Ohne Not in die Ambulanz
Immer mehr Patienten steuern bei geringen Beschwerden zuerst das Krankenhaus an

Münster -

Rund eine Million Patienten kamen 2016 in NRW in die Notfallambulanz – und es werden immer mehr. Dabei gehört ein Drittel der Patienten da nicht hin - und belastet die Krankenhäuser mit schätzungsweise einer Milliarde Euro.

Dienstag, 16.01.2018, 10:01 Uhr

Ohne Not in die Ambulanz: Immer mehr Patienten steuern bei geringen Beschwerden zuerst das Krankenhaus an
Patienten kommen gehäuft in Krankenhäuser mit Beschwerden, für die eigentlich der Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung zuständig wäre. Foto: dpa

„Ein Drittel aller Patienten, die in diese Notfallambulanzen der Krankenhäuser kommen, gehören da nicht hin“, erklärte Lothar Kratz von der Krankenhausgesellschaft NRW. Sie kämen mit Beschwerden, für die eigentlich der Notfalldienst der Kassenärztlichen Vereinigung zuständig wäre. Kratz schätzt den finanziellen Schaden, der durch das Ausweichen in die Notfallambulanzen entsteht, bundesweit auf etwa eine Milliarde Euro. Grund sei, dass die Versicherungen Kosten für die „nicht notwendige Behandlung“ in der Klinik oft nicht übernehmen.

Erst einmal ins Krankenhaus

„Viele Patienten fahren bei Beschwerden einfach erst einmal ins Krankenhaus“, bestätigt Vanessa Pudlo , Sprecherin der Kassenärzt­lichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Auch bei geringeren Beschwerden oder, weil es ihnen zu üb­lichen Öffnungszeiten – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich war.

63 ambulante Notfalldienstpraxen bundesweit

Die KVWL betreibt derzeit 63 ambulante Notfalldienstpraxen, um eine aus­reichende medizinische Versorgung außerhalb der ­Praxisöffnungszeiten zu gewährleisten, erklärt Pudlo. 791.400 Patienten seien 2016 in Notfalldienstpraxen versorgt worden – die Zahl steigt.

Um eine bessere Abstimmung der Zuständigkeiten zwischen Allgemein­mediziner und Krankenhaus zu gewährleisten, gibt es in Westfalen-Lippe 13 so­genannte Portalkliniken. An einem gemeinsamen Empfang, dem „Portal“, entscheiden Mitarbeiter, ob der Patient in die Ambulanz oder die angegliederte Notfalldienstpraxis geschickt wird.

Ab­klärungspauschale eingeführt

In Notfallambulanzen dürfen Patienten, bei denen kein medizinischer Notfall vorliegt, abgewiesen und an einen Hausarzt verwiesen werden. Im vergangenen Jahr ist dafür eine Ab­klärungspauschale in Höhe von 4,74 Euro pro Patient für Klinikärzte eingeführt worden.“ Laut Pudlo ist das ein „sinnvolles Instrument und ein Schritt in die richtige Richtung“.

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