NWL setzt auf neue Antriebstechniken
Dieselzüge aufs Abstellgleis

Münsterland -

Weg vom verruchten Diesel hin zum sauberen Elek­tro-, Batterie- oder Wasserstoff-Antrieb: Was für die Straße gilt, macht vor der Schiene nicht Halt. Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) will bis 2030 seinen Dieselstrecken ein Öko-Upgrade verpassen und nur noch Triebwagen mit Elek tro/Batterie- oder Brennstoffzellentechnik fahren lassen. Das hat Geschäftsführer Joachim Künzel jetzt erklärt.

Freitag, 27.04.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 27.04.2018, 06:39 Uhr
Nach Enschede dieseln könnte bald Geschichte sein.
Nach Enschede dieseln könnte bald Geschichte sein. Foto: Wilfried Gerharz

Davon profitieren würde vor allem das Münsterland; abgesehen von den Hauptstrecken dieseln hier noch ziemlich viele Züge. Sechs Netze hat der NWL für eine Pilotphase ins Auge gefasst. Dazu gehören die Strecken der RB 51 (Dortmund - Enschede), der RB 63 (Münster - Coesfeld), RB 64 (Münster- Gronau - Enschede), RB 14 (Borken - Essen), RB 45 (Dorsten -  Coesfeld) und RB 67 (Bielefeld - Münster).

Rollen könnten die ersten Elektro/Batterie-Triebwagen ab 2024 im OWL-Diesel­netz (RB 67); dann läuft der Verkehrsvertrag mit den beiden Betreibern Eurobahn und Nordwestbahn aus. Die anderen Strecken werden danach sukzessive neu ausgeschrieben – mit neuer Antriebstechnik als Auflage.

Umweltschutz vs. technischer Fortschritt

Der Umweltschutz ist ein Aspekt, der hier zum Zuge kommt, der technische Fortschritt ein anderer. Darüber hinaus gilt: Bahnfahren boomt, folglich sind viele Diesel-Strecken am Rande der Belastbarkeit. „Größere Gefäße lassen sich dort aber nur mit anderen Antrieben realisieren“, sagt Künzel . Ein weiterer Pluspunkt.

Beispielsweise für die RB 64. Auf der Strecke von Münster nach Enschede sind die Fahrgastzahlen förmlich explodiert. Von täglich 4000 im Jahr 2000 auf inzwischen 10 000 pro Wochentag. Das ist der stärkste Zuwachs in der gesamten Region. Der zum NWL gehörende Zweckverband Schienenpersonen-Nahverkehr Münsterland (ZVM) träumt schon lange davon, die Strecke zu elektrifizieren, um dann beispielsweise große Doppelstock-Wagen einzusetzen.

Herausforderung, längere Strecken mit Akku-Kraft zu schaffen

Das klingt gut, hat jedoch einen Schönheitsfehler: Die Kosten für die Elektrifizierung der rund 65 Kilometer langen Strecke belaufen sich auf 76 Millionen Euro. Damit ist das Projekt quasi unfinanzierbar. Hier böten die neuen Technologien Entlastung. Der Charme der Elektro/Batterie-Technik liegt darin, längere Strecken allein mit Akku-Kraft fahren zu können. „Wichtig ist, dass sich fürs Aufladen am Anfang und Ende ein Fahrdraht befindet“, erklärt Künzel.

So könnte die RB 67 die rund 50 Kilometer zwischen Münster (Strom) und Rheda-Wiedenbrück (wieder Strom) allein mit Batteriekraft bewältigen. Für weitere Strecken wären Brennstoffzellen eine umweltfreundliche Alternative.

Die Richtung steht

Der NWL als Auftraggeber will den Technik-Wechsel, die Fahrzeughersteller, die natürlich wissen, dass auch modernste Diesel-Fahrzeuge oldschool sind, wollen ihn auch. Eigentlich. „Ursprünglich war auf der Strecke Dorsten - Coesfeld (RB 45) ein Wasserstoff-Testbetrieb vorgesehen“, sagt NWL-Sprecher Uli Beele. Beim Blick auf die Kosten wurde er aber schnell abgesagt.

Gleichwohl, die Richtung steht. Da lohnt sich auch ein Blick auf die geplante Reaktivierung der WLE-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst. Läuft die Planung glatt, könnten dort in fünf oder sechs Jahren die ersten Züge rollen. Als Triebwagen vorgesehen sind derzeit noch … Dieselfahrzeuge.

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