Sommerserie Wandern: Gronau
Durchs Amtsvenn und zurück

Gronau -

Wer in Gronau und Epe Fernsicht erleben möchte, muss schon auf ein hohes Gebäude wie einen Kirchturm oder den Wasserturm klimmen. Die Landschaft ist nun mal ziemlich platt. Was den Vorteil hat, dass man beim Wandern durch die Landschaft kaum einen Höhenmeter zu bewältigen hat. Wandern ohne Schnaufen verspricht also auch eine Tour auf der Amstvennroute.

Dienstag, 25.07.2017, 12:00 Uhr
Sumpfig und nass sind Teile des Amtsvenns.
Sumpfig und nass sind Teile des Amtsvenns. Foto: Martin Borck

Der Start des fünfeinhalb Kilometer langen Rundwegs vom Wanderparkplatz an der B 70 ist zugegebenermaßen nicht der Knaller: Es geht zunächst über Asphalt in Richtung Westen, bevor einen von einer Weide ein paar Rinder – darunter ein paar importierte Galloways – interessiert anglotzen. Rechts geht es bis zum Moorweg. Der führt genau bis zur Grenze zu den Niederlanden. Einige große Grenzsteine markieren in regelmäßigen Abständen Deutschlands Ende.

Auf der Karte wird es deutlich: Die Wanderroute führt etwa jeweils zur Hälfte über deutsches und niederländisches Gebiet.

Auf der Karte wird es deutlich: Die Wanderroute führt etwa jeweils zur Hälfte über deutsches und niederländisches Gebiet.

Rechts taucht ein Bauernhof auf. Dahinter führt links ein roter Weg über die Grenze – und schon ist man in Twente. Ganz in der Nähe befindet sich ein grenzüberschreitendes Kunstwerk: ein Stern, der auf niederländischer Seite jenseits der B 54 gelandet zu sein scheint und eine Spur über die Straße auf eine Wiese auf Gronauer Gebiet gezogen hat. Um den Stern zu sehen, muss man anstatt nach links über die Grenze nur ein paar Meter nach rechts laufen.

Steine markieren den Grenzverlauf.

Steine markieren den Grenzverlauf. Foto: Martin Borck

Jenseits der Grenze führt die Wanderung teils durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete und an einigen für die Region Twente typischen Häusern entlang. Ein paar Hundert Meter weiter (zweimal links und einmal rechts abgebogen) folgt der schönste Teil der Route. Es geht über eine Furt, an einem Kluundel vorbei (s. Infokasten). Kurz darauf geben die Bäume den Blick frei auf eine weite Fläche. Dort kommt das richtige Venn-Feeling auf. Ein Stück weiter geht es zurück über die Grenze auf deutsches Gebiet.

Torfabbau

Torf wurde bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts im Amtsvenn abgebaut. Der Prozess des Torfstechens und anschließenden Trocknens war mühselig und langwierig. Um das Wasser aus dem nassen Torfmatsch zu pressen, wurden die sogenannten Kluundellen angelegt: mit Findlingen in schönen Mustern gepflasterte Plätze. In die Mitte kam ein Pflock, an dem ein Ochse oder Pferd angebunden wurde. Unter den Hufen hatten die Tiere Holzbretter, mit denen sie die Nässe aus dem Torf pressten. Der schließlich getrocknete Torf wurde unter anderem als Brennstoff genutzt.

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Der Kluundel ’t Zeggelt.

Der Kluundel ’t Zeggelt. Foto: Martin Borck

Rechts ab – und man befindet sich wieder auf dem Grenzweg, auf dem früher Zöllner patrouillierten. Der Weg biegt nach 400 Metern links ab (auf Schilder achten!). Kurz nach dieser Stelle befindet sich ein Tümpel mit einer Beobachtungsstation. Zahlreiche Wasservögel paddeln gern über das ruhige Wasser – vor allen zu den ruhigen Tageszeiten.

Schmuggler, Zöllner und rote Lappen

Die Route verläuft teilweise auf dem „Kommiesenpatt“. Direkt an der Grenze legten sich die Zöllner auf die Lauer – auf der Jagd nach Schmugglern. Doch die kannten die Wege durchs Moor wie ihre Westentasche und schafften es immer wieder, die Grenzhüter hinters Licht zu führen. Sie benutzten Holzschuhe, deren Abdrücke in die entgegengesetzte Richtung wiesen, und Bötchen, die Schmuggelware über Grenzgewässer transportierten. Auch Bauern mit grenznahen Höfen halfen den Schmugglern offenbar: Wenn Grenzhüter in der Nähe waren, hängten sie einen roten Lappen aus dem Fenster.

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Noch ein Stück weiter geht es rechts ab. Der Weg führt durch mannshohes Farn über matschigen Boden und an sumpfigen Stellen und verrottenden Bäumen vorbei. Ist dieser Bereich passiert, geht es links ab über einen Feldweg wieder bis zum Heideweg. An dieser Stelle wurde übrigens kürzlich ein von Menschenhand bearbeiteter Feuerstein gefunden – wahrscheinlich 10 000 bis 12 000 Jahre alt.

Links abgebogen, gelangt man wieder zum Birkhahnweg, über den der Ausgangspunkt erreicht wird.

Wo – wie – was?

Der Wanderparkplatz der Amtsvennroute liegt rund 400 Meter südlich der B 54-Ausfahrt Gronau-West. Von den Bahnhöfen Gronau und Epe ist er mit Fahrrädern gut zu erreichen (jeweils ca. vier Kilometer). Die Strecke ist etwa fünfeinhalb Kilometer lang. Steigungen gibt es nicht. Der Weg ist allerdings uneben und streckenweise matschig. Es ist daher ratsam, gutes Schuhwerk zu tragen.

Direkt an der Route gibt es keine Einkehrmöglichkeiten; etwa zwei Kilometer südlich des Parkplatzes lädt der Heidehof zu Kaffee, Kuchen und Mahlzeiten ein. Die Geschichte des Restaurants ist eng mit dem Torfabbau verbunden: Ursprünglich war an dieser Stelle eine Kantine für Torfstecher.

Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann seine Venntour bis zur Haarmühle in Alstätte verlängern (zirka zwölf Kilometer). Sie ist anhand des niederländischen Fahrrad-Knotennetzwerks gut zu finden. Der Knotenpunkt 91 liegt auf deutscher Seite an der B 70 in der Nähe des Wanderparkplatzes, der Knotenpunkt 10 am Glanerbeekweg direkt an der Amtsvennroute.

In Gronau lädt das Rock’n’Popmuseum zu einem Besuch ein. Auf niederländischer Seite lockt Enschede mit dem Wochenmarkt (Di. u. Sa.).

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Zweisprachige Informationstafeln bieten Wissenswertes über die Entstehung und die Nutzung des Venns. Etwa 6000 Jahre brauchte die Natur, um die sechs Meter tiefen Torfschichten aufzubauen.

Vor allem Kiebitze, Uferschnepfen und Brachvögel lassen sich in dem Naturschutzgebiet beobachten, ebenso Schwarzkehlchen und Baumfalken, zu deren Nahrung die reichlich vorhandenen Libellen gehört. Gänse machen auf ihren Reisen gerne Station in der wassereichen Umgebung. Wer Glück (oder auch Pech) hat, trifft auf Schlangen wie die Kreuzotter.

Der fleischfressende Sonnentau dagegen ist nur Insekten gefährlich. Sie werden vom Duft der Blüten angezogen und bleiben an den klebrigen Blättern hängen, die sich schließen, sobald sich ein Insekt auf ihnen niedergelassen hat.

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