"Buddelverein": Bauern und Breitband
"Buddel"-Offensive: Landwirte ergreifen selbst Initiative für schnelles Internet

Kreis Coesfeld -

Große Schlepper wühlen sich durch nassen Boden und ziehen eine kleine Furche. Dreck spritzt. In der Nottulner Bauerschaft Hövel arbeiten Landwirte gemeinsam an der Zukunft. Schnelles Internet ist auch auf dem platten Land wichtig; leider kommt der Netzausbau dort zumeist nur sehr langsam voran.

Dienstag, 19.09.2017, 06:09 Uhr

Zwei Schlepper ziehen den Vibrationspflug, am Frontlader des dritten hängen die auf Kabeltrommeln gewickelten Leerrohre.
Zwei Schlepper ziehen den Vibrationspflug, am Frontlader des dritten hängen die auf Kabeltrommeln gewickelten Leerrohre. Foto: Wilfried Gerharz

Selbst ist der Mann, sagen sich darum im Kreis Coesfeld immer mehr Landwirte. Unterstützt von Kreisverwaltung, Kommunen und Wirtschaftsförderung gründen die Nachbarn sogenannte Buddelvereine und verlegen die Leerrohre fürs Glasfaserkabel selber. In Ascheberg-Osterbauer nahm das Ganze seinen Anfang – inzwischen macht es kreisweit Schule.

Hand-in-Hand-Projekt

Jochen Wilms ist Breitbandkoordinator im Kreis – und ein großer Fan des Hand-in-Hand-Projekts. Dort, wo viele Menschen leben, ist es für die Netzanbieter ein Leichtes, Glasfaserkabel zu installieren. „Jenseits der Städte und größeren Gemeinden schauen die Menschen allerdings oft in die Röhre“, sagt Wilms. Die Digitalisierung macht nun aber keinen Bogen um Bauernhöfe, im Gegenteil: Die Wirtschaft 4.0 wird auch für Landwirte immer mehr Alltag und Notwendigkeit. Also werden die Landwirte aktiv.

Die Buddelverein-Philosophie ist einfach. Wenn 70 Prozent aller Bewohner ei­ner Bauerschaft mitmachen, kann das Projekt starten. 60 Haushalte haben sich als praktikable Größe erwiesen. Sind diese Vorgaben erfüllt, geht’s los. Zumeist entlang der Straßen, immer auf dem Ackerrand, spannen die Bau­ern einen, wenn nötig auch zwei Trecker vor den Vibrationspflug und geben Gas.

Knapp sechs Zentimeter breit ist der Spalt, in den die orangen Endlos-Röhrchen 80 Zentimeter tief versenkt werden. Das geht ziemlich zügig. „Bis zu 14 Kilometer pro Tag sind machbar“, sagt Wilms. Inklusive Anbindung der Höfe. Da die Vereine erfolgreich sind, finden sie immer mehr Nachahmer. In Senden, Ascheberg, Rosendahl, Dülmen und Nordkirchen kam so das schnelle Internet in die Bauerschaften. In Lüdinghausen, Dülmen, Coesfeld und Senden verlegen Landwirte gerade die Leerrohre. In Billerbecker und Nottulner Bauerschaften steht das demnächst an.

Die Coesfelder sind am weitesten

Bei der Breitbandversorgung in den ländlichen Teilen ist kein Münsterland-Kreis so weit wie der Coesfelder. Sagt jedenfalls Wilms. Weil die anderen „intensiv“ auf die öffentliche Ausbau-Förderung setzten. „Von den dabei in Aussicht stehenden Milliarden ist aber noch kein Euro beim Kunden angekommen.“ Nur in Ostbevern und Drensteinfurt (beide Kreis Warendorf) sowie in Gescher (Kreis Borken) gebe es ähnliche Vereine.

Immerhin knapp 2500 Eu­ro legt ein Buddelverein-Landwirt für die Anbindung an die Datenautobahn auf den Tisch. Für Einzelkämpfer ist das Ganze ungleich teurer. „Bis zu 15 000 Euro kann ein Anschluss in so ei­ nem Fall kosten“, sagt Wilms.

Von der ersten Idee bis zum ersten Klick dauert es maximal ein Jahr. Die Landwirte legen das Leerrohr, der Netzanbieter sorgt fürs Glasfaserkabel, Kreis und Kommunen besorgen den Support. „1500 von kreisweit 8000 Hofstellen haben auf diese Weise einen Breitbandanschluss bekommen“, erklärt Wilms. 2500 weitere befinden sich in der Erschließung. 450 Kilometer Kabel wurden dafür verlegt, 1600 Kilometer sollen es am Ende werden.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5162651?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Partei verwirrt Wähler mit Namen von Nazis
Partei-Chef Martin Sonneborn
Nachrichten-Ticker