Mond und Mars in Rot
Zwei spektakuläre Himmelsereignisse am Freitagabend

Münster -

Zwei spektakuläre Himmelsereignisse sind am späten Freitagabend gleichzeitig zu bewundern: Eine sehr lange, totale Mondfinsternis - und der Mars so groß wie selten. Was man über den astronomischen Sommernachtstraum wissen muss:

Mittwoch, 25.07.2018, 18:30 Uhr aktualisiert: 27.07.2018, 14:30 Uhr
Mond und Mars in Rot : Zwei spektakuläre Himmelsereignisse am Freitagabend
Ein Blutmond wird am Freitagabend Foto: Michael Dütting

Gleich zwei besondere Konstellationen erhellen den Nachthimmel am 27. Juli in Deutschland - und das an einer lauen Freitagnacht mitten im Hochsommer. Der Mond taucht in den Erdschatten ein, es ist die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Der Mars ist der Erde gleichzeitig so nah wie selten. 

Was ist eine Mondfinsternis?

Eine Mondfinsternis findet nur bei Vollmond statt, denn dann steht der Mond der Sonne genau gegenüber und kann in den Schatten der Erde eintauchen. Doch das ist nicht bei jedem Vollmond der Fall, da die Mondbahn um einiges gegenüber der Erdbahn geneigt ist. Meist zieht der Vollmond daher weit am Schatten der Erde vorbei. Nur dann, wenn sich die Mondbahn mit der Erdbahn kreuzt und gleichzeitig Vollmond ist, zeigt sich der Mond verfinstert. 

Warum wird der Mond rot?

Bei der Mondfinsternis hält die Erde das Licht der Sonne ab, der Mond befindet sich im Schatten der Erde. Die Färbung des «Blutmondes» kommt von langwelligem, also rotem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Schattenkegel gestreut wird. Dieses wird dann vom Mond zurück zur Erde reflektiert, der Mond sieht für uns rot aus.

Was ist das besondere an dieser Mondfinsternis?

Die totale Mondfinsternis ist diesmal besonders lang: Der Mond taucht für eine Stunde und 44 Minuten vollständig in den Erdschatten ein - von 21.30 Uhr bis 23.14 Uhr. Damit ist es die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts. Übertroffen wird sie erst am 9. Juni 2123 - um zwei Minuten. 

Blutmond über dem Münsterland

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  • Der Verlauf der Mondfinsternis

    Foto: Oliver Werner
  • Im nördlichen Münster hat Joachim Hilpert dieses Teleskopfoto gemacht.

    Foto: Joachim Hilpert
  • In der Nacht war eine totale Mondfinsternis zu sehen, die gar nicht so finster war...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Kupferrot zeigte sich der Mond am frühen Morgen über Münster.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. So zeigte sich der "Blutmond" über Münsters Innenstadt.

    Foto: Ryan Ares
  • In Burgsteinfurt tauchte der Mond um 4.11 Uhr in den Kernschatten der Erde.

    Foto: Ralf Hoge
  • Um 4.32 Uhr ist der Mond über Burgsteinfurt rot gefärbt.

    Foto: Ralf Hoge
  • Der rote Schimmer rührt von langwelligem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Schattenkegel gestreut wird. Kurz nach der Aufnahme verdeckten in Gronau Wolken die Sicht auf das Himmelsschauspiel.

    Foto: Patricia Ohlenburg
  • In der Nacht gab es nicht nur eine totale Mondfinsternis, der Mond (aufgenommen um 5.02 Uhr in Ladbergen) war der Erde auch sehr nah und deshalb besonders groß zu sehen. Das Phänomen nennt man Super-Mond.

    Foto: Ines Aufderhaar
  • Die besondere Konstellation (aufgenommen im Norden Münsters) hat laut LWL-Astronom Dr. Björn Voss wissenschaftlich gesehen übrigens "keinerlei Auswirkungen - weder auf uns, noch auf die Gezeiten".

    Foto: Christine Dedeck
  • Gegen 5.20 Uhr verließ der Mond (aufgenommen in Ascheberg-Herbern) den Kernschatten der Erde wieder.

    Foto: Anna Wingerts
  • Die nächste totale Mondfinsternis wird in Deutschland am 27. Juli 2018 zu beobachten sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • So sah der Mond über Münster vor der Finsternis aus,...

    Foto: Oliver Werner
  • ...und so während der Finsternis.

    Foto: Oliver Werner
  • Gegen 5.20 Uhr bewegte sich der Mond...

    Foto: Oliver Werner
  • ...allmählich...

    Foto: Oliver Werner
  • ...aus dem Kernschatten der Erde heraus.

    Foto: Oliver Werner
  • Gegen 6.30 Uhr...

    Foto: Oliver Werner
  • ...verließ der Erdtrabant den Schatten und war wieder strahlend weiß.

    Foto: Oliver Werner

Warum ist die Mars-Konstellation besonders?

Der als Rote Planet bekannte Mars ist weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Anders als diese, braucht er auf seiner Bahn nicht ein, sondern fast zwei Jahre, um die Sonne zu umrunden. Der Abstand vom Mars zur Sonne schwankt dabei erheblich: von rund 200 bis 250 Millionen Kilometer.

Nur wenn der Mars der Sonne nahe steht und ihn die Erde auf der Innenbahn überholt, ist er am Himmel besonders hell und vergleichsweise groß zu sehen. Zu dieser speziellen Konstellation kommt es im Durchschnitt aber nur alle 15 Jahre, zuletzt 2003.

Am 27. Juli ist der Mars nur etwa 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - der Minimalabstand, wie Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg sagt.

Wann ist das Himmelsbild am spektakulärsten?

Wer das Ereignis in voller Pracht beobachten will, muss lange wach bleiben. Gegen 21.30 Uhr geht in Münster der bereits verfinsterte Mond auf, um circa 22 Uhr wird man ihn dann nach Angaben des LWL-Planetariums gut erkennen können. Er erscheint dann in tiefrotem Licht. Ab 23 Uhr ist gleichzeitig der Mars gut zu sehen - so lange sollte man aushalten.

Die Mondfinsternis endet um 0.19 Uhr, wenn der Mond den Kernschatten der Erde wieder verlassen hat. Der Mars hingegen ist die ganze Nacht lang zu sehen.

18072018_laengste_Mondfinsternis_Verlauf dlr

Der Verlauf der Mondfinsternis am 27. Juli 2018 Foto: DLR

Was gibt es noch am Himmel zu sehen?

Gleichzeitig mit Mond und Mars sind am Freitagabend die Planeten Saturn und Jupiter zu sehen. Ab 22.31 Uhr wird über dem Münsterland dann die Internationale Raumstation ISS in etwa sechs Minuten von Westen nach Osten über den Himmel ziehen. Alexander Gerst wird von dort aus die beste Sicht auf das Ereignis haben.

Wie wird das Wetter?

Die Aussichten sind gut. Am Freitag könne es im Münsterland zwar eine lockere Quellbewölkung geben, berichtet Meteorologin Janina Wendling vom Wetterkontor, „diese wird sich zum Abend hin aber voraussichtlich größtenteils auflösen”. Im Laufe der Nacht könne die Bewölkung dann wieder dichter werden. Nach derzeitigen Prognosen gebe es für Freitagabend in der Region auch nur ein sehr geringes Gewitterrisiko. „Ganz ausschließen kann ich das derzeit aber nicht”, sagt Wendling.

Wo kann man das Ereignis am besten beobachten?

Das Problem bei dem Himmelsschauspiel: Zum Höhepunkt der Mondfinsternis gegen 22.22 Uhr stehen im Münsterland sowohl der Mond als auch der Mars noch tief über dem Horizont. Wichtig ist deshalb ein Beobachtungsplatz mit freiem Blick in südöstlicher Richtung. Erst am Ende der Finsternis um 23.14 Uhr stehen die beiden Himmelskörper deutlich höher. 

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Grundsätzlich ist das Naturschauspiel dort besser zu beobachten, wo es wenig Lichtverschmutzung gibt, also dort, wo auch sonst der Sternenhimmel gut zu sehen ist. 

In Deutschland herrschen die günstigsten Beobachtungsbedingungen für die Finsternis laut Deutschem Raumfahrtzentrum (DLR) im Süden und Osten. Im Süden, weil dort der Mond bis zum Ende der totalen Verfinsterung immerhin eine Höhe von maximal 16 Grad über dem Horizont erreiche; im Osten, weil der Mond dort früher aufgehe und die Finsternis vollständiger zu beobachten sei, der Mond allerdings nicht sehr hoch über den Horizont steige.

Wo die Finsternis wann zu beobachten ist, kann auf dieser interaktiven Karte nachgeschaut werden.

Gibt es ein Public Viewing?

Zahlreiche Sternwarten, Planetarien, astronomische Vereine und Forschungsinstitute laden zum gemeinsamen Beobachten des Spektakels ein. In Münster bieten die Sternfreunde Münster und das LWL-Museum für Naturkunde Beobachtungen der beiden Ereignisse mit den Teleskopen des Vereins an. Um 21 Uhr wird es im Sternensaal des Museums einen kurzen Einführungsvortrag vom Planetariumsleiter Dr. Björn Voss zum Thema geben. Anschließend geht es um 21.30 Uhr bei wolkenlosem Himmel raus auf die Aasee-Wiesen, wo Teleskope aufgebaut werden. Der Eintritt ist frei.

Wie gelingen Fotos von dem Himmelsereignis?

Für schöne Fotos von der totalen Mondfinsternis brauchen Fotografen drei Dinge: eine System- oder Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv, ein Stativ und den richtigen Standort. „Man braucht freie Sicht auf den Süd-Ost-Horizont“, sagt Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Damit der Mond auch schön groß das Bild bestimmt, braucht es ein Teleobjektiv. „200 Millimeter sind gut, 400 sind besser“, sagt Köhler. „Sonst ist man hinterher enttäuscht, wie klein der Mond ist.“ Damit nichts verwackelt, nimmt man entweder ein Stativ oder eine feste Unterlage für die Kamera. Wichtig ist, die Empfindlichkeit der Kamera nicht zu hoch zu stellen, sonst verrauschen die Bilder leicht.

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