Bauernhof zieht um
Dieser Umzug dauert drei Jahre

Beckum -

Mit einem Samstagvormittag ist es nicht getan. Wenn der „Laakenhof“ aus Beckum umzieht, dann ist das für die Bewohner des Bauernhofs eine organisatorische Herausforderung.

Donnerstag, 26.07.2018, 14:00 Uhr

Nach über 20 Jahren wurde dem Laakenhof die Pacht der Hofstelle und der Flächen gekündigt.
Nach über 20 Jahren wurde dem Laakenhof die Pacht der Hofstelle und der Flächen gekündigt. Foto: Wilfried Gerharz

Umziehen ist schon nervig genug. Die Küche, die Couch, im schlimmsten Fall noch ein Klavier. Doch für die Landwirte das Laakenhofs in Beckum sind das ­alles nur Kinkerlitzchen. Wenn sie umziehen, dann müssen sie noch zusätzlich ein Dutzend Kühe, Küken und eine komplette Käserei transportieren.

Die bevor­stehende Arbeit ist unüberschaubar, die Trauer über den Abschied vom alten Hof groß, aber die Lust auf etwas Neues auch. „Wir freuen uns auf den neuen Hof. Der bietet jede Menge Potenzial“, sagt Hannah-Theresa Wapp­ler . Die 27-Jährige ist Miteigentümerin des Bauernhofs.

1000 Tage Umzug

Um die Mammutaufgabe bewältigen zu können, wird der Hof nach und nach umziehen. Die ersten Gewächshäuser fürs Gemüse stehen schon in Ennigerloh, Hannah-Theresa Wapplers Bauwagen so rot wie eine Erdbeere und mit einem Fenster bis auf den Boden ist ebenfalls schon umgezogen.

Der Bauantrag für einen neuen Kuhstall, für den die Bauern auf Spenden hoffen, ist gestellt. Anfang nächsten Jahres sollen Hofladen, Seminar-, Kühl- und Reiferäume stehen. Alles in allem wird der Umzug rund 1000 Tage dauern.

Umzug des Laakenhof

1/24
  • Hannah-Theresa Wapplers erdbeerroter Bauwagen ist schon nach Ennigerloh umgezogen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Laakenhof wird nach und nach umziehen. Alles in allem wird der Umzug rund 1000 Tage dauern.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Das Dutzend Kühe muss ebenfalls umziehen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Umzug des Bauernhof wird etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Foto: Wilfried Gerharz

Auszug bis 2020

Nach über 20 Jahren hatte der Baustoffkonzern „HeidelbergCement AG“ dem Laakenhof im Jahr 2013 die Pacht der Hofstelle und der Flächen gekündigt. Spätestens bis zum 30. September 2020 muss die Kommune ausgezogen sein. Unterschriftenaktionen und Medienberichte haben die Haltung des Konzerns, der in 60 Ländern tätig ist und der an über 3000 Standorten 60 000 Mitarbeitern hat, nicht geändert.

Fragen unserer Zeitung zu den Gründen für die Kündigung be­antwortete das Unternehmen ebenso wenig wie zur zukünftigen Nutzung. So ließ es offen, ob dort nach dem Wegzug Kalk abgebaut oder ein zum Beispiel ein Reiterhof entstehen soll.

_GER4522

Greta Meyer, Reinhold, Hövelmann, Hannah-Theresa Wappler, Lucca Woltersdorf, Hilde Schiller,Martha Steinhorst (von links) müssen von ihrem Hof verschwinden. Foto: Wilfried Gerharz

Belastung durch zwei Höfe

„Ich hoffe, wir kriegen das hin“, sagt Hilde Schiller über den Umzug. Sie lebt schon seit 23 Jahren auf dem Gelände. Die finanzielle Belastung ist groß. Seit einem halben Jahr müssen die Bauern die Pacht für zwei Höfe bezahlen.

Statt 35 Hektar sind es jetzt 70 Hektar, die sie bewirtschaften müssen. Mit dem gleichen Personal wie bisher. Und das Gemüse und das Getreide müssen weiter geerntet und gesät werden, die Kühe weiter gemolken, der Käse eingelabt und die Ställe gereinigt werden.

Noch vor eineinhalb Jahren war uns überhaupt nicht klar, ob das alles klappt.

Hannah-Theresa Wappler

Hannah Wappler, groß geworden in Prenzlauer Berg in Berlin, ist offensichtlich keine Frau, die in solchen Auseinandersetzungen klein beigibt. Und weil sie noch genug Energie übrig hat, ­engagiert sie sich im Pres­byterium der evangelischen Kirchengemeinde in Beckum, spielt Oboe und tanzt Tango in Münster.

Neuer Hof ist perfekter Standort

Immerhin ist der neue Hof für die Bewohner des Laakenhofs ein perfekter Standort. Gerade mal vier Kilometer liegt er entfernt. Das Paar, das ihn ebenfalls nach Bio-Standards betrieben hat, hatte niemanden gefunden, der den Hof übernehmen wollte. Trotzdem war die Übergabe nicht leicht. „Noch vor eineinhalb Jahren war uns überhaupt nicht klar, ob das alles klappt“, sagt Wapp­ler. Der Laakenhof drohte zu verschwinden.

Trotzdem ist die 27-Jährige froh, in Beckum gelandet zu sein, freut sich über die vor Kurzem geborenen Kälber, die seltenen, vom Aussterben bedrohten Pflanzen wie Venuskamm, Acker­rittersporn oder Wolfsmilchkraut auf den Wiesen ihres Hofes und das gemeinsame Wohnen. Da hält sie auch der Umzug eines ganzen Bauernhofs nicht davon ab, für ihre Ideen zu kämpfen.

Laakenhof

Die Bewohner des Laakenhofs bezeichnen sich selbst als Kommune. Sie besteht zurzeit aus vier „Kommunarden“ und zwei Azubis, die gemeinsam ihr Leben teilen wollen, Entscheidungen im Konsens treffen, Verantwortung auch für andere übernehmen wollen und sich für die Umwelt einsetzen. Demnächst soll noch eine Familie auf den Hof ziehen. Sie ist bereits zum Probearbeiten an­gemeldet.

Außergewöhnlich: Alle Bewohner haben Zugriff auf ein gemeinsames Konto, in das sämtliche Einnahmen des Hofes fließen. Jeder kann mit seiner Karte nach eigenen Bedürfnissen Geld abheben, solange es reicht. „Jeder kann nehmen, was er will und was er braucht“, sagt Hannah-Theresa Wappler. Nur bei größeren Anschaffungen sprechen sich die Be­wohner vorher ab. Zur Übernahme des neuen Hofs reicht das Kapital der Hofbetreiber nicht. Darum suchen sie noch Investoren, die sie finanziell unterstützen. anders-ackern.de

...
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5933100?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Nachrichten-Ticker