Einsatzfahrt im Schritttempo
Fehlende Rettungsgassen bereiten große Probleme

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Die Sache scheint einfach zu sein, und doch gibt es regelmäßig große Probleme mit der Rettungsgasse: Schlagzeilen über Einsatzfahrzeuge, die nicht schnell genug zur Unfallstelle kommen, und Rettungskräfte, die das letzte Stück zu Fuß laufen müssen, kommen im Wochenrhythmus. Jetzt machen die Einsatzkräfte mobil.

Montag, 14.08.2017, 17:25 Uhr aktualisiert: 14.08.2017, 17:43 Uhr
Einsatzfahrt im Schritttempo : Fehlende Rettungsgassen bereiten große Probleme
Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)

Toi, toi, toi! Die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehr Senden sind bisher noch immer durch­gekommen. „Aber oft nur im Schritttempo“, sagt Gebhard Temme – und das reicht schon, um sich zu ärgern: Im Notfall zählt eben jede Sekunde, im Extremfall kämpft ein Unfallopfer gerade, eingeklemmt im eigenen Auto, um sein Leben, während die Rettungskräfte mit ignoranten Autofahrern im Stau diskutieren.

Dabei ist die Sache klar und einfach: Wenn ein Stau entsteht, müssen Autofahrer eine Rettungsgasse bilden – bei zwei Fahrspuren in der Mitte, bei drei Fahrspuren zwischen dem mittleren und dem linken Fahrstreifen. Platz ist genügend vorhanden: Die Fahrspuren auf deutschen Autobahnen sind 3,75 Meter breit. Wenn zwei Pkw nach links und rechts ausweichen, bleiben also ­ locker über drei Meter Platz in der Mitte, ohne dass sie über die Linie fahren mussten.

Infos auf dem Autohof: Martina Habeck, Gebhard Temme, Christian Pfeiffer, Stefan Tork und Christoph Becker (von links) erläutern die Rettungsgasse.

Infos auf dem Autohof: Martina Habeck, Gebhard Temme, Christian Pfeiffer, Stefan Tork und Christoph Becker (von links) erläutern die Rettungsgasse. Foto: Gunnar A. Pier

Es lief noch nie rund

„Das war schon immer ein Thema, das lief noch nie rund“, erinnert sich Martina Habeck von der Autobahnpolizei an ihre ersten Berufsjahre Ende der 90er zurück. Trotz Aufklärungskampagnen und neuen Paragrafen bleibt‘s dabei, dass viele Autofahrer erst dann Platz machen, wenn sie im Rückspiegel Blaulicht sehen. „Das ist zu spät“, erklärt Feuerwehrmann Christian Pfeiffer. Denn genau das führt zur Einsatzfahrt im Schritttempo.

"Typisch deutsch"

Unerklärlich ist Polizei und Feuerwehr ein anderes alltägliches Phänomen: So manche bereits gebildete Rettungsgasse wird wieder zugefahren, wenn das erste Einsatzfahrzeug durch ist. Kommt dann noch ein ­Rettungswagen oder der ­Abschleppwagen, geht der Kampf von vorne los. „Das ist typisch deutsch“, wettert Verkehrssicherheitsberater Christoph Becker. Jeder wolle als Erster weiter.

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Die Spielregeln: Ein Stau setzt nicht automatisch Verkehrsregeln außer Kraft. Autofahrer und Motorradfahrer sollten einiges beachten, sonst drohen Bußgeld und Punkte. Die Spielregeln bei Autobahnstaus .

Rettungskräfte laufen: Dramatische Szenen auf der Autobahn 1 bei Lotte: Nachdem dort ein Tanklaster umgekippt war, mussten Rettungskräfte teilweise zur Unfallstelle laufen - weil Lkw-Fahrer keine Rettungsgasse gebildet und sich schlafen gelegt hatten .

Autofahrer-Pflicht: Um die Rettungskräfte nach einem Unfall nicht zu behindern, müssen Autofahrer auf Autobahnen rechtzeitig eine Rettungsgasse bilden. Dazu sind sie laut Straßenverkehrsordnung verpflichtet (Paragraf 11 Absatz 2 StVO).

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Appell an die Autofahrer

Weil im Einsatzfall wenig Zeit bleibt für Diskussionen oder gar 20-Euro-Ver­warnungen, appellieren die Einsatzkräfte an die Vernunft und Aufmerksamkeit aller Autofahrer. Die Ret­tungs­gasse haben sie deshalb zu einem Thema ihrer drei­wöchigen Schwerpunkt­aktion auf der A43 gemacht.

Kommentar: Mehr als ärgerlich!

Jeder Stau nervt. Und viele Autofahrer nehmen den Stillstand nicht einfach gelassen hin. Von Spur zu Spur springen, dicht auffahren, um wenigstens noch ein paar Meter zu schaffen, mal eben zur Mitte rollen und einen Blick nach vorn riskieren: Das sind typische Verhaltensmuster, die immer wieder zu entdecken sind.

Eines ist allen Aktionen gemein: Sie bringen den Fahrer nicht näher an sein Ziel und verkürzen den Stau nicht.

Im Gegenteil. Autofahrer, die aus lauter Ungeduld über die Fahrbahnen springen und keine geordnete Rettungsgasse lassen, behindern die Einsatzkräfte ernsthaft und stehen unter dem Strich auch der Räumung der Stauursache im Weg.

Was bis dahin noch eine vergleichsweise lässliche Sünde ist, wird zu einem Drama, wenn ein ernster Unfall für den Stau gesorgt hat und an der Unfallstelle Verletzte auf dringend nötige Hilfe warten. Dann macht es einen echten Unterschied, ob der Notarzt zügig zu seinen Patienten kommt, dann ist die nicht gebildete Rettungsgasse nicht mehr nur ärgerlich, sondern lebensbedrohend.

Das will kein Autofahrer bewusst provozieren. Es ist schlicht Unachtsamkeit. Mit ein bisschen mehr Disziplin und Verantwortungsgefühl wäre das Problem schon gelöst. Und jeder Verkehrsteilnehmer dankt es allen anderen spätestens dann, wenn er selbst auf die medizinische Hilfe wartet.

Uwe Gebauer

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