Immer mehr Messerattacken
Polizei warnt vor neuem Gewaltphänomen bei Jugendlichen

Münster -

Die Polizei warnt vor einem neuen Gewaltphänomen in Deutschland: Offenbar bewaffnen sich immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene mit Messern „und setzten diese bei einem Streit auch schnell ein“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, gegenüber unserer Zeitung.

Dienstag, 20.03.2018, 06:03 Uhr

Symbolbild
Am 23. Januar wurde in einer Gesamtschule in Lünen ein 14-Jähriger erstochen. Foto: dpa (Archiv)

Nach Angaben der Bild-Zeitung von Montag ist die Zahl solcher Gewaltdelikte in den vergangenen Monaten mancherorts um bis zu 300 Prozent gestiegen. Nicht alle Bundesländer führen diesbezüglich Statistiken.

In NRW hatten zuletzt zwei tödliche Attacken in Lü­nen und Dortmund Schlagzeilen gemacht. In einer Gesamtschule in Lünen hatte ein 15-Jähriger im Januar einen Mitschüler erstochen, im Februar tötete eine 16-Jährige in Dortmund eine Jüngere mit ei­nem Messer. In beiden Fällen waren die Anlässe nichtig. „Den jungen Leuten fehlt das Bewusstsein dafür, wie gefährlich ein Messer sein kann“, sagte Mertens .

Symbol der eigenen Stärke

Konfliktforscher der Uni Bielefeld haben in einer vierjährigen Studie die Gewaltbereitschaft junger Männer in sozialen Brennpunkten un­­tersucht und dabei ei­ne interessante Entdeckung gemacht. „Die Jugendlichen haben die Messer nicht bei sich, um bewaffnet zu sein“, sagt Abdul Rauf, wissenschaftlicher Mitarbeiter, auf Nachfrage. Der wahre Grund sei viel profaner: „Es soll lediglich die eigene Stärke symbolisieren.“

Um das Problem einzudämmen, forderte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow, die Prüfung „denkbarer Strafverschärfungen“. Darüber hinaus fordert die Polizeigewerkschaft, mit Messern begangene Straftaten endlich bundesweit zu er­fassen und Täterkategorien zu bilden. Laut Bundes­kriminalamt werden bislang nur Schusswaffen als so­genannte Tatmittel erfasst.

NRW-Innenminister Reul (CDU) hat das Landeskriminalamt unmittelbar nach der Bluttat von Lünen beauftragt, die Aufnahme von Angriffen mit Stichwaffen in die polizeiliche Kriminal­statistik zu prüfen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5604099?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
WWU Baskets triumphieren mit 93:87 in Düsseldorf - Jojo Cooper mit 26 Punkten
Basketball: Pro B: WWU Baskets triumphieren mit 93:87 in Düsseldorf - Jojo Cooper mit 26 Punkten
Nachrichten-Ticker