Zukunft der Provinzial Nord-West
Auf Brautschau

Düsseldorf/Münster -

Der Versicherer Provinzial Nord-West in Münster kommt nicht zur Ruhe. Auch die neue Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Liane Bucholz, bemüht sich um eine tragfähige Lösung für das Unternehmen.

Dienstag, 29.08.2017, 14:08 Uhr

Liane Buchholz 
Liane Buchholz  Foto: Gunnar A. Pier

„Hübsche Töchter für den Bräutigam Provinzial gibt es im Sparkassen-Verbund einige.“ Nach 150 Tagen im Amt hat sich die neue Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe (SVWL) in Münster, Prof. Dr. Liane Buchholz , auf die Suche nach einem Partner für den Versicherer Provinzial Nord-West begeben.

„Ich führe Gespräche“, hieß es bei der Präsentation der Halbjahresbilanz des SVWL in Düsseldorf lapidar. Klar scheint bisher nur eines zu sein: „In naher Zukunft gibt es keine neuen Gespräche mit der Provinzial im Rheinland“, legte sich Buchholz fest. Langfristiges Ziel ist für sie aber eine bundesweite Lösung für die Spezialunternehmen: ein Versicherer und eine einzige Bausparkasse im gesamten Sparkassen-Verbund.

Während Buchholz eine dauerhafte Perspektive für die Töchter des öffentlichen-rechtlichen Bankensektors sucht, haben sich die Sparkassen in Westfalen-Lippe trotz des Zinstiefs im ersten Halbjahr 2017 tapfer geschlagen: Vor allem das Geschäft mit Unternehmenskrediten brummte. Verbandsvizepräsident Jürgen Wannhoff bezifferte den Zuwachs im Kreditneugeschäft mit Firmen auf 7,4 Prozent. Im Regierungsbezirk Münster lag das Plus sogar bei knapp zehn Prozent. Das Einlagengeschäft der 64 westfälischen Sparkassen wuchs bis zur Jahresmitte lediglich um 0,2 Prozent auf 94,1 Milliarden € . Das Zinstief wird am für 2017 prognostizierten Jahresergebnis spürbar: Das Minus von 30 Mio. €  ist von einem deutlichen Rückgang des Zinsüberschusses um rund 100 Millionen €  verursacht, der auch durch den Anstieg des Provisionsüberschusses um rund 30 Millionen €  nicht ausgeglichen werden konnte.

Obwohl die Zahl der Sparkassen in Westfalen nach Einschätzung Wannhoffs in den kommenden Jahren nur noch leicht sinken wird, erwartet er bis 2021 eine Halbierung der Filialzahl. Die Zielrichtung der künftigen Arbeit in den Filialen sei klar, so Wannhoff: „Mehr Beratung und weniger Service.“

Die wirtschaftliche Lage der Sparkassen werde, so Sparkassenpräsidentin Buchholz, immer noch vom viel zu hohen regulatorischen Aufwand belastet. Sie appellierte an die nationalen Behörden „Regulatorik mit Augenmaß“ durchzusetzen. Buchholz kritisierte den hohen bürokratischen Aufwand für den Verbraucherschutz: „Manche Kunden verzichten auf Wertpapiergeschäfte, weil der dabei auszufüllende Beratungsbogen zu kompliziert und zu umfangreich ist.“

Die Kunden der westfälischen Sparkassen haben ihr Geldvermögen in den ersten sechs Monaten des Jahres auf ein neues Rekordniveau geschraubt: Mehr als 1,3 Milliarden €  wurden neu auf Sparkonten, in Wertpapieren, Bausparverträgen und Lebensversicherungen angelegt – ein Anstieg um über 31 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2016. Besonders stark gefragt waren Wertpapiere. Wannhoff freute sich über diese Entwicklung: „Vermögensaufbau in Niedrigzinszeiten kann nur gelingen, wenn man Wertpapiere in den Anlagemix einbezieht.“

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