Konzentrationslager Stutthof bei Danzig
KZ-Wachmann muss mit Anklage rechnen

Dortmund -

Noch in diesem Jahr möchte Oberstaatsanwalt Andreas Brendel einen 93-Jährigen aus dem Kreis Borken wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden Fällen anklagen. Der Mann war von Juni 1942 bis September 1944 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig als SS-Wachmann eingesetzt. „Die Entscheidung fällt Anfang November“, sagte der Leiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für NS-Verbrechen mit Sitz in Dortmund.

Montag, 16.10.2017, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 16.10.2017, 19:00 Uhr
Das Lagertor in Stutthof. Foto: dpa
Das Lagertor in Stutthof wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder errichtet. Das Konzentrationslager war im Vergleich zu an­deren eher klein, ab 1944 wurden auch hier Menschen vergast und die Leichen verbrannt. Foto: dpa

Brendel ermittelt seit 2016 gegen den Münsterländer und einen Wuppertaler, der ebenfalls als Wachmann in dem KZ tätig war. Die Ermittler haben in den vergangenen Monaten knapp 2000 Zeugenaussagen aus früheren Stutthof-Verfahren studiert und mit noch lebenden früheren Insassen gesprochen. „Einige von ihnen wollen als Nebenkläger zugelassen werden“, sagt er. Brendel geht es bei all dem um eine entscheidende Frage: Was konnte die Wachmannschaft von dem wissen, was im Lager geschah?

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Andreas Brendel von der Staatsanwaltschaft Dortmund ist zuständig für Verbrechen während der Nazizeit. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Juni 2016 hatte das Landgericht in Detmold den früheren Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Hanning starb ein Jahr später im Alter von 95 Jahren. Das Urteil wurde nicht rechtskräftig.

Nun war Stutthof nicht Au­schwitz. In dem deutlich kleineren Lager wurden aber auch Menschen ermordet. Dass jemand, der über zwei Jahre in dem KZ als Wachmann tätig war, Kenntnis davon hatte, dass dort Insassen malträtiert und misshandelt, erschlagen, erschossen, vergast und verbrannt wurden, erscheint den Ermittlern naheliegend. „Zumal dort zum Ende der Dienstzeit des 92-Jährigen größere Tötungshandlungen stattfanden“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Die Ermittlungen gegen die beiden Stutthof-Wachmänner waren nach dem Urteil des Münchner Landgerichts gegen den Sobibor-Wachmann John Demjanjuk ins Rollen gekommen. Die Richter hatten 2011 allein seinen Dienst in dem KZ als ausreichend für die Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord in 28.000 Fällen angesehen.

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