Bundestagswahl 2017
Schwarze Bastion - so hat das Münsterland gewählt

Münster -

Bundestagswahl 2017, regional alles wie gehabt? Ja und nein. Ja, weil sich die CDU wie erwartet durchgesetzt hat. Nein, weil die AfD starke Duftmarken setzte.

Montag, 25.09.2017, 12:15 Uhr aktualisiert: 26.09.2017, 07:25 Uhr
 
So hat das Münsterland gewählt (Zweitstimmenergebnis in den Kommunen). Eine interaktive Grafik finden Sie unten im Text. Foto: Google

In unserer interaktiven Karte können Sie die Ergebnisse aller Münsterland-Kommunen einsehen. Für einen Überblick, wie die einzelnen Parteien abgeschnitten haben, klicken Sie auf den jeweiligen Reiter. Je dunkler der Ort in der jeweiligen Parteifarbe erscheint, desto höher war der Zweitstimmenanteil:

Bei un­ter drei Prozent blieben die Rechten vor vier Jahren; diesmal kamen sie auf Werte zwischen sechs und fast acht Prozent. Eher wenig im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, jedoch viel fürs Münsterland. Und die SPD? Bleibt zwar zweitstärkste Kraft, kommt aber auf keinen grünen Zweig.

Das Münsterland ist eine schwarze Bastion. Alle sechs CDU-Kandidaten gewannen ihre Wahlkreise mit deutlichen Vorsprüngen. Der Sieger der Sieger: Johannes Röring (Wahlkreis Borken II) mit 52,4 Prozent.

 

Wahlergebnisse im Münsterland

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  • Wie wählt das Münsterland? Die Ergebnisse im schnellen Überblick:

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Bei den Zweitstimmen liegt die CDU in allen sechs Münsterland-Kreisen vorne.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Ebenso lief es bei den Erststimmen: Das Duell um das Direktmandat im Wahlkreis Steinfurt I - Borken I entschied Jens Spahn für sich.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Im Wahlkreis Borken II holte Johannes Röring das Direktmandat mit 52,3 % der Erststimmen.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Auch Marc Henrichmann bekam über die Hälfte der Erststimmen (51,6%). Im Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II ließ er SPD-Konkurrent Ulrich Hampel deutlich hinter sich.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Stärkster Direktkandidat der SPD im Münsterland war Jürgen Coße, der im Wahlkreis Steinfurt III auf 30,3 % kam. An Anja Karliczek (44,8 %) kam er aber nicht heran.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Das knappste Rennen im Münsterland war so eng nicht: In Münster lag Robert von Olberg (SPD) bei der Stimmauszählung zwischenzeitlich sogar einmal vor Sybille Benning. Letztlich lag die CDU-Kandidatin (37,2 %) aber über acht Prozentpunkte vorne (SPD: 28,9 %).

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Im Kreis Warendorf sicherte sich Reinhold Sendker (CDU) das Direktmandat mit 46,4 % der Erststimmen, SPD-Kandidat Bernhard Daldrup wird aber über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

    Foto: Lisa Stetzkamp
  • Das Erststimmen-Ergebnis aus dem Münsterland noch einmal im Überblick.

    Foto: Lisa Stetzkamp

 

Kommentar zur Bundestagswahl 2017
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Bei der Zweitstimme gab es im Vergleich zur Wahl 2013 Altbekanntes, Erwartbares, aber eben auch Überraschendes. Die CDU gewann zwar flächendeckend, verlor aber überall zwischen sechs und sieben Prozentpunkte. Dennoch: Voten von 33 bis 47 Prozent in den Münsterland-Wahlkreisen sind nach wie vor eindeutig. Davon kann die SPD nur träumen: Sie kam auf Werte zwischen 21 und 27 Prozent – und lag damit unter den Ergebnissen von 2013.

FDP und AfD mit großen Stimmenzuwächsen

Deutlich gewonnen haben die FDP und auch die AfD. Mit zwölf bis 13 Prozent der Wählerstimmen verzeichneten die Liberalen die größten Zuwächse, in einzelnen Kommunen landeten sie sogar über 15 Prozent. Die Rechtspo­pu­listen steigerten sich auf bis zu 7,4 Prozent im Kreis Warendorf, am stärksten waren die Rechtspopulisten in Lotte (10,8 Prozent). Das bundesweit gute Abschneiden der AfD nannte Johannes Röring, alter, neuer CDU-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Borken II, „schwer verdaulich“.

Bei der Wahl 2013 hatten sie im Münsterland nirgendwo drei Prozent erreicht.

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15 Abgeordnete aus dem Münsterland

Mit dem vorläufigen Endergebnis steht fest, dass ein AfD-Abgeordneter aus dem Münsterland in den Bundestag einzieht. Für Mario Mieruch (Metelen) reicht Listenplatz 12. Martin Schiller (Münster) verpasste den Einzug knapp, die Liste zog bis Platz 15, der Münsteraner war Platz 16 gesetzt.

Diese Abgeordneten aus dem Münsterland sitzen im Bundestag

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  • Sechs Frauen und zehn Männer werden das Münsterland künftig im Bundestag vertreten. Der Großteil davon schaffte über die Landesliste den Sprung ins Parlament. Zu den Gewählten zählt SPD-Frau Ingrid Arndt-Brauer aus Horstmar. Platz 14 auf der Landesliste der SPD reichte für das Berlin-Ticket.

    Foto: Carla Rottmann
  • Bernhard Daldrup aus Sendenhorst steht auf Platz 7 der SPD-Landesliste und zieht damit erneut in den Bundestag ein.

    Foto: Beate Kopmann
  • Auch Ursula Schulte aus Vreden bleibt für die SPD im Bundestag. Ihr Listenplatz: 8.

    Foto: Pressefoto Schulte
  • Bei den Grünen schaffte Maria Klein-Schmeink (l.), Soziologin aus Münster, den Sprung ins Parlament. Platz 9 auf der Landesliste reichte aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Friedrich Ostendorff musste zittern. Der Grüne trat im Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II als Direktkandidat an. Den Einzug in den Bundestag schaffte der Landwirt aus Bergkamen über die Landesliste. Sein 12. Platz reichte so gerade aus.

    Foto: Scherle
  • Sicher im Bundestag ist hingegen Kathrin Vogler (Die Linke). Die Politikerin aus Emsdetten war auf Platz 7 der Landesliste gesetzt.

    Foto: Hans Lüttmann
  • Auf Platz 8 folgte ihr dort Journalist Hubertus Zdebel aus Münster. Das reicht für ihn zum erneuten Einzug in den Bundestag. Die Liste der Linken zog bis Platz 12.

    Foto: Günter Benning
  • Einziger FDP-Abgeordneter aus dem Münsterland im Bundestag ist Karlheinz Busen. Listenplatz 10 reicht locker.

    Foto: Klaus Wiedau
  • Für die AfD zieht Mario Mieruch, Mechatroniker aus Metelen, in den Bundestag ein. Er war auf Platz 12 der Landesliste gesetzt. Listenplatz 16 reichte für Martin Schiller (Münster) nicht - sie zog nur bis Platz 15. Schiller könnte allerdings noch zum Zuge kommen, wenn einer der 15 AfD-Bundestagsabgeordneten aus NRW in den kommenden Monaten oder Jahren aus dem Bundestag ausscheidet.

    Foto: Dieter Huge sive Huwe
  • Dr. Michael Espendiller zog über Platz zehn der AfD-Landesliste in den Bundestag ein. Er kandidierte im Wahlkreis Steinfurt III.

    Foto: Günter Benning
  • Die Münsterland-CDU schickt vier Männer und zwei Frauen nach Berlin. Sie holten alle in ihrem Wahlkreis das Direktmandat. Im Kreis Warendorf sicherte sich Reinhold Sendker die meister Erststimmen. Der ehemalige Lehrer aus Ennigerloh-Westkirchen zieht damit erneut in den Bundestag.

    Foto: Kopmann
  • Jens Spahn aus Ahaus gewann den Wahlkreis Steinfurt I - Borken I. Der Staatssekretär im Finanzministerium wird in Berlin schon für höhere Aufgaben gehandelt. Der 37-Jährige, Präsidiumsmitglied der CDU, hat laut Beobachtern Chancen, neuer CDU-Generalsekretär zu werden.

    Foto: Matthias Lehmkuhl
  • Johannes Röring sicherte sich den Wahlkreis Borken II mit 52,3 Prozent. Damit bleibt der Landwirtschaftsfunktionär – Röring ist Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands – im Bundestag, dem er schon seit 2005 angehört.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Havixbecker Marc Henrichmann gewann im Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II das Direktmandat. Er wird damit Nachfolger von Karl Schiewerling, der den Wahlkreis seit 2005 in Berlin vertreten hatte.

    Foto: Klaus de Carné
  • Im Kreis Steinfurt II holte Anja Karliczek das Direktmandat. Die 46-jährige Christdemokratin stammt aus Brochterbeck. Sie hatte schon 2013 das Direktmandat gewonnen.

    Foto: Heinrich Weßling
  • In Münster setzte sich die freiberufliche Landschaftsplanerin Sybille Benning gegen ihren SPD-Konkurrenten Robert von Olberg durch und verteidigte somit das Direktmandat, das sie bereits 2013 gewonnen hatte.

    Foto: Gunnar A. Pier

Über die Liste abgesichert und im nächsten Bundestag vertreten sein werden für die SPD Bernhard Daldrup (Sendenhorst; 7), Ursula Schulte (Vreden; 8) und Ingrid Arndt- Brauer (Horstmar; 14). Am Montagmorgen ist klar: Für Ulrich Hampel (Xanten; 19), Jürgen Coße (Neuenkirchen; 29) und Robert von Olberg (Münster; 33) reicht es nicht. Coße räumte noch am Abend ein: „Ich gehe davon aus, nicht mehr Bundestagsabgeordneter zu sein.“

Bei Grünen und Linken hielten sich Verluste und Gewinne regional in Grenzen. Für die Grünen sicher wieder im Bundestag ist Maria Klein-Schmeink (Münster; 9). Ganz knapp reicht das Ergebnis auch für Friedrich Ostendorf (Bergkamen; 12).

Im Deutschen Bundestag vertreten sind auch die Linken-Politiker Kathrin Vogler (Emsdetten; 7) und Hubertus Zdebel (Münster; 8) – sowie der bisherige NRW-FDP-Landes- und künftige Neu-FDP-Bundespolitiker, Karlheinz Busen (Gronau; 10). „Die Fahrkarte ist schon gekauft“, sagte der 66-jahrige FDP-Politiker. „Montagmorgen 6.34 Uhr ab Münster geht es nach Berlin.“

Kommentar

Erwartung, Überraschung, Befürchtung: Bei der gestrigen Bundestagswahl haben sich die CDU und ihre Kandidaten in allen sechs Wahlkreisen durchgesetzt, wenn auch mit leichten Verlusten. Im Münsterland dominiert nach wie vor die vor politisch die Farbe Schwarz; alles wie gehabt also. Die FDP legte deutlich zu, die Eindeutigkeit ist neu. Und die SPD? Kann einem fast nur noch leidtun.

Bedenklich hingegen das Abschneiden der AfD. Womöglich werden zwei extreme Rechte aus Münster und Metelen künftig im Bundestag sitzen. Vor vier Jahren hatten die Münsterländer den Deutschtümlern noch fast kollektiv die kalte Schulter gezeigt. Diesmal bis fast acht Prozent Zustimmung zeigen: Auch im ländlichen Raum erodiert die Bindung an die Volksparteien. Oder deutlicher: Dort wird vor allem der CDU offenbar die Lösung der als dringlich erachteten Probleme nicht mehr so wie bisher zugetraut. Ein wichtiger Satz zur Ehrenrettung: Die Zahl der AfD-Wähler im Münsterland liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Elmar Ries

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