Sozialer Wohnungsbau
Landesweit droht weiterer Abbau von Sozialwohnungen - Mieten steigen

Düsseldorf/Münster -

Das Szenario ist beunruhigend: Während vielerorts die Mieten unablässig steigen und ohnehin immer weniger bezahlbare Wohnungen auf dem Markt zu finden sind, droht landesweit ein weiterer Rückgang von Sozialwohnungen.

Dienstag, 17.10.2017, 18:10 Uhr

Sozialwohnungen sind in Nordrhein-Westfalen Mangelware. In Zukunft soll sich die Lage weiter verschärfen.
Sozialwohnungen sind in Nordrhein-Westfalen Mangelware. In Zukunft soll sich die Lage weiter verschärfen. Foto: dpa

Von 467.356 Ende 2016 werde die Zahl bis 2040 auf 272.890 absinken, hat die NRW-Bank in ihrer jüngsten Modellrechnung prognostiziert. Dabei hat sich der Bestand schon vom Jahr 2000 bis jetzt halbiert. Zugleich sinkt die Zahl der geförderten Neubauwohnungen von Jahr zu Jahr, 2000 waren es 12 294, nur noch 3275 wurden 2016 bezugsfertig.

Es sind düstere Aussichten, die Bauministerin Ina Scharrenbach ( CDU ) am Dienstag auf eine Kleine Anfrage von SPD-Fraktionsvize Sarah Philipp in Form vieler Zahlen präsentierte. Massiv spürbar sind die Rückgänge im Ruhrgebiet, dort liegen sie – auch im Kreis Recklinghausen – sogar oft über dem Landesdurchschnitt.

Ursache für den Rückgang sind nach Aussagen der Bauministerin ausgelaufene Mietpreisbindungen, die je nach Förderperiode unterschiedlich befristet waren. Zudem haben viele Investoren die Darlehen vorzeitig getilgt. Damit fallen die Wohnungen zwar nicht automatisch aus der Preisbindung, aber auch die Übergangsphasen liefen in vielen Fällen aus.

Im Münsterland verlief die Entwicklung nicht ganz so drastisch:

► In der Universitätsstadt Münster, wo die Nachfrage immer sehr hoch war, sank die Zahl in den 16 Jahren von 12.942 auf 7919. Allerdings scheint sich hier die Abwärtsentwicklung vorübergehend gefangen zu haben. Die Zahl neuer geförderter Wohnungen lag aber auch hier unter den Verlusten. 210 wurden 2016 fertig, ein Jahr zuvor nur 85. Laut Prognose bliebe 2040 noch ein Bestand von 4480 übrig.

► Im Kreis Borken ist die zahl geförderter Wohnungen um weniger als 30 Prozent gesunken – von 8162 auf 5894. 19 neue Wohnungen wurden 2016 gebaut. Kreisweit wird es in 23 Jahren nur noch 3040 Wohnungen mit Mietpreisbindungen geben.

► Der Rückgang verlief im Kreis Coesfeld vergleichbar, von 4642 auf 3382 sank der Bestand. Nur 47 neue Wohnungen kamen letztes Jahr hinzu. 2040 werden es nur noch 1800 sein.

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► Stabiler ist der Bestand an Sozialwohnungen im Kreis Steinfurt, wo die Zahl von 10.138 auf 8861 sank. Dabei war auch hier der Neubau mit 84 Einheiten 2016 bescheiden. Bis 2040 erwartet die NRW-Bank nahezu eine Halbierung auf 4480.

► Um mehr als ein Drittel ist der Bestand im Kreis Warendorf von 8069 auf 5012 geschrumpft. Bis 2040 wird ein Rückgang auf 2960 Prognostiziert.

Sozialer Wohnungsbau: Nordkirchen macht vor, wie es geht

In kleineren Städten ist der soziale Wohnungsbau manchmal ein schwieriges Unterfangen, weil es mitunter keinen Bauträger gibt. Vor genau diesem Problem steht auch die Gemeinde Nordkirchen und hat sich als möglichen Ausweg ein Genossenschaftsmodell überlegt. Er habe, erzählt Bürgermeister Dietmar Bergmann (SPD), zu oft von jungen Nordkirchenern gehört, sie würden ja gerne im Ort bleiben, könnten sich dort aber keine Wohnung leisten. „Also sind wir auf die Genossenschaftsidee gekommen“, sagt er. Anfang November entscheidet der Hauptausschuss darüber. Die Idee: Die Gemeinde stellt kostenlos oder gegen einen geringen Pachtzins ein Grundstück zur Verfügung, ein Bauunternehmer errichtet günstigen Wohnraum, der für kleineres Geld vermietet wird. Gemeinde, Bauträger und Mieter werden Genossen, was auch bedeutet, dass alle Beteiligten mitreden dürfen. „Geplant sind zunächst sechs Doppelhaushälften“, sagt Bergmann. Sollte das Projekt funktionieren, kann es ausgeweitet werden. In Nordkirchen und darüber hinaus. Andere Gemeinden schauen nämlich schon interessiert nach Nordkirchen. Elmar Ries

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