Filmtheater in Steinfurt
Kleines Kino besteht gegen Film-Paläste

Steinfurt -

Ein Happy End hat niemand erwartet, als Stefanie und Tobias Hamer eine neue Episode ihres Lebens begannen. Außer den beiden selbst. Vor knapp vier Jahren übernahm das Ehepaar das kleine Kino in Steinfurt-Burgsteinfurt. Zwei Säle, zusammen 171 Sitzplätze – eine kleine Klitsche im Vergleich zu den Hightech-Kinopalästen, die in den Metropolen strahlen. Doch von Tragikkomödie keine Spur: Der Laden läuft, sie wollen erweitern. Eine filmreife Story über Kleine, die keine Angst vor den ­Großen haben.

Freitag, 25.08.2017, 14:08 Uhr

Im eigenen Kino: Stefanie und Tobias Hamer (hier mit Sohn Mats) sind in Steinfurt-Burgsteinfurt erfolgreich.
Im eigenen Kino: Stefanie und Tobias Hamer (hier mit Sohn Mats) sind in Steinfurt-Burgsteinfurt erfolgreich. Foto: Gunnar A. Pier

Stefanie und Tobias Hamer sind so richtige Kino-Kinder. In ihrer Heimat Quickborn bei Hamburg gingen sie ­leidenschaftlich gerne als Besucher ins Kino, später arbeiteten sie dort. „Wir ­haben gelebt fürs ­Kino“, erinnert sich ­Stefanie. Tagsüber haben sie die Deko gestaltet, abends Filmrollen eingelegt. „Da haben wir gelernt, wie Kino für uns sein muss.“ Lieber heimelig, familiär, persönlich, freundlich.

Also beschlossen sie, einen neuen Lebens-Handlungsstrang zu beginnen. Sie machten sich auf die Suche und stießen auf das Kino in Burgsteinfurt, für das ein neuer Betreiber gesucht wurde. „Das gefiel uns direkt.“ Sofort kamen ihnen Ideen, wie sie es etwas umgestalten könnten, was draus zu machen ist. „Wir haben direkt daran geglaubt.“

Blockbuster und Familienfilme

Am 1. November 2013 startete „Thor“, der erste Film im neuen Burgsteinfurter ­Kino. Seither laufen in den beiden Sälen die neuen Blockbuster, aber auch viele Filme für Familien und Kinder. „Die Menschen hier ­haben uns gut angenommen“, finden die Hamers.

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Deshalb schreiben sie eine Erfolgsgeschichte. Ihr Publikum sehen sie vornehmlich bei Familien und jungen Besuchern und wiederum bei etwas gesetzteren Zuschauern, die die Nähe und die freundliche Atmosphäre schätzen. „Dazwischen, so ab 18, fahren die lieber nach Münster.“ Was die Steinfurter Kinobetreiber übrigens keineswegs wurmt: „Hauptsache Kino“, sagt Tobias ­Hamer mit dem Brustton der Überzeugung. „Wir sind doch alle Kino-Leute, eine große Familie. Wir helfen uns gegenseitig.“

Vorgaben der Filmverleiher

Dabei haben es die Kleinen oft schwerer als die Großen. Einer der Gründe: die Vorgaben der Filmverleiher. Wer die Top-Filme ins ­Programm nehmen möchte, muss sich oft verpflichten, sie auch zu Zeiten zu zeigen, in denen sie weniger Publikum ziehen. Ein Kino mit zehn oder mehr Sälen verkrafte das eher als eine Kurbelkiste mit zwei Sälen, die es mehr schmerzt, wenn sie einen Saal mit einem Film blockiert, obwohl ein an­derer erfolgreicher wäre.

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Etwa die Hälfte des Eintritts bekommt der Film­verleih, der Rest geht drauf für Gema, Personal, Technik-Kosten. Tobias und Stefanie Hamer sagen das, ohne zu jammern – aber erklären so auch, warum mitgebrachte Getränke und Speisen nicht erlaubt sind. „Von dem Verkauf leben wir.“

Neue Pläne für das Kino

Aber zum Klagen gibt es offenbar in Steinfurt eh kaum Gründe. Im Gegenteil: „Das läuft alles besser als geplant.“ So ist die erste Modernisierung bereits gelaufen. Hamers schmieden neue Pläne. Sie wollen im jetzigen Foyer einen dritten Kinosaal einrichten, das Foyer richten sie in einer bisherigen Pizzeria im Nachbargebäude ein.

Die Begeisterung fürs Kino und für Filme ist übrigens bei all der Arbeit geblieben. Als Zuschauer – und als Anbieter. Tobias Hamer: „Es ist immer noch schön zu sehen, was ein guter Film mit den Leuten macht.“

Fortsetzung folgt.

Kinos im Münsterland

Man glaubt es kaum: Jenseits der Riesen-Filmpaläste hat sich im Münsterland eine kleine Kino-Landschaft erhalten. Doch viele Gemeinden müssen auch ohne auskommen. Beispiele:

Coesfeld hat ein Kino namens „Cinema“ mit Blockbustern und Kinderfilmen. Auch das „Kommunale Kino“ zeigt dort kleinere, anspruchsvollere Filme auf der großen Leinwand.

Dülmen: Das „Cinema“ mit sechs Sälen zeigt seit 2001 die Blockbuster und Bundesstarts. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule gibt es die Reihe „Kino Extra“ mit besonders wertvollen Filmen, zudem werden Reihen für Kinder angeboten. Firmen und Vereine können Säle mieten.

►In Gronau gibt es das Cinetech mit zehn Sälen. Cinetech-Kinos gibt es auch in Ahaus (12 Säle), Rheine (9), Emsdetten (4) und Vreden (2). Das Programm bedient den Mainstream, vor allem Action und Horror laufen in Gronau gut. Das Kino hat ein großzügiges Foyer, das schon mal für Konzerte beim Jazzfest oder als Veranstaltungsraum für Poetry-Slams genutzt wird.

Lüdinghausen: Seit 2008 müssen die Lüdinghauser für einen Kino-Besuch in andere Städte ausweichen. Damals schloss das Kino in der Steverstadt. 2019 soll es ein neues Lichtspielhaus geben.

Münster: Das Cineplex am Hafen ist ein riesiger Publikumsmagnet. Kleinere Häuser wie Schloss­theater und das Cinema bedienen das anspruchsvollere Publikum.

Warendorf hat seit 65 Jahren das „Scala & Studio“. Seit ein paar Jahren glänzt es mit digitaler Technik und vielen Filmen schon zum Bundesstart.

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