Regierungspräsident
Reinhard Klenke geht in den Ruhestand

Münster -

Der größte Reiz im Job? „Für viele Dinge zuständig zu sein“. Der größte Reiz am Ruhestand: „Zeit für die Dinge zu haben, die im Job zu kurz gekommen sind.“ Der das sagt ist Prof. Reinhard Klenke, 66, bis Ende des Monats noch Regierungspräsident in Münster, danach Pensionär. Beides, sagt er, habe seine guten Seiten.

Sonntag, 27.08.2017, 14:08 Uhr

Sechs Jahre lang war Reinhard Klenke in Münster Regierungspräsident. „Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht“, sagt er.
Sechs Jahre lang war Reinhard Klenke in Münster Regierungspräsident. „Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht“, sagt er. Foto: Gunnar A. Pier

Seit 2011 ist der Gelsenkirchener Klenke RP. Als damals ein Nachfolger für Dr. Peter Paziorek gesucht wurde, schossen viele Namen ins Kraut. Den des im NRW-Justizministerium arbeitenden Juristen hatte niemand auf dem Zettel. Seit sechs Jahren leitete er nun die Behörde. „Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht“, sagt er. Das Besondere des Amtes: Die Vielfalt der Aufgaben, wie gesagt. „Und dass man viel mit vielen Menschen zu tun hat.“ Er sei oft und gerne in die Münsterland- und Emscher-Lippe-Gemeinden gefahren, „um zu sehen und zu erfahren, was dort passiert“.

2015/16 war die größte Herausforderung für seine Behörde. Die Flüchtlingskrise brach sich Bahn, Hunderte, Tausende Menschen kamen. Auch ins Münsterland. Sie mussten teilweise ad hoc untergebracht werden. Dafür war am Ende die Bezirksregierung zuständig. Ihr gelang im Schulterschluss mit den Gemeinden und zahllosen Helfern ein kleines Wunder: Niemand war obdachlos. „So etwas können sie nicht verordnen“, sagt Klenke. Das funktioniere nur, wenn alle mit anpackten. Dass das geschah und klappte, dafür ist er auch ein Stück dankbar.

Schulpolitik, ein zweites, großes Thema. In die Amtszeit des 66-Jährigen fielen die großen Umgestaltungen. Hauptschulen wurden aufgelöst, Realschulen gingen in Sekundarschulen auf. Gesamtschulen schossen aus dem Boden, Förderschulen verschwanden. Apropos Förderschulen: „Inklusion ist eine gute Sache“, sagt Klenke. Die in der Schule aber mit Augenmaß umgesetzt werden müsse. Gerne und oft habe er darum das Gespräch mit dem Lehrpersonal gesucht – so wie überhaupt seine Tür immer offen gestanden habe.

Von jedem Mitarbeiter verabschieden

Viel Licht, was ist mit Schatten? Anders gefragt: Was hätte besser laufen können im Regierungsbezirk? Die Kooperation zwischen den westfälischen Teilregionen, sagt er da. Rund 1,6 Millionen Menschen leben im Münsterland, das sei nicht mal ein Zehntel der NRW-Bevölkerung. „Da brauchen sie immer Verbündete.“ Vollmundige Ansätze gab es einige. Leider blieb es dabei. Ansonsten wichtig für ländliche Räume: Breitband, Mobilität, ein gutes Schulangebot und die ärztliche Versorgung. „Bei der ärztlichen Versorgung halten wir aber nicht viele Karten in der Hand“, sagt Klenke.

Licht und Schatten auch beim Blick auf das Sorgenkind Emscher-Lippe-Raum, dem kleineren Teil des Bezirks. Die Region habe durchaus Stärken, sagt Klenke, der selbst dort wohnt. Viel Kultur, gute Naherholung, bezahlbares Wohnen. Doch auch wenn sich dank des Stärkungspaktes die Finanzlage etlicher Kommunen verbessert habe: Gut geht es der Region noch lange nicht.

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Am 31. August übernimmt die bisherige Vize-Präsidentin Dorothee Feller die Amtsgeschäfte. Und danach? Er habe, sagt Klenke, wenige Dinge im Leben zurückgestellt. Seine Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Uni gehöre dazu, die habe in den vergangenen sechs Jahren geruht – die will er wieder aufnehmen. Alles andere lässt er auf sich zukommen. „Vielleicht engagiere ich mich in der Kirche“, sagt er.

Drei Tage ist er noch im Amt. Er habe sich vorgenommen, bis zum letzten Tag zu arbeiten, sagt Klenke. Und sich soweit möglich von jedem Mitarbeiter zu verabschieden. Für ihn hat auch das etwas mit Respekt zu tun.

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