Immer dem Futter nach
Der Beruf von Wanderschäfer Jürgen Schienke ist vom Aussterben bedroht

Lengerich -

Jürgen Schienke steht auf einer Wiese im Teutoburger Wald und stützt sich auf seine Schäferschippe. Vor ihm schlagen sich 280 Schafe den Pansen voll, ihre Lämmer springen verspielt über die Wiese so grün wie der Frühling. Löwenzahnsamen schweben über die Wiese, eine Amsel prahlt mit ihrem Gesang, die beiden Altdeutschen Hütehunde Kauri und Jockel streichen um seine Beine. Klingt romantisch. Ist es aber nicht.

Dienstag, 15.05.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 15.05.2018, 08:34 Uhr
Jürgen Schienke packt ein Lamm in eine Tasche, das noch zu jung ist, um mit seiner Herde durch den Teuto zu ziehen.
Jürgen Schienke packt ein Lamm in eine Tasche, das noch zu jung ist, um mit seiner Herde durch den Teuto zu ziehen. Foto: Wilfried Gerharz

Schienke ist einer der letzten Wanderschäfer in Deutschland. Und er ist skeptisch, ob der Beruf noch durchhält, bis er in Rente geht. Der 50-Jährige sagt: „Wir machen alles so, wie es sich die Gesellschaft wünscht. Aber trotzdem sind wir dabei, unterzugehen.“ Er hat nach eigenen Worten in 30 Berufsjahren noch keinen Liter Glyphosat oder Gülle auf den Wiesen verspritzt, über die seine Bentheimer Landschafe ziehen. „Bei uns gibt es kein Insektensterben,“ sagt er. Und Sojafutter aus Übersee kennen seine Tiere auch nicht. Spielt alles keine Rolle: Wanderhirten geht es schlecht. „Wir bekommen keine Wertschätzung“, sagt der Lienener. Heute ist er in einem Gebiet in Lengerich unterwegs. Ganz in der Nähe liegt der Steinbruch, den die Kenner dort als „Canyon“ bezeichnen. Dort hat die Herde die Nacht in einem Elektro-Pferch verbracht.

Herde läuft von Wiese zu Wiese

Der 50-Jährige ist mit seinem Land Rover zu den Tieren gefahren. Dort hat er am Abend zuvor einen Pferch aufgebaut, damit die Tiere dort übernachten können. Am Morgen packt er seine Sachen, lässt die Hunde aus dem Auto und zieht die Stangen aus dem Boden, an dem der Zaun befestigt ist. Erst als er pfeift, ziehen die Muttertiere los. Die Herde läuft von Wiese zu Wiese. Jedes Mal, wenn Schienke mit den Schafen und ihren 250 Lämmern zum nächsten Weidegrund geht, bricht in der Herde das Chaos aus. Beunruhigte Mütter rufen nach ihren Jungen. Doch die markieren lieber den starken Mann, als auf das Blöken zu hören. „Die haben noch keinen Schnall“, sagt Schienke leicht genervt über die Lämmer. Sie müssen erst lernen, wo sie herlaufen dürfen. Immerhin: „Bald wissen die das.“ Seine Hunde werden ihnen das schon beibringen.

Schafe im Teutoburger Wald

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  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Schafe von Jürgen Schienke leisten eine wichtige Aufgabe im Teutoburger Wald: Sie verhindern, dass dort Flächen verbuschen. So behalten dort seltene Pflanzen wie Orchideen oder Enzian ihren seltenen Lebensraum. Foto: Wilfried Gerharz

Der Kampf ums nackte Überleben

In einer Petition für die Rettung der Wanderschäfer heißt es: Zwischen 2010 und 2016 mussten 13 Prozent der Betriebe in Deutschland aufgeben. Die meisten der rund 950 verbliebenen Erwerbsschäfereien kämpfen ums nackte Überleben, viele von ihnen bekommen weniger als den Mindestlohn. Aus den Agrarhaushalten der EU würden ihre Leistungen nicht angemessen bezahlt. Deswegen fordern die Befürworter eine Weidetierprämie. Schienke sagt: „Wenn heute ein Bauer eine Kuh auf eine Weide stellt, dann bekommt er dafür eine Prämie. Die bekommen wir nicht, weil unsere Tiere immer schon draußen waren.“

Schienke und seine Schafe stehen nicht nur im lauen Frühling, sondern auch im Novemberregen und Schnee draußen. Nur von Mitte Fe­bruar bis Mitte April sind sie im Stall, weil der Schäfer dort besser prüfen kann, ob die Muttertiere ihre Jungen auch annehmen.

Trotz all der Arbeit könnte Schienke von den Erlösen aus Wolle und Fleisch niemals leben. Dafür ist das ­Futter im Teuto zu knapp. Selbst seine Kollegen auf den ­Deichen im Norden kommen nur über die Runden, weil sie Geld für die Pflege der Deiche bekommen. Und dort sind die Bedingungen für die Schafe deutlich besser. Auch Schienkes Herde gibt es nur, weil die Zementindustrie im Teuto einen ­Zuschuss zahlen muss. So zieht Schienke mit seinen Tieren weiter. Immer dorthin, wo das Futter wächst.

So wird die Schafherde im Teuto finanziert

Schäfermeister Jürgen Schienke ist Angestellter der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL), die in der IG Teuto mit der Zementindustrie „Interessen in Sachen Naturschutz und Rohstoffsicherung“ koordiniert und abstimmt, wie es in einer Broschüre der Dyckerhoff AG heißt. Dafür weiden Schienkes Schafe Kalkmagerrasen und Streuobstwiesen ab. So können dort Orchideen, Enziane und andere vom Aussterben bedrohte Pflanzen von der roten Liste wachsen. Thomas Volk vom ANTL erklärt: „Wir bekommen für die Beweidung Naturschutzmittel und Geld von Dyckerhoff und Calcis.“ Das sind zwei Unternehmen, die im Teuto Kalk abbauen. Die IG Teuto, in der auch die Kommunen Lengerich, Lienen und Tecklenburg vertreten sind, beteiligen sich an dem Defizit der Schaf­herde. Das entsteht nicht nur durch die Personalkosten, sondern auch durch die Ausgaben für Winterfutter und den Stall, in dem die Lämmer zur Welt kommen.

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