Prozessauftakt am Landgericht
Unfall oder versuchter Mord?

Ahlen / Münster -

Ein 50 Jahre alter Mann soll den Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin mit ei­nem Leihwagen mutwillig angefahren haben. Ein einfacher Verkehrsunfall oder versuchter Mord? Diese Frage beschäftigt seit Donnerstag das Landgericht Münster.

Donnerstag, 04.01.2018, 18:01 Uhr

In Begleitung seines Verteidigers betrat der 50-jährige Angeklagte am Donnerstagmorgen den Verhandlungssaal im Landgericht Münster.
In Begleitung seines Verteidigers betrat der 50-jährige Angeklagte am Donnerstagmorgen den Verhandlungssaal im Landgericht Münster. Foto: Pjer Biederstädt

Ganz bewusst habe er am 4. Juli vergangenen Jahres in Ahlen die Kollision mit dem Radfahrer herbeigeführt, argumentierte die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift – deshalb der Vorwurf des versuchten Mordes. Dem Staatsanwalt zufolge soll der 50-Jährige dem Partner seiner Ex-Freundin, der auf dem Fahrrad unterwegs war, an der Kreuzung Kruppstraße / Porschestraße signalisiert haben, auf sein Vorfahrtsrecht zu verzichten, um dann das Auto plötzlich doch zu beschleunigen. Zum Zeitpunkt des Zusammenpralls sei der Wagen 35 km/h schnell gefahren, die Wucht des Zusammenstoßes schleuderte das Opfer über die Windschutzscheibe auf das Dach des Autos. Der Radfahrer verletzte sich dabei am Ellenbogen. Der gebürtig aus Münster stammende Angeklagte soll ohne anzuhalten vom Tatort geflohen sein. „Der Angeklagte nutzte dabei bewusst das Überraschungsmoment“, so der Staatsanwalt.

Während dieser die Anklageschrift verlas, legte der 50-Jährige mehrmals seinen Kopf in den Nacken auf die Sitzlehne, schloss die Augen und wippte mit dem Kopf hin und her. Sein Mandant, so Strafverteidiger Stephan Kreuels , wolle – Stand jetzt – weder zur Sache noch zu seiner Person Angaben machen.

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Der erste von sechs Verhandlungstagen

Und so war der erste von sechs angesetzten Verhandlungstagen schon nach knapp 30 Minuten beendet. Auch deshalb, weil eine Sachverständige nicht zur Verhandlung erscheinen konnte, wie die Vorsitzende Richterin mitteilte. Die Expertin sollte Auskunft über den psychischen Zustand des Mannes geben. Dieser war nach seiner vorläufigen Verhaftung zwei Tage nach der Tat und dem anschließenden Haftbefehl in den Vollzugsanstalten in Bremervörde und Bielefeld in Untersuchungshaft. Zwei Tage vor Weihnachten wurde er in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses verlegt. Weil die Sechs-Monatsfrist der U-Haft des Angeklagten zu verstreichen drohte, nach deren Ablauf er auf freien Fuß hätte gesetzt werden müssen, wurde der Prozess trotz Abwesenheit der Sachverständigen begonnen.

Zeugenaussagen sollen Licht ins Dunkel bringen

„Ob es tatsächlich ein Mordmerkmal gegeben hat, ist die entscheidende Frage“, sagte Verteidiger Kreuels nach dem Prozessauftakt. Seinen Angaben zufolge basiere der Vorwurf des versuchten Mordes in der Anklage auf Angaben von Zeugen, die im Vorfeld des Prozesses gesagt hätten, den Angeklagten dabei beobachtet zu haben, wie er den richtigen Moment abgewartet habe. Mehr Licht ins Dunkel werden also erst die Zeugenaussagen bringen, wenn der Prozess am 15. Januar fortgeführt wird.

Wann ist ein Mord ein Mord?

Mord ist durch ein im Vergleich zum Totschlag größeres Unrecht charakterisiert. Dieses wird durch die Verwirklichung der sogenannten Mordmerkmale angezeigt. Diese sind in Fallgruppen unterteilt. Die erste Gruppe knüpft das Vorliegen eines Mordes an ein Handeln aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder aus sonstigen niedrigen Beweggründen. Die zweite Fallgruppe knüpft an das äußere Erscheinungsbild der Tötung an. Heimtücke, Grausamkeit und gemeingefährliche Mittel sind die Merkmale. Die dritte Fallgruppe stellt einen Zusammenhang zwischen der Tötung und einer weiteren Straftat her.

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