Sein letzter Marathon
Steffen Auerswald will trotz ALS noch einmal 42 Kilometer durch Münster

Warendorf -

Steffen Auerswald war leidenschaftlicher Läufer, lief über 30 Marathons und legte fabelhafte Zeiten auf den Asphalt. Zu Beginn des Jahres erhielt er die Diagnose Amyothrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Inzwischen sitzt er im Rollstuhl. Trotzdem möchte er noch einmal beim ­Marathon in Münster starten.

Freitag, 11.08.2017, 06:08 Uhr

Steffen Auerswald sitzt seit Kurzem im Rollstuhl. Er ist an ALS erkrankt. Trotzdem möchte er noch einmal am Münster-Marathon teilnehmen. Unter anderem Julian Tatje, Trainer beim Lauftreff der Warendorfer SU, unterstützt ihn dabei.
Steffen Auerswald sitzt seit Kurzem im Rollstuhl. Er ist an ALS erkrankt. Trotzdem möchte er noch einmal am Münster-Marathon teilnehmen. Unter anderem Julian Tatje, Trainer beim Lauftreff der Warendorfer SU, unterstützt ihn dabei. Foto: Jonas Wiening

Steffen Auerswald ist ein Quereinsteiger. Erst 2005 packte den heute 49-Jährigen die Lauf-Leidenschaft – und ließ ihn nicht mehr los. Schon im Jahr drauf ging er in Münster über die 42 Kilometer an den Start. Mit einer Zeit von 3:42 Stunden lieferte er, für einen Hobby-Sportler, eine gute Zeit ab. Bereits wenige Monate später verbesserte er die Zeit deutlich: In Steinfurt war er eine halbe Stunde schneller.

Steffen Auerswald trainierte seitdem sieben Mal in der Woche. Mit der Zeit ist er über 30 Marathons gelaufen. Er ging unter anderem in Rom, Athen und Hamburg an den Start. 2013 in Berlin lief er seine persönlich Bestzeit: 2:42 Stunden – und das im Alter von 44 Jahren. Sogar zwei Siege kann er vorweisen: Er gewann auf Föhr und in Herten-Bertlich.

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Foto: Jonas Wiening

Die Diagnose: ALS

Ende des vergangenen Jahres musste er in Palma de Mallorca zum ersten Mal ein Rennen abbrechen. „Die Kraft fehlte einfach.“ Kurze Zeit später stellte er auch zu Hause immer öfter fest, dass ihm die Kraft ausging, ihm stockte der Atem und ihn überkamen Zuckungen. „Als ich nicht mehr auf Zehenspitzen stehen konnte, schickte mich mein Orthopäde zum Neurologen. Ich war dann mehrere Tage in einer Klinik.“

Am 21. Januar, an den Tag erinnert er sich genau zurück, erhielt er die Diagnose: Amyothrophe Lateralsklerose, kurz ALS.

Die unheilbare Krankheit betrifft das Nervensystem und führt zu Lähmungen. Anders als bei Multipler Sklerose kommt ALS nicht schubweise, sondern ent­wickelt sich kontinuierlich. Der Verlauf von ALS ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. „Man sagt, nach der Diagnose überleben die Menschen im Durchschnitt noch drei bis fünf Jahre. Bei mir verläuft die Krankheit aber sehr schnell. Ich sitze ja schon jetzt im Rollstuhl.“

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Mehr Aufmerksamkeit für ALS

Der Warendorfer hat sich viel mit der Krankheit aus­einandergesetzt. „Da die Krankheit recht selten ist, wird sie kaum erforscht – und es werden keine Medikamente entwickelt. Es lohnt sich für die Pharmaunternehmen einfach nicht.“

Auch aus diesem Grund möchte Steffen Auerswald mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit, die auch durch den weltweiten Trend der „Ice Bucket Challenge“ Bekanntheit erlangte. Damals schütteten sich Menschen Eiswasser über den Kopf und sammelten Spenden für die ALS-Forschung.

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Einen letzten Marathon

Steffen Auerswald kann seiner Leidenschaft, dem Laufen, nicht mehr nach­gehen. Trotzdem möchte er noch einmal einen Marathon mitmachen. In Münster – zum elften Mal in Folge.

Freunde vom Lauftreff der Warendorfer SU haben sich bereiterklärt, ihn in einem Spezialrollstuhl die Strecke über 42 Kilometer zu schieben. Und auch Steffen Auerswalds Frau Kerstin und die beiden Töchter Victoria (19) und Franziska (18) wollen ihn dabei unterstützen.

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Rückblick: Ergebnisse der Vorjahre

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„Ich will so viel wie möglich von der Atmosphäre mitbekommen und mir zum ersten Mal auch in Ruhe die Strecke angucken“, erklärt der ehemalige Zimmermann, der am 2. September beim großen Emsseelauf in Warendorf eine General­probe im geliehenen Spezial-Rollstuhl absolvieren möchte. Mit T-Shirts mit der Aufschrift „A(lle) L(aufen) (für) S(teffen)“ möchte er bei beiden Rennen auf die Krankheit aufmerksam machen. Aber egal, wie es dann mit seinem Gesundheitszustand aussieht: „Das in Münster wird mein letzter Marathon sein.“

Zum Thema

Für die Miete des Rollstuhls, Startgebühren für Helfer, T-Shirts und weitere Kosten hat Steffen ­Auerswald ein PayPal-Konto eingerichtet. Wer spenden möchte kann dies auf https://paypal.me/stopals machen. Bleibt Geld übrig, wird es für die ALS-Forschung gespendet.

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