Alle sechs Filialen im Münsterland bestreikt
Tarifstreit bei Real-Märkten eskaliert erneut

Münsterland -

Bei der Supermarktkette Real erreicht der schon jahrelang anhaltende Tarifstreit eine neue Eskalationsstufe, die auch im Münsterland Spuren hinterlässt. Für Freitag und Samstag hatte die Gewerkschaft Verdi zu ganztägigen Streiks aufgerufen. 

Freitag, 13.07.2018, 16:26 Uhr

Eine Beschäftigte der Einzelhandelskette Real trägt ein Schild mit der Aufschrift "Achtung! real fördert Altersarmut".
Eine Beschäftigte der Einzelhandelskette Real trägt ein Schild mit der Aufschrift "Achtung! real fördert Altersarmut". Foto: dpa

„155 Mitarbeiter aus dem Münsterland sind mit uns heute nach Düsseldorf zur Metro-Zentrale gereist, um ihrem Unmut Luft zu machen“, betonte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Gaby Beuing am Freitag gegenüber unserer Zeitung. „Beschäftigte aus allen Filialen in der Region haben sich beteiligt.“ Metro ist die Muttergesellschaft von Real. Real-Märkte gibt es in der Region in Bocholt, Coesfeld, Dülmen, Nordwalde, Rhede und Rheine.

Zwar seien diese Märkte dennoch geöffnet, doch Beuing weiß: „Einige Theken mussten mangels Personal schließen.“ Am Samstag soll der Verdi-Streik in einer Kundgebung in Dülmen münden. Dorthin hat die Gewerkschaft auch die Bundestagsabgeordneten der Region eingeladen – „zur Diskussion über Tarifflucht und Lohndumping“, so Beuing.

Auslöser: Kündigung des Flächentarifvertrags

Bestreikt wurden laut Verdi bundesweit alle rund 280 Real-Filialen. Ein Auslöser für den aktuellen Arbeitskampf ist nach wie vor die Kündigung des Flächentarifvertrags durch Real im Jahr 2015. Außerdem die Entscheidung der Unternehmensleitung, sich aus den mit Verdi vereinbarten Tarifverträgen zu verabschieden und stattdessen neu eingestellte Mitarbeiter nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV zu bezahlen, der für das Unternehmen deutlich günstiger ist.

Dies bedeute für die Betroffenen durchschnittlich 23 Prozent weniger Geld, betonte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger und fügte hinzu: „Solche Löhne führen direkt in die Altersarmut der Beschäftigten.“

Die Probleme bei Real sind ein Grund, warum die Aktie des Handelskonzerns Metro kräftig eingebrochen ist. Vor einem Jahr hatte der Metro-Konzern sich aufgespalten – in die Elektronikkette Ceconomy (Media Markt, Saturn) und den Lebensmittelhändler Metro, zu dem auch Real gehört. Im Frühjahr gab es dann eine Gewinnwarnung. Gründe waren neben dem anhaltenden Konflikt bei Real auch massive Probleme im wichtigen Russlandgeschäft des Konzern.

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