Projekt «Suspended Coffee»
Einen aufgeschobenen Kaffee an Bedürftige spenden

Münster -

Hinsetzen, durchatmen und einen Kaffee schlürfen. Dem stressigen Alltag zumindest für eine kurze Zeit entfliehen. Für viele Menschen ist der Gang ins Lieblingscafé eine Selbstverständlichkeit - doch nicht für alle. Ein Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, genau das zu ändern.

Mittwoch, 08.08.2018, 16:39 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.08.2018, 07:05 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 08.08.2018, 16:39 Uhr
Projekt «Suspended Coffee» : Einen aufgeschobenen Kaffee an Bedürftige spenden
Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Der Kaffee ist für viele Menschen das Genussmittel schlechthin. Er gehört zum täglichen Leben dazu - und hat auch einen sozialen Charakter: Freunde treffen sich auf einen Kaffee im Lieblingscafé, plaudern und tauschen Neuigkeiten aus.

Menschen, die in Armut leben, können sich diesen Luxus nicht leisten, können an diesem Teil des gesellschaftlichen Lebens oft nicht teilnehmen und sind in Kaffeehäusern eher selten anzutreffen. Das Projekt «Suspended Coffee» will sie wieder ins gesellschaftliche Leben zurückholen und ihnen ein Stück weit Normalität zurückgeben.

Zum Thema "Einkommensarmut"

Und so funktioniert's

Gäste bezahlen zwei Kaffee (oder andere angebotene Produkte), trinken aber nur einen. Der zweite Kaffee wird gespendet und einem bedürftigen Menschen ausgeschenkt. Nachweisen müssen Bedürftige nichts - für viele ist die Frage danach Überwindung genug. Das Projekt will ihnen keine weiteren Steine in den Weg legen. Zurückzuführen ist diese Bewegung auf eine italienische Tradition und dem dortigen "Caffè sospeso" (aufgeschobener Kaffee).

"Suspended Coffee Germany"

Oft kann man einen anderen Menschen schon durch eine kleine Geste oder eine kleine Aufmerksamkeit glücklich machen. Das macht sich die Aktion Suspended Coffee Germany zum Ziel. [...] Es ist ganz einfach und kann doch ein ganzes Leben beeinflussen.

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Foto: suspendedcoffee.de

"Suspended Coffee Germany" gibt es seit 2013. Saskia Rüdiger hat das Projekt in Deutschland initiiert. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 200 Unternehmen.

Auch Kaffeehäuser aus Münster und dem Münsterland machen bei der Aktion mit

Münster: Alexianer Waschküche und das SpecOps

Havixbeck: Café Teitekerl

Bocholt: Huckleberry's, das Huck-you und die Bäckerei Gildhuis

"Ich mach' 'nen Aufgeschobenen"

Tim Broeker, Inhaber des Cafés Teitekerl in Havixbeck, ist seit mehreren Jahren dabei. Er hat in Hamburg und München Kaffeehäuser entdeckt, die einen "Aufgeschobenen" anbieten - und wollte die Bewegung dann auch unterstützen, eben "weil es eine schöne Aktion ist", erinnert sich Broeker.

Bei ihm können Gäste neben Kaffee, auch Kuchen und Pfannkuchen aufschieben. Die gespendeten Bons sind auf einem Plakat an der Wand angeheftet. Gäste machen zwar ab und zu mit ("Ich mach' 'nen Aufgeschobenen"), doch die gespendeten Produkte werden bei Broeker im ländlichen Raum kaum abgefragt: "Wir haben hier nur wenige Obdachlose".

Mit dem Button zur Theke

Die Alexianer Waschküche war das erste Café in Münster, das sich an der Idee des aufgeschobenen Kaffees beteiligt hat. Sie hörten von der Aktion und setzten es direkt um. Gäste werden gleich im Eingangsbereich auf die Möglichkeit hingewiesen: Auf einer Tafel sind Buttons mit den aufgeschobenen Produkten angebracht. Bei den aktuell heißen Temperaturen gibt es neben aufgeschobenem Kaffee auch aufgeschobene alkoholfreie Kaltgetränke.

"Bedürftige nehmen sich einen Button, gehen zur Theke und bestellen", erklärt Denise Köpke, Betriebsleiterin der Alexianer Waschküche. Der aufgeschobene Kaffee werde hier gut angenommen, dennoch würde es auch Tage geben, an denen die Tafel leer ist. Das passiere glücklicherweise eher selten, so Köpke.

Das SpecOps macht mit Aufklebern auf die Möglichkeit aufmerksam, dort Kaffee spenden zu können. "Außerdem steht es in der Karte", sagt Mischa Khorchidi Gilawai. Auch dieses Café ist mittlerweile seit mehreren Jahren Partner der Aktion.

Ausschließlich positive Resonanz

Dass es auch aufgeschobene Kaffees in Bocholt gibt, ist der Bocholterin Miriam Pietzka zu verdanken. Sie hörte von der Aktion "suspended coffees", informierte sich und hat Cafés in der Umgebung einfach mal angeschrieben.

Es macht Freude, etwas zu teilen und Gutes zu tun.

Christian Gildhuis

Christian Gildhuis von der Bäckerei Gildhuis in Bocholt freut sich über die vor gut zwei Monaten angelaufene Aktion: "Es gab ausschließlich positive Resonanz. Einige gespendete Produkte wurden auch schon in Anspruch genommen". Bei ihm können alle Produkte aufgeschoben werden, nicht nur Kaffee.

Gäste spenden ganze Menüs

Im Huckleberry's und dem Huck-you hängen die Bons normalerweise an der Theke. Gäste würden gut spenden - manchmal sogar ganze Menüs, doch die Hemmschwelle, die Bons einzulösen, scheint doch noch recht hoch zu sein, berichtet Sven Liebrand. Deshalb gibt er die gespendeten Bons auch schon mal an soziale Einrichtungen weiter. So würden die sozialen Einrichtungen die Bons an Bedürftige weitergeben, die dann die Bons wiederum im Huckleberry's oder Huck-you einlösen können.

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