Medizin
Ärztetag winkt umstrittene Homöopathie-Weiterbildung durch

Erfurt/Münster -

Jetzt erst recht, denkt sich Cornelia Bajic. Die Erste Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) will, dass die Homöopathie nach der Entscheidung von Erfurt eine größere Rolle spielt.

Dienstag, 15.05.2018, 09:05 Uhr

Globuli etwa mit Bestandteilen aus Arnika-Pflanzen (unten) werden in der Homöopathie eingesetzt. Mediziner dürfen sich auch in Zukunft weiter zum Arzt für Homöopathie weiterbilden.
Globuli etwa mit Bestandteilen aus Arnika-Pflanzen werden in der Homöopathie eingesetzt. Mediziner dürfen sich auch in Zukunft weiter zum Arzt für Homöopathie weiterbilden. Foto: imago

„Jetzt werden wir den nächsten Schritt gehen und eine Homöopathie-Debatte auf den Weg bringen“, kündigt Bajic an. Die Homöopathie sei offenbar dazu geeignet, „den medizinischen Herausforderungen in einer Gesellschaft mit immer mehr chronisch erkrankten und multimorbiden Menschen wirkungsvoll zu begegnen“, heißt es in einer Presse­mitteilung des DZVhÄ.

Weiterbildung zum Arzt für Homöopathie

Der Ärztetag hat vergangene Woche eine überarbeitete Muster-Weiterbildungsordnung verabschiedet – nach zum Teil heftigen Diskussionen in der Vorbereitung. Die Verordnung regelt die Weiterbildung eines Mediziners unter anderem zum Arzt für Homöopathie.

Die Ärzteschaft teilt Bajic’s Einschätzung nur in Teilen. Dr. Markus Wenning , Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Westfalen-Lippe, begründet die Zustimmung damit, dass so größerer Schaden von Patienten abgehalten werden solle. Schon in den Tagen vor dem Ärztetag hatte sein Präsident Theo Windhorst die Position der west­fälischen Ärzte so for­muliert: „Wenn ausgebildete Mediziner homöopathisch arbeiten, geschieht das zumindest mit einem ärztlichen Hintergrund.“ Deswegen solle die Zusatzbezeichnung bleiben. Die Homöopathie würde sonst in die Hände nichtärzt­licher Berufs gruppen gelangen.

Vorstoß des „Münsteraner Kreises“ untragbar

Angefacht hatte die Debatte der so­genannte „Münsteraner Kreis“, knapp 20 Wissenschaftler und bekennende Homöopathie-Gegner. Sie hatten gefordert, dass Ärzte die Zusatzbezeichnung Homöopathie nicht mehr verwenden dürfen, und die Alternativmedizin als eine „esoterische Heilslehre“ bezeichnet.

Andreas Holling, Arzt für Homöopathie aus Münster, bezeichnet den Vorstoß des „Münsteraner Kreises“ als untragbar. Patienten würde so ein selbstbestimmter ­Zugang zur Homöopathie verwehrt. „Viele unserer ­Patienten verstehen die Welt nicht mehr“, erklärt er. Eine im Schwerpunkt ­„sprechende und zuhörende“ Medizin aus dem Medizinbetrieb zu verbannen, sei „völlig anachronistisch“. Mit einer ­„bedrohlicher ­werdenden technokratischen Medizin“ brauche man die Homöo­pathen dringlicher denn je.

Kommentar: Wer heilt, hat recht

Weiter auseinander könnten beide Seiten nicht sein. Die einen bezeichnen die Homöopathie als kompletten Unsinn, die anderen als wichtigen Bestandteil einer ganzheitlichen medizinischen Versorgung. Über die Frage, wer recht hat, streiten beide Seiten verbissen miteinander.

Wahr aber ist, dass alle, die behaupten, nur allein zu wissen, was gesund macht, mit Vorsicht zu genießen sind. Viel vertrauenserweckender sind die Mediziner, die zugeben: "Wer heilt, hat recht“. Das können auch Homöopathen sein. Ein komplexes System wie der mensch­liche Körper kann durch alles Mögliche aus dem Gleichgewicht geraten. Dafür gibt es nicht nur die eine Lösung. Homöopathie als Scharlatanerie abzutun, ist zu einfach.

- Stefan Werding

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