Tobias te Beest und Carina Bietenbeck
Landwirte bereiten sich aufs Wettmelken vor

Bocholt -

Am Samstagmorgen um kurz nach sieben liegt noch die Nacht über dem Reyerdingvenn hinter Bocholt. Aber im Stall brennt schon Licht. Wochenende gibt’s hier nicht, seit einer halben Stunde stehen Tobias­ te Beest und Carina Bietenbeck im Melkstand. 90 Kühe wollen Milch loswerden. Jeder Handgriff sitzt bei den beiden. Das ist gut so: Ab Montag nehmen sie an den Landesmeisterschaften im Melken teil.

Sonntag, 07.01.2018, 15:01 Uhr

Im Stall brennt schon Licht: Am Samstagmorgen trafen sich Tobias te Beest und Carina Bietenbach schon um 6.30 Uhr, um gemeinsam die Kühe zu melken. Sie sind Klassenkameraden an der Borkener Fachschule für Agrarwirtschaft. Vormelken per Hand: Der erste Stritzer läuft noch nicht durch die Melkmaschine.
Im Stall brennt schon Licht: Am Samstagmorgen trafen sich Tobias te Beest und Carina Bietenbach schon um 6.30 Uhr, um gemeinsam die Kühe zu melken. Sie sind Klassenkameraden an der Borkener Fachschule für Agrarwirtschaft. Vormelken per Hand: Der erste Stritzer läuft noch nicht durch die Melkmaschine. Foto: Gunnar A. Pier

Der Hof, von dem Tobias te Beest stammt, ist ein typischer münsterländischer Milchviehbetrieb. 100 Kühe stehen im Stall nahe der niederländischen Grenze. Im Sommer kommen sie für ein paar Stunden am Tag auf die Weide, morgens und abends werden fast alle gemolken. Etwa 27 Liter Milch gibt jede Kuh jeden Tag, morgens etwas mehr als abends. Die Tiere kennen den Ablauf, die Milch muss raus.

Deshalb knipst Tobias jeden Morgen um 6.30 Uhr, wenn Fuchs und Igel sich noch lange nicht „Guten Morgen“ gesagt haben, das Licht im Melkstand an. „Wenn ich einmal aufgestanden bin, geht es eigentlich“, sagt er. Dann vergisst der 21-Jährige die Party gestern Abend und die Kürze der Nacht. Dann funktioniert er.

Besuch im Melkstand bei Tobias te Beest und Carina Bietenbeck

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Handarbeit bis heute

Natürlich sind die Zeiten, als die Magd auf dem Schemel saß und beidhändig Milch in die blecherne Kanne spritzen ließ, lange vorbei. Doch auch heute geht es nicht ohne Handarbeit. Zuerst das Vormelken: Der erste Stritzer muss raus, bevor etwa eine Minute später die Sauger der Melkmaschine angehängt werden. Im Normalfall dauert es fünf bis sechs Minuten, bis die Kuh gemolken ist. Desinfizieren, fertig, nächste Kuh. 14 Tiere finden gleichzeitig im Melkstand Platz.

Traumberuf Landwirt

Für Tobias te Beest war schon immer klar, dass er Landwirt werden möchte. „In den Sommerferien zwischen der siebten und achten Klasse hatte ich schon meine Lehrstellen klar“, erinnert er sich. Auf verschiedenen Betrieben absolvierte er seine Ausbildung und begann nach seinem Gesellenjahr die zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt an der Fachschule für Agrarwirtschaft . Im Sommer 2019 will er fertig sein, um den heimischen Hof zu übernehmen.

Die ersten Kühe werden gerade gemolken, die nächste schaut schon durch die Tür . . .

Die ersten Kühe werden gerade gemolken, die nächste schaut schon durch die Tür . . . Foto: Gunnar A. Pier

Drei Jahre Ausbildung

Eine etwas andere Zukunft steht seiner Klassenkameradin Carina Bietenbeck aus Borken bevor. Ihre Eltern haben ein Lohnunternehmen und keine eigene Landwirtschaft. Trotzdem stand auch für die heute 20-Jährige fest, dass sie Landwirtin werden will. Zwei Jahre lernte sie auf einem Sauenbetrieb, das dritte Jahr lernte sie die Milchviehzucht kennen. Ein eigener Betrieb schwebt ihr gerade nicht vor. „Vielleicht werde ich Beraterin“, schildert sie ihre Pläne und wendet sich dem nächsten Euter zu. Denn an diesem Samstagmorgen ist sie ebenfalls früh aufgestanden, um ihrem Mitschüler Tobias beim morgendlichen Melken zu helfen.

Gemolken wird heute weitgehend automatisch.

Gemolken wird heute weitgehend automatisch. Foto: Gunnar A. Pier

Wettmelken

Schließlich haben die beiden ein gemeinsames Projekt vor sich: Ab Montagmorgen nehmen sie am Landeswettbewerb im Melken teil. „Der Lehrer hat gefragt, wer mitmachen möchte, und wir haben uns freiwillig gemeldet“, erklärt Carina. Was sie genau erwartet, wissen sie nicht, doch so oder so sind die beiden gelassen: „Ich werde das einfach so machen wie immer“, erklärt Tobias. „Entweder du schaffst es, oder du schaffst es eben nicht.“ Für die Teilnehmer an der Meisterschaft steht der Spaß im Vordergrund: „Das soll ja gesellig sein.“

Besuch im Melkstand bei Tobias te Beest und Carina Bietenbach

Mehr als auf den möglichen Titel jedenfalls freut sich der angehende staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt darauf, im Zuge der Veranstaltung auch andere Betriebe anschauen zu können. Mal sehen, wie die arbeiten, wenn die Nacht noch über dem Hof liegt.

Der Landeswettbewerb im Melken

Alle zwei Jahre sucht die Landwirtschaftskammer den besten Nachwuchsmelker des Landes. 18 junge Landwirtinnen und Landwirte zeigen ab Montag im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse in Bad Sassendorf, was sie drauf haben. Neben Milchmenge und Melkzeit werden auch die Melkarbeit, die Geschicklichkeit der Teilnehmer sowie der Umgang mit den Kühen bewertet. Bei dem Wettbewerb geht es aber nicht nur um die praktische Melkarbeit: Die theoretische Prüfung dreht sich rund um Kuh und Milchqualität. Die drei Besten qualifizieren sich für den Bundesmelkwettbewerb.

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