LWL-Chef baut Druck auf
Teilregionen sollen endlich mehr kooperieren

Münster -

März 2016, die drei westfälischen Regionalräte blasen zum Sturm. Das Land hatte die Metropolregionen Rheinland und Ruhrgebiet aus der Taufe gehoben; die Westfalen fühlten sich zurückgesetzt. 

Dienstag, 19.09.2017, 19:20 Uhr

 
 

Der Ruf nach mehr Beachtung gipfelt in einer Konferenz beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster. Großes Getöse, flammende Appelle und ein Satz wie ein Musketierschwur: Künftig ar­bei­ten die Westfalen intensiver zusammen. Schade nur, dass am En­de nichts daraus wurde. Der Tiger landete als Bettvorleger, die Landesregierung lachte sich ins Fäustchen.

So weit, so schlecht. LWL-Chef Matthias Löb will diese westfälische Lethargie nicht länger akzeptieren. Schon 2016 hatte er die Mitarbeit seines Verbandes angeboten, schließlich könne der LWL als Klammer fungieren, da er in ganz Westfalen aktiv sei, hieß es damals. Jetzt erneuert er sein Angebot, wird konkret, bietet mehr. Das Ziel ist klar: Löb will Druck erzeugen – was er so natürlich nie zugeben würde.

„Westfalen braucht die Kooperation allein schon, um in Düsseldorf, Berlin und Brüssel wahrgenommen zu werden“, sagte der LWL-Chef am Dienstag gegenüber un­serer Zeitung. Seine Kritik hat er in die Form einer Vorlage gegossen, die er „eine Bestandsaufnahme“ nennt und geschickt als Angebot verpackt. Das Wesentliche steht zwischen den Zeilen. Heute wird sie erstmals im LWL-Kulturausschuss diskutiert – und ist damit öffentlich.

Handfeste Herausforderungen

Um offiziell mitreden, mittun und mitentscheiden zu können, möchte Löb den LWL künftig in den entscheidenden Gremi­en eta­blieren. Seinem Verband schlägt er vor, dafür jeweils bis zu 10.000 Euro an Beiträgen zu zahlen. Um den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit der Teilregionen voranzubringen, die notwen­dig sind, „um die wirtschaftliche Bedeutung des ländlichen Raumes ge­genüber den Metropolregionen herauszustellen“, ist er bereit, sich an Lenkungsgruppen und Tagungen zu beteiligen. Sollte zu deren Koordination eine hauptamtliche Geschäftsstelle nötig sein, könne der Verband Räume und Personal zur Verfügung stellen.

Besonders raffiniert: Punkt vier: Der LWL, westfalenweit für die Kulturarbeit zuständig, will ab 2018 jährlich 250.000 Eu­ro für das Format „Kultur in der Region“ im Kernhaushalt etablieren. Zuvor war das Geld nur anlassbezogen bereitgestellt worden. Damit will der LWL zweierlei de­monstrieren: Ei­ne Kooperation auf der westfälischen Ebene kann funktionieren – und hat dann womöglich ei­nen deutlich größeren Mehrwert als Ansätze im altbekannten Klein-Klein.

Fachkräftemangel, demografischer Wandel, medizinische Versorgung, Digitalisierung: Für Löb sind das nicht nur Schlagworte, sondern handfeste Herausforderungen, denen am besten gemeinsam begegnet werden sollte. An die Spitze der Bewegung setzen will er dabei aber weder sich noch den Verband. „Dafür haben wir kein Mandat.“ Der „Fokus liegt hier auf den drei Ma­nagement-Agentu­ren“, sagte er. Von dort könnten die Impulse ausgehen.

Mit der Vorlage hat er einen dicken Stein ins Wasser geworfen und zugleich den Finger in die Wunde gelegt. Die Zukunft wird definitiv nicht nur rosarot. Das Rheinland sowie das Ruhrgebiet haben sich darum längst organisiert. „In Westfalen muss jetzt mehr passieren“, sagte Löb. Und klar ist: Er will dabei kräftig Anschubhilfe geben. 

Westfalen in Zahlen

Nur ein geschlossen auftretendes Westfalen wird neben den Metropolregionen wahrgenommen, sagt LWL-Chef Löb und unterfüttert seine Forderung mit Daten.

►  Die Zahl der Erwerbstätigen betrug 2013 im Rheinland vier Millionen Menschen. Nur zusammen übertreffen die westfälischen Teilregionen Münsterland (0,8 Mio.), Ostwestfalen (1,1 Mio.) und Südwestfalen (0,7 Mio.) die Erwerbstätigenzahl im Ruhrgebiet (2,4 Mio.).

►  Auch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) übertreffen die Regionen Westfalens mit 167,6 Mrd. Euro (2013) nur gemeinsam das Ruhrgebiet (152,2 Mrd. Euro). Das BIP im Rheinland liegt mit 284 Mrd. Euro deutlich darüber.

►  Die Industrie in Westfalen verzeichnete 2013 eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 42,5 Mrd. Euro. Metropole Ruhr: 23,3 Mrd. Euro, Rheinland 43 Mrd. Euro.

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