Zum Record Store Day
Ein Besuch beim Plattenhändler aus Passion

Münsterland -

Die Vinyl-Schallplatte war so gut wie tot. CDs, später Downloads, heute Streaming-Dienste - die Scheiben waren weg. Doch die alte Technik erlebt einen neuen Boom, der auch den Geschäften hilft. Zum Record Store Day ein Besuch im Plattenladen in Nottuln-Appelhülsen.

Samstag, 21.04.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 21.04.2018, 13:57 Uhr
Kistenweise Vinyl stehen im Laden von Michael Pieper in Nottuln-Appelhülsen. Die alte Technik boomt – doch leben könnte der Plattenhändler davon nicht mehr.
Kistenweise Vinyl stehen im Laden von Michael Pieper in Nottuln-Appelhülsen. Die alte Technik boomt – doch leben könnte der Plattenhändler davon nicht mehr. Foto: Gunnar A. Pier

Und dann war plötzlich wieder so ein Schätzchen dabei. Beatles , das Album „Beatles for Sale“, englische Erstpressung. „Die war irgendwo in so einer Heino- und Peter-Alexander-Sammlung“, erinnert sich Michael Pieper . Jetzt stellt er das Schätzchen ins Regal seines Plattenladens in Nottuln-Appelhülsen. Doch selbst mit solchen Raritäten kann man nicht reich werden. Dabei feiert das gute alte Vinyl eine Renaissance – und wird am heutigen Record Store Day international gefeiert.

Anfang der 90er verlor die Schallplatte den Schwung. Die CD kam auf: moderner, praktischer, vermeintlich unempfindlicher. Mit den mechanischen Vinylscheiben verschwand auch das Knacken, das die Spannung steigerte, bevor der erste Song des neu gekauften Albums beginnt. Dazu der schöne Geruch. Und das Pffftklack, wenn die Platte in die weiße Innenhülle rutschte. All die Sinneseindrücke also, die neben der Musik den Reiz ausmachten.

In den 60ern ging's los

Michael Pieper ist da weniger sentimental. „Die Art des Tonträgers ist mir egal, mir geht es um die Musik.“ Schon immer, auch als er noch als Lagerist im Kaufhaus arbeitete. Seit Ende der 60er Jahre sammelte er Platten. In den 80ern begann er das Handeln. Auf Plattenbörsen machte er manchmal Schnäppchen für eine Mark , für die er anderswo drei Mark bekam. Als einmal 300 Mark an einem Tag zusammen kamen, „da wurde ich heiß“. 1991 eröffnete er als Nebenjob seinen Plattenladen in einer ehemaligen Metzgerei an Appelhülsens Durchgangsstraße.

Die Platte meines Lebens

„Der Anfang war hart“, erinnert sich der 66-Jährige. „Das ist ja ein Dorf hier.“ Da wurde der Zugezogene mit den langen Haaren, der Schallplatten verkaufen wollte, zunächst zwar neugierig, aber doch skeptisch beäugt. Doch als in den 90ern der Musikmarkt boomte und millionenfach CDs verkauft wurden, profitierte auch Pieper. Rund 100 Exem­plare verkaufte er alleine von Elton Johns Lady-Di-Hommage „Candle in the Wind“. „Und da gab es noch so ein paar Knaller.“ Damals versorgte er die Appelhülsener mit aktueller Musik.

Konkurrenz aus dem Internet

Doch dieses Geschäft gibt es so kaum noch. Es kamen die großen Internet-Händler, dann kamen legale Downloads, inzwischen boomt das Streamen: Fans hören Musik direkt übers Internet und zahlen dafür eine Abo-Gebühr. „So ändern sich die Zeiten“, sagt Michael Pieper lakonisch. „Wenn ich davon leben müsste, wäre ich schon lange verhungert.“

Muss er aber nicht. Seit fünf Jahren ist er Rentner, den Laden betreibt er aus Passion weiter. Noch immer gibt es bei Michael Pieper ein paar fabrikneue CDs und DVDs. „Aber das größte Geschäft mache ich mit Schallplatten.“

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Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)

An- und Verkauf

Michael Pieper kauft und verkauft. Manchmal rufen ältere Leute an, die ihre Sammlung abgeben wollen. Oft ist er auf Plattenbörsen. Die Scheiben stehen zum Teil in einem Lagerraum, teils aber eben auch in seinem Laden, in dem er werktags von 15 bis 18.30 Uhr auf stöberwillige Kunden wartet. „Manchmal kommen drei, vier Leute gleichzeitig, dann wird es hier schon eng.“

Ihm hilft der neue Boom der alten Technik: Seit zehn Jahren ziehen die Vinyl-Verkäufe mehr und mehr an, selbst neue Alben junger Stars wie Mark Forster erscheinen auch als Platte. Ein Retro-Kult, der wohl eher mit Emotionen zu tun hat. Pffftklack.

Und privat? „Von Klassik bis Free-Jazz, ich bin vor nichts fies.“

CD oder Vinyl? „Ich höre fast immer Kassetten.“

Ach ja, die gab‘s ja auch.

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