eigenes Tarifsystem für Westfalen nicht überflüssig? Das ist ein beliebter Einwand, den Beele dreifach kontert: „In der Regel ist das Westfalen-Ticket billiger; es bietet zusätzliche Angebote für Familien, Senioren, Gruppen, Schüler sowie Pendler und sorgt für ein einfacheres Handling bei den Verkehrsunternehmen.“ Aber: Mit ei­nem beispielsweise für eine Fahrt innerhalb Münsters gekauften Westfalen-Ticket zum Beispiel in Bielefeld fahren, das geht nicht. „Weil innerhalb der fünf Teilnetze weiter Preisunterschiede möglich sind.“

Eisenbahnalltag in NRW: Die RB 74 jagt ab Paderborn erfolglos dem Fahrplan hinterher, folglich ist in Bielefeld die RB 67, der sogenannte „Warendorfer“, schon Richtung Münster unterwegs. Also eine Stunde warten. Dann die Überraschung: Die nächste RB 67 endet in Rheda-Wiedenbrück. Die Alternative führt über Hamm, ohne Halt in Ahlen und Heessen. Dort werden die Bahnsteige umgebaut für den Rhein-Ruhr-Express , der ab 2018 rollen soll.

Gesetzliche Vorgabe aus dem Jahr 2008

Mit dem Westfalen-Tarif erfüllt der NWL eine gesetzliche Vorgabe aus dem Jahr 2008. Damals war das ÖPNV-Gesetz mit dem Ziel novelliert worden, die Organisation des Schienenpersonen-Nahverkehrs auch tariflich auf die drei Räume der Zweckverbände NWL, Rheinland und Rhein-Ruhr anstelle der neun vorherigen zu konzentrieren. Am Ende wird es auf einen Tarif für NRW hinauslaufen, glaubt Beele. Bis das so weit ist, werden noch viele Züge über die Schienen in NRW gerollt sein.

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